| Las Vegas und der Wilde Westen |
Fata
Morgana in der Wüste
Es ist wohl der amerikanische Traum schlechthin: Die Karriere vom
Tellerwäscher zum Millionär. Der hat mit dem allerseits umjubelten Wahlsieg von
Barack Obama neue Strahlkraft erhalten. Ein ganz anderes Sinnbild des Glanzes in
den USA ist die Vergnügungshauptstadt Las Vegas. Millionen Menschen verbinden
mit den Glücksmaschinen und Spieltischen ihren Traum - und zwar den vom
sofortigen Reichtum.
Der Süden Nevadas ist unter herkömmlichen Gesichtspunkten für den Aufenthalt von
Menschen völlig ungeeignet. Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen
liegen im Juli bei 39,7 Grad. Unter diesen Bedingungen sind Lebewesen, Wasser
und Grün nahezu ausgeschlossen. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
etablierte sich genau hier ein globales Tourismuszentrum mit jährlich
40
Millionen Besuchern! Geldspiele, Shows und natürlich das unumgängliche Heiraten
gehören zu Las Vegas ebenso wie Wasserflächen mit Segelschiffen, Gondolieri und
das gleißende Licht der Nacht. Entgegen dem weitverbreiteten Klischee stehen die
Kasinos als Geburtshelfer der Stadt heute nur noch an zweiter Stelle der
Wirtschaft. Der Farmer Phil Tobin war am Glücksspiel völlig uninteressiert, als
er 1931 dem Staatsparlament zur Finanzierung des Bildungssystems in Nevada die
Legalisierung des "Gambling" vorgeschlagen hatte. Aus dem verschlafenen Dorf
wurde eine Metropole mit 600.000 Einwohnern. Vielleicht drehen die wirklich
durchgeknallten Zocker heute lieber an der Wall Street am globalen Rad.
Tatsächlich entfallen inzwischen drei Viertel des touristischen Umsatzes von Las
Vegas auf das Entertainment.
Show-Größen der Vergangenheit - Elvis Presley und Frank Sinatra - begeisterten
die Touristen genauso wie heutzutage Célin Dion, Elton John oder der legendäre
Cirque du Soleil. Vor zehn Jahren nahm der moderne Zirkus mit seinem Programm
"O" den stationären Vorstellungsbetrieb in Las Vegas auf. Mehr als acht
Millionen erfreuten sich seitdem im Bellagio Hotel an jenem Feuerwerk der Sinne,
bei dem Thematik, Performance, Kostüme, Beleuchtung und Musik Feuer und Wasser
perfekt miteinander harmonieren. Aushängeschild ist das gigantische Wasserbecken
als Bühne. Mittlerweile hat der Cirque du Soleil vier weitere
Dauervorstellungen
an jeweils eigenen Spielorten in Las Vegas etabliert: "Zumanity", "Ka", "Love"
und "Believe".
Die berühmten Hotels der Stadt konzentrieren sich an zwei Straßen, dem Strip und
der Fremont Street. Das Wynn rühmt sich mit seinen Baukosten von 2,7 Milliarden
Dollar als das teuerste Etablissement der Welt. Das Venetian Resort Hotel gilt
nach der Erweiterung 2008 mit seinen 7.000 Zimmern als der größte Hotelkomplex
von Las Vegas – und damit selbstredend der Welt!
Jenseits des Glamours verödet
die Stadt der Shows in gesichtslosen Vororten. Hier ist Las Vegas wieder ganz
Amerika. Endlos ziehen sich die Schilder der Makler und Banken mit der immer
wiederkehrenden Aufschrift: For Sale.
Längst vergangen ist die große Zeit der Route 66. Sie verband den Mittleren
Westen der USA mit der kalifornischen Küste. Auf dem endlosen Asphaltband
donnerten die Cowboys der Landstraße mit ihren unvermeidlichen Harleys der Sonne
entgegen. An den verbliebenen Teilstücken scheint gelegentlich die Zeit
stehenzubleiben.
Andernorts wird Geschichte mit jenem zielsicheren Instinkt für
Kitsch am Straßenrand drapiert.
Im weiteren Umfeld von Las Vegas befinden sich viele der Naturwunder, die
unseren Träumen von Amerika und dem sogenannten Wilden Westen innewohnen. Ob
Grand Canyon oder die bizarre kalifornische Felsenküste, die Nationalparks von
Yosemite oder das aus unzähligen Westernfilmen und Reklametrailern bekannte
Monument Valley mit seinen legendären Sonnenuntergängen.
Ebenfalls im Reservat
der Navajo-Indianer befindet sich der äußerst schmale Antelope-Canyon. Erosion
bildete im Sandstein unglaubliche Formen, die durchaus ihre Tücken haben: Bei
insgesamt eher unproblematischen Niederschlägen sammelte sich das Wasser in den
klammartigen Schluchten und kostete 1997 elf Touristen das Leben. Wie sagte doch
der Geografielehrer: In der Wüste finden die meisten Menschen den Tod durch
Ertrinken!
Gesammelt wird all das Wasser vom 216 Meter hohen Glen Canyon Dam, der seit
Mitte der 1960er Jahre den gewaltigen Lake Powell aufstaute. Als zweitgrößter
Stausee der Vereinigten Staaten ist er überlebenswichtig für die Bewohner der
umliegenden Staaten. Das Labyrinth aus Buchten, bizarren roten Felseninseln und
Canyons machte ihn parallel zum beliebten Freizeitparadies.
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Wort: Uwe Schieferdecker, Torsten Reineck /
Bild: Torsten Reineck, Ottmar Hannemann, Veronique Vial, Tomasz Rossa |
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