Vorschau 2009

Konzerte, die kommen

Zum Ende eines Jahres lohnt es sich immer zu wissen, was live-musikalisch im nächsten zu erwarten ist. Zum einen, weil die Tickets manchmal schneller weg sind, als man ins Internet gehen kann. Zum anderen, weil manche Konzertkarte ein hübsches Geschenk abzugeben in der Lage ist. Leute, AC/DC sind bereits ausverkauft, die Kaiser Chiefs kommen, Nightwish, P!nk und vor allem Depeche Mode!


P!nk

"So What?!" heißt die neue Single wie üblich frech und aufmüpfig. P!nk ist wieder da und schoss damit nicht nur hierzulande direkt von Null auf Eins in den Charts, sondern auch in den USA, Großbritannien, Irland, Australien ... P!nkSie hat wohl alle Awards dieser Welt gewonnen und mitten in der dicksten Tonträgerkrise Millionen Alben verkauft. Jene, die sie einst als schrilles One-Hit-Wonder abtaten, wurden von dieser Ausnahmekünstlerin eines Besseren belehrt. Auch der BLITZ!-Musikredakteur machte sich an dieser Stelle vor mehreren Jahren einer solch eklatanten Fehleinschätzung schuldig. Obwohl dies der P!nkschen Karriere nicht ernsthaft Schaden zufügen konnte, bereut er es tief und wird seiner minderjährigen Tochter eine Karte für die Arena schenken. Auf dem neuen Album "Funhouse" verarbeitet P!nk - gewohnt derb ironisch - die Trennung von ihrem Ehemann Carey Heart. Ganz so eng sieht sie das Ganze aber nicht: "Für mich ist das Leben wie ein Karneval", versichert die Sängerin. Na dann: Helau!
17.03. Leipzig, Arena


Lionel Richie

Ein sanfter und charmanter Superstar. Der Mann hat alles erreicht, was man in diesem Biz erreichen kann. Lionel Richie Er hat seit 1968 seine Band The Commodores an die Spitze der Charts geschrieben, gleichzeitig auch andere, die seine Lieder sangen. Als er schließlich eine Solokarriere einschlug, wurde der Erfolg kaum noch überschaubar. Seine drei Alben in den 1980ern warfen mehr als ein Dutzend Top-Ten-Singles ab, darunter Evergreens wie "Hello", das vielen als eines der schönsten Liebeslieder überhaupt gilt, "Dancing On The Ceiling" oder "Say You, Say Me". Der Mann hat ungefähr 100 Millionen Alben verkauft, er steht einen guten Kilometer jenseits von Gut und Böse. Wenn Lionel Richie in Leipzig auf der Bühne steht, fehlen nur noch wenige Wochen bis zu seinem 60. Geburtstag. Im Gepäck hat er mit "Just Go" auch ein neues Album. Aber, Hand aufs Herz, wen interessiert das wirklich? Der Mann soll keine Zeit verschwenden und seine alten Hits bringen. Schon für diese reicht ein Konzert nicht aus ...
23.04. Leipzig, Arena


Simply Red

Simply Red ist Mike Hucknall, und Mike Hucknall ist einfach rot. Simply RedSeine Haarfarbe brachte ihm schon als Kind den Spitznamen "Red" ein. Später kam das Gerücht auf, er würde sich die Haare aus Verehrung für den Fußballclub seiner Geburtsstadt färben: Bekanntlich nennt sich das Team von Manchester United "Red Devils". Er ist tatsächlich ManU-Fan, wie alle Erwachsenen in dieser Stadt. Aber ein Teufel ist er nicht, seine Hits sind von der sanften Sorte. Er war um die 30, als er Ende der 80er mit Balladen wie "If You Don't Know Me By Now" oder "Stars" zu Weltruhm gelangte. Da waren die lauten Jahre vorbei, Hucknall hatte schon die Reife, in sein Inneres zu schauen. Und so dockte er mit seinen gefühlvollen und dabei gänzlich unkitschigen Liedern genau an den Seelen der Leute an. "Stars" war 1991 und 1992 das bestverkaufte Album in Großbritannien, Hucknall ist die Stimmer derer, die Bier trinken, fußballverrückt und very british sind - und dabei sanft und freundlich daherkommen. Ja, sowas gibt es!
05.05. Leipzig, Arena


Depeche Mode

Alle Loblieder über diese Band sind schon gesungen. Viele halten sie für den einzigen musikalischen Lichtblick der 1980er, Depeche Modesie sind sicher die wichtigste Band dieser Dekade und die Kapelle, die am häufigsten offen oder verdeckt kopiert wurde und wird. In der Vergangenheit gab es periodisch mächtige Revival-Schübe, immer wieder wird mit Depeche-Mode-Parties viel Geld verdient. Trotz aller Verehrung sei immerhin klargestellt, dass DeMo Anfang der 80er den Synthpop nicht erfunden haben, sondern Teil einer Welle waren, die maßgeblich von Kraftwerk losgetreten worden war und in der auf Augenhöhe und mit besten Zukunftsprognosen auch Bands wie OMD oder Human League mitschwammen. DeMo haben die Sache nur am konsequentesten und cleversten durchgezogen. Während der gesamten 80er gingen ihnen die Hits einfach nicht aus. Sie stiegen mit "Shout" und "Just Can't Get Enough" als Oberschüler in das Jahrzehnt ein und kamen mit "Personal Jesus" als unsterbliche Superstars wieder raus. DeMo sind Gott.
07.06. Leipzig, Zentralstadion


Die Toten Hosen

Die Ritter der Correctness wollen einfach keine Ruhe geben. Sie sind noch immer auf dem Kreuzzug ins Glück, zu Weihnachten kommt das langerwartete 87. Album, die Die Toten Hosen"Mach mal lauter"-Tour wird im kommenden Jahr fortgesetzt und die Tickets werden schon knapp. Als Rüpelpunx aus dem Revier haben sie mal angefangen. "Wir werden immer laut durchs Leben zieh'n, an jedem Tag in jedem Jahr", haben sie versprochen, sie wollten Punks bleiben, solange Johnny Thunders lebte. Sie sind es bis heute geblieben, auch wenn Johnny schon 17 Jahre tot ist. Sie haben es irgendwie hingekriegt, reich zu werden und glaubhaft zu bleiben. Bissel bieder längst, den ruppigen Revoluzzer nimmt man ihnen nicht mehr ab - sie sind schlau genug, ihn nicht raushängen zu lassen. Die Hosen sind ins gesetzte Alter gekommen. Das kann man ihnen ja schlecht übelnehmen. Sie haben die meisten Fans mitgenommen - und es ist nicht die schlechteste Art und Weise, erwachsen zu werden. Hut ab, tiefe Verbeugung und einen Oscar fürs Lebenswerk!
20.06. Gräfenhainichen, Ferropolis
26.06. Dresden, Filmnächte am Elbufer

 
Wort: Frodo Wawrzyniak / Bild: Alan Silfen, Dieter Eikelpoth, P.D.