| Woody Allens 43. Film |
Nummer
43
Unbeschreiblich, was dieser Mann zustande bringt. Welcher Regisseur mit
Weltruf außer Woody Allen schafft es, jedes Jahr mindestens einen Film zu drehen
und auf dem Markt zu platzieren?
Seit seinem achten Film hat er lediglich in den Jahren 1981 und 1991 mal nicht
Regie geführt! Woody Allen steht seit 1966 hinter den Kameras und realisiert
dabei auch noch zumeist eigene Drehbücher. Ganze Generationen sind mit seinen
Filmen aufgewachsen. Und das mit der Mehrzahl bei Generationen hat den
Hintergrund, dass er es packt, sich immer wieder neue Altersgruppen zu erobern.
Hat man ihn zwischenzeitlich fast schon mal totgeschwiegen wegen nicht sooo
umwerfend komischer und guter Arbeiten, so hat er sich mit Hilfe der letzten
drei Werke, die bei uns in den Kinos zu sehen waren, schon wieder eine neue
Generation an Fans erschaffen. Und er versteht es, dabei die älteren nicht zu
verlieren, verlieben doch auch sie sich erneut in den "neuen" Allen.
Drehbücher schreibt der Rastlose übrigens bereits seit 1950, damals begann er
beim Fernsehen Episoden für Serien zu verfassen. Inzwischen sind über 60 seiner
Vorlagen verfilmt worden. Seit 1965 steht er über 40 Mal als Darsteller vor der
Kamera, später bevorzugt nur noch in eigenen Streifen und davon gibt es
inzwischen bereits 44. Die Nummer 43 kommt dieser Wochen auch in unsere Kinos
und trägt den Titel "Vicky Cristina Barcelona". Was bedeutet, dass das nächste
Teil bereits abgedreht ist und sich grade in der Nachbearbeitung befindet.
Ehe wir an dieser Stelle in Zahlen ersticken (man könnte das Spiel regelrecht
beliebig weiterbetreiben, schließlich hat der Mann auch Filmmusiken komponiert,
Theaterstücke geschrieben, wurde allein 21 Mal für den Oscar nominiert und
erhielt ihn schon drei Mal, wobei er den Verleihungen immer konsequent fern
geblieben ist. Allen hat Bücher verfasst und Unmengen von internationalen
renommierten Preisen bekommen …), sollen doch erst einmal einige der wohl
bekanntesten seiner Filme genannt werden. Am Anfang stand die Komödie um einen
Pariser Frauenhelden "Was gibt's Neues, Pussy?" ("What's new, Pussycat"). Den
hat noch ein anderer realisiert.
Eigenen Aussagen zufolge, hat Woody Allen in seinen Frühwerken einen Großteil
des Geschehens am Set improvisiert. Vielleicht ist das das Rezept des
unvergleichlichen Umfangs seines Werkes. Aber dazu braucht man auch eine
unerschöpfliche Energie und den Schuss Verrücktheit, den man auch seinen
Arbeiten gern ansieht. Streckenweise ist das schon absurdes Theater, was da
abläuft. Man denke nur an den gern auch heute noch in den diversen
Fernsehstationen ausgestrahlten "Was Sie schon immer gern über Sex wissen
wollten, aber bisher nie zu fragen wagten", eine wunderbare Satire auf die
Aufklärungsfilme der damaligen Zeit, der 60er Jahre. Es macht heute noch Spaß,
sich das immer wieder anzusehen. Das ist witzig inszeniert, entsprechend skurril
bebildert und umwerfend wortkomisch.
Nicht so komisch läuft Allens Privatleben ab, seine Scheidungen sind immer von
traurigen Details begleitet. Seine erste Frau Harlene, der er einen Großteil
seiner kulturellen Bildung zu verdanken hat, schließlich hatte er es in der
Schule nicht allzu lange und intensiv ausgehalten, verwurstelt er sozusagen in
seinen Gags. Sie ließ sich das nicht ewig gefallen und verklagte ihn auf zwei
Millionen Dollar. Dem einen oder anderen noch unappetitlich in Erinnerung ist
der Scheidungskrieg mit Allens langjähriger Partnerin, häufigen
Hauptdarstellerin seiner Streifen und Muse Mia Farrow. Die entdeckte eines Tages
von ihm gemachte Nacktaufnahmen ihrer jungen Adoptivtochter Soon-Yi Previn, die
er selber nie adoptieren durfte, da sie Farrow mit ihrem vorherigen Ehemann
angenommen hatte. Bei der Scheidung wurde "seine elterliche Eignung"
angezweifelt, dem Filmemacher missbrauchendes und gefühlloses Verhalten
vorgeworfen. Übrigens ist Allen mit Soon-Yi seit 1997 verheiratet. Sie haben
erneut zwei Kinder adoptiert.
Zurück zu seinem Schaffen: "Der Stadtneurotiker" und "Manhattan" gelten als die
beiden größten Erfolge und haben Allen immer mit seiner Heimatstadt New York in
Verbindung gebracht. Daher kam wohl auch das große Erstaunen als nach einigen
anderen Ausflügen in die unendlichen Weiten der
Filmgenres (bis hin zu seinem
erfolgreichen bezaubernden Musical "Everyone Says I Love You") Ende 2005 auch
endlich in unsere Kinos "Match Point" gelangte. Alles jubelte und fand sich nach
anfänglichem Erstaunen bestens damit ab, dass Woody Allen ausschließlich in
London gedreht hatte. Da fehlte manchem Anhänger schon das vertraute NY und vor
allem ein zumindest kleiner Auftritt des Meisters höchstpersönlich. Dennoch, ein
höchst amüsanter und vor allem auch wieder mal kommerziell erfolgreicher
Streifen. (Im eigenen Lande hatte man ihm kein Geld mehr gegeben, daher Europa.)
In der Hauptrolle sein neuer nicht mehr wegzudenkender Star Scarlett Johansson,
die auch in der "Match Point"-Fortsetzung "Scoop - Der Knüller" (hier wieder mit
ihm selbst als urkomischem Magier) dabei war, genauso wie jetzt in "Vicky
Cristina Barcelona". Nur dazwischen - im brillanten Krimi "Cassandras Traum" -
tauchte sie nicht auf.
Diesmal also Spanien und wieder eher tragikomisch. Die Johansson ist Cristina,
eine von zwei amerikanischen Freundinnen, die ihren Urlaub in und um Barcelona
verbringen und von einem eigenartig direkten Maler verführt werden. Cristina
lässt sich gern auf ihn ein, zieht gar mit ihm zusammen und gewöhnt sich
schließlich auch fast an die Dreierbeziehung, "dank" der exzentrischen und
temperamentvollen Ex-Frau des Mannes (wunderbar komisch von Penelope Cruz
gespielt). Während ihre Freundin Vicky (Rebecca Hall auch sehr bezaubernd) ja
schon ganz
gerne möchte und es auch einmal tut, aber dennoch Hals über Kopf
ihren Langzeitverlobten, einen gutbürgerlichen amerikanischen Banker, heiratet.
Knisternde Erotik ist da streckenweise zu erleben, und Allen schafft das ohne
voyeuristische Kamera. Er kann es eben!
Am 1. Dezember wird der in Brooklyn, New York, geborene (schon legendär
Klarinette spielende) Rotschopf, der eigentlich Allen Stewart Konigsberg heißt,
73. Das sind noch einige Filme zu erwarten. Bleiben wir gespannt auf das, was er
demnächst zu erzählen hat.
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| Wort: Carola Kinzel / Bild: Concorde |
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