La Palma

La Isla Bonita
La Palma
Mit den Kanaren verbinden wir die sonnigen Sandstrände von Playa de las Americas auf Teneriffa oder den Karneval von Gran Canaria. Die weniger bekannte Insel La Palma hingegen bietet überraschende landschaftliche Schönheit und vielfältige Möglichkeiten für den aktiven Tourismus. Sie sollte weder mit der Hauptstadt des 17. deutschen Bundeslandes, Palma de Mallorca, noch mit Las Palmas de Gran Canaria verwechselt zu werden.


La Palma liegt im Nordwesten der Kanaren und gehört mit 706 Quadratkilometern zu den kleineren Inseln des Archipels. Als einzige verfügt sie über Flüsse und La Palmaausreichend Wasser, um sich selbst zu versorgen. Die Bezeichnung "La Isla Bonita" (span. für schöne Insel) rührt von ihrer üppigen Vegetation her. Die dichten Wälder bedecken jedoch nicht die gesamte Oberfläche. La Palma ist nämlich auch die jüngste Insel der Kanaren, ihr vulkanischer Ursprung tritt gerade im Süden in bizarren Felsformationen zutage. Am Teneguía sind die Spuren des letzten Ausbruches von 1971 als graue und rote Aschefelder noch offenbar. 600 Grad Hitze herrschen am Kraterboden, wo giftige Schwefeldämpfe austreten. Zwischen subtropischen Pflanzen und aktiven Vulkanen lockt schließlich die Inselhauptstadt Santa Cruz de la Palma mit einem überraschenden Reichtum an historischer Bausubstanz.
La PalmaAngesichts einer geringen Inselfläche und Erhebungen über 2.000 Meter sind gerade Straßen auf der Insel Mangelware. "Es gibt keine schlechten Busfahrer auf La Palma!" bemerkt unser Führer Wim mit bierernster Miene. Wir schauen bangen Herzens in den jähen Abgrund, als er grinsend hinzufügt: "Denn die liegen alle schon da unten." Im Abstand weniger Minuten durchqueren wir die Vegetationszonen, um schließlich bei 2.000 Metern die Wolkendecke zu durchstoßen. Das Knacken in den Ohren mutet an, als säßen wir an Bord eines Flugzeuges.
Nach endlosen Serpentinen lässt uns der gebürtige Belgier aussteigen. Den Abgrund zum Atlantik im Rücken stockt uns nach wenigen Schritten erneut der Atem: Von einem kleinen Aussichtsplateau öffnet sich die Caldera de Taburiente, ein acht Kilometer weiter und 1.500 Meter tiefer Erosionskrater. "Wo ihr heute die Schlucht seht, erhob sich vor einer Million Jahren ein dreieinhalbtausend Meter hoher Vulkan" erklärt Wim. Neben abenteuerlichen Wanderwegen am Kraterrand wartet der Talkessel mit einer reichen Vegetation auf. Allein 70 Pflanzenarten, die es sonst nirgends auf der Welt gibt, bestimmten Botaniker auf La Palma. Kein Wunder, dass die Caldera zu den ältesten Naturschutzgebieten Spaniens gehört (seit 1954) und im Jahr 2002 zum Biosphärenreservat erklärt wurde.
La PalmaJenseits des Talkessels thront majestätisch der Roque de Los Muchachos, mit 2.426 Metern die höchste Erhebung der Insel. Aus der Entfernung wirken sie wie kleine Pilze, die Kugeln und Spiegel des größten Observatoriums der Nordhalbkugel. Sein Bau ist ein Qualitätssiegel für die intakte Natur. Mehr noch: Ein spezielles Gesetz auf der Insel gebietet, dass alle externen Lichtquellen nach oben hin abgeblendet sein müssen.
Die geringe Grundfläche und die enormen Höhenlagen bedingen, dass La Palma nahezu allerorten eindrucksvolle Ausblicke bietet. Zum spektakulären Aussichtsprogramm gehören auch die drei Nachbarinseln Teneriffa, La Gomera und Hierro. Wem das als Nervenkitzel nicht ausreicht, dem sei das Paragliding empfohlen. Eine kurze Tour kostet 80 Euro, für 130 Euro wird aus höchster Höhe ein 40minütiges Abenteuer geboten. Mehr als eine gehörige Portion Wagemut ist nicht erforderlich, denn der Flug mit dem Gleitschirm wird als Tandem, also mit einem erfahrenen Flugtrainer, absolviert. Davon könnte man süchtig werden. Javier Lopez bietet in seiner Flugschule in Puerto Naos Kurse von einer Woche zum Selberfliegen an. La Palma
Eigentlich ist La Palma wie das benachbarte La Gomera eine "Wanderinsel". Gut ausgebaute Wanderwege und vielfältiges Informationsmaterial sind im Internet oder über das Fremdenverkehrsamt zu beziehen. Ähnlich unserem belgischen Führer Wim, den vor neun Jahren die Liebe zu der Insel und zu einer Peruanerin hierher brachte, verschlug es auch Markus Lübke von Deutschland auf die Kanaren. Seine Firma Servicios Deportivos bietet Wanderungen, Höhlenerkundungen und Fahrradtouren an. Lübke begleitet auch Gruppen bei Trips auf dem Mountainbike, obwohl er hierin mehr kommerzielle Zwänge als eine Begeisterung für den Aktivtourismus sieht. "Ich bevorzuge eigentlich die sanfte Eroberung der einmaligen Natur gegenüber wilden Querfeldein-Touren."
Wir sind am Südkap von La Palma angelangt. Mühsam erobert sich die Vegetation die Aschefelder der jüngeren Vulkanausbrüche zurück. Unterhalb des Leuchtturms von Fuencaliente wartet Markus mit leuchtend orangen Kajaks auf uns. Eine Tour in die Felsklippen des Atlantiks zeigt uns die Insel aus der Froschperspektive. Für 22 Euro verleiht Servicios Deportivos ganztägig Doppelkajaks. Anschließend wartet der Wirt in einer Blockhütte an dem kleinen Hafen mit frisch gebratenem Fisch auf uns. Wir sind angemeldet, aber haben uns um Stunden verspätet. Wir erwarten eine Standpauke, stattdessen fragt uns Pedro, was wir denn Spannendes erlebt hätten? La Palma ist ein Ort der Gastfreundschaft und Gelassenheit. Wie so oft täuschen Neonlampen und Wachstuchtischdecken über die wahre Qualität des Restaurants hinweg: Besser als in den gestylten Touristenlokalen erwartet uns frische und reichhaltige Kost, wie sie die Einheimischen mögen und auch uns Mägen und Herzen öffnet.
Die Inselhauptstadt Santa Cruz zählt 17.000 Einwohner. Prunkvolle Renaissance- und Barockfassaden sowie die kleinen Altstadthäuser mit reich geschnitzten Holzbalkonen erinnern an ihre große Geschichte. 1493 vom Eroberer Alonso Fernández gegründet, blühten im 16. Jahrhundert Handel und Werften. Dank des Holzreichtums liefen damals in Santa Cruz mehr als 120 Fregatten und Karavellen vom Stapel. Und als nordwestlichste Insel des Archipels machten in der Inselhauptstadt nahezu alle Handelsschiffe aus der "Neuen Welt" fest. Um 1600 galt sie nach Antwerpen und Sevilla als drittgrößter Hafen des spanischen Weltreiches.
Die Inselmetropole lädt beidseits der fußläufigen Calle Real zu einer Entdeckungstour ein. Äußerlich im maurisch-spanischen Mudejar-Stil gehalten, wurde das Innere der Kathedrale Iglesia San Salvador mit einer wundervollen geschnitzten Kassettendecke von flämischen Künstlern aus Antwerpen gestaltet. Die umgebende Altstadt lockt mit Bars, Restaurants und zahlreichen Boutiquen. Nur hier entfaltet sich später auch so etwas Ähnliches wie ein Nachtleben.
La PalmaVom nahen Hafen legen Fährschiffe nach Teneriffa und La Gomera ab. Letztere mag auf eine Art Konkurrentin von La Palma sein: Die zweitkleinste Insel der Kanaren wartet gleichermaßen mit einer intakten Natur auf. Im Unterschied zu La Palma ist La Gomera weiterhin nicht direkt mit dem Flugzeug von der Bundesrepublik aus zu erreichen. Vielleicht ist gerade deshalb ein Ausflug auf die Nachbarinsel verlockend. Der Nationalpark Garajonay wartet mit üppigen Lorbeerwäldern auf. Trekkingtouren durch den von Moosen und Flechten gezeichneten "Märchenwald", der von der UNESCO zum Menschheitserbe erklärt wurde, gehören für den Naturliebhaber zu Sternstunden eines Urlaubs. Sein Namen Garajonay rührt von einer rührenden Liebesgeschichte aus der Zeit der Guanchen, der Ureinwohner der Kanaren. Fürwahr: Die beiden Kanareninseln bleiben bis heute ein idealer Ort zum Verlieben.

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www.ekalis.com
 
Wort und Bild: Uwe Schieferdecker