| Kommando Kochen |
Frische Forelle selbst gefangen
Fisch so frisch, dass er noch in der Pfanne zappelt, versprach uns Ulrich
Kulawik. Eine einzige Bedingung stellte er, wenn wir ihn auf seinem Fischerhof
am Kernersee besuchen wollten.
Eine Nixe sollte uns begleiten, ein Fabelwesen von sagenhafter Schönheit. Gut,
unsere Meerjungfrau Maya hatte keinen schuppigen Schwanz, sondern anstelle
dessen ein Paar fantastischer Beinchen. Doch das war dem Fischer ebenso recht,
er ließ uns in sein Reich eintreten. Von ihrem betörenden Duft und ihrem
güldenen Haar geblendet, bemerkte er nicht einmal, dass sie Verstärkung
mitgebracht hatte. DJ Ole begleitete seine Kollegin
Miss Maya von Ton aus Strom,
um sie im Ernstfall auch mit seinem Leben zu verteidigen.
Ullis Fische genießen einen exzellenten Ruf. Diesen galt es zu überprüfen. Doch
zunächst einmal, mussten wir die Dinger fangen. Wir entschieden uns für die
Regenbogenforellen, die sich lustig im See tummelten - mit dem Kescher
eingefangen, tummelten sie sich bald nur noch in unserem Eimer.
Da Fische ja bekanntlich noch leben, wenn sie so im Wasser herumflitzen, müssen
sie leider zunächst einmal geschlachtet werden, bevor sie weiterverarbeitet
werden können. Ulli zeigte den beiden Plattendrehern, wie es geht: Festhalten,
Knüppel uffn Schädel und gleich danach mit dem Messer die Blutbahn zwischen
Körper und Kopf kappen.
Maya fackelte nicht lange und demonstrierte, dass sie nicht zimperlich ist.
Zack! Schlitz! Schon war die kleine Forelle hinüber. Ole hingegen weigerte sich.
Er sei Pazifist, sagte er.
Von hinten wird die Forelle aufgeschlitzt. Einmal mit der Hand rein, kräftig
ziehen, noch etwas mit dem Löffel sauberkratzen und schon sieht der Fisch aus,
wie wir Stadtkinder ihn kennen: Lecker, rein und so, als hätte er niemals
wirklich gelebt.
Die Mittelgräte wird mit einem sauberen Schnitt (an der "Wirbelsäule" entlang)
entfernt. Mit blutbeflecktem Arm erzählte unsere kleine Meerjungfrau derweil,
dass sie aus einer Schlächterfamilie stamme, somit auch kein Problem mit dem
Entweiden habe. "Die Forellen werden jetzt gegrillt, einmal gedünstet und einmal
als Filets auf einer Asiette gebraten", bestimmte Ulli.
Sie begannen, die Filetstücken mit verschiedenen Marinaden einzupinseln. Ole
hatte derweil auch seine Gesichtsfarbe wieder gefunden.
Die Geschmacksrichtungen
hießen: Scharf, Orientalisch und Kräuter. Die zum Dünsten vorgesehenen Forellen
wurden außerdem mit Gewürzen versehen. "Das ist das Geheimnis", verriet Ulli und
wies auf einen weißen Topf. "So wird die Forelle am allerbesten, da ist Stehpiepelsalat drin."
"Wie bitte?" schauten sich Maya und Ole entgeistert an. Die Geruchsprobe klärte
auf. "Ach, Selleriesalat!" Maya wusste bescheid und füllte mit diesem
Aphrodisiakum den Fisch. Anschließend wickelt sie die gefüllten Geschöpfe in
Alufolie ein und legte sie auf den Grill. Die Folien-Fische brauchen 25 bis 30
Minuten um zu garen, die Filets nur ein paar Minuten. Wenn die Alufolie richtig
herumgewickelt wurde, blähten sich die Pakete auf, sobald sie durch seien,
erklärte uns Ulli. Niemals haben wir frischeren Fisch gegessen, niemals
leckereren. Eigenartig war lediglich, die völlig überstürzte Abfahrt nach dem
Essen. Lag es vielleicht doch am Stehpiepelsalat?
Mehr zu Ullis Fischerhof, zu Maya und Ole findet Ihr im Internet.
www.kernersee.de
www.system-club.de
www.myspace.com/mayadeluxe
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| Wort: Matthias Adler / Bild: Thomas Leibe |
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