| Ralf Zimmer |
Augenlicht für Ghana
Wir Deutschen sind Weltmeister im Meckern. Gründe, sich zum Beispiel über die
Unzulänglichkeiten unseres Gesundheitssystem aufzuregen, gibt es genug. Doch wer
wie Dr. Ralf Zimmer die Situation in anderen Ländern kennt, weiß, wie gut es uns
geht.
Schon mehrfach operierte der Arzt, der an der Praxisklinik für Augenheilkunde in
Löbau arbeitet, während seiner Urlaubszeit in Ghana Patienten, die sich solch
eine Behandlung nicht leisten könnten.
BLITZ!: Beschreiben Sie uns bitte die
Situation vor Ort.
Ralf Zimmer: Die medizinische Versorgung in
Ghana ist auf wenige Klinikstandorte beschränkt. Insbesondere die
Landbevölkerung muss oft zu Fuß große Wege zurücklegen, um in den nächsten Ort
mit medizinischer Versorgung zu gelangen. Die Patienten warten zum Teil tagelang
auf einen Arztkontakt. Wir haben Patienten nach einer Operation häufig mit
Augenverband auf der Straße im Staub übernachten sehen.
BLITZ!: Welche Erkrankungen haben Sie
behandelt?
R.Z.: In der Volta-Region sehen wir vor
allem Erblindungen durch fortgeschrittenen beidseitigen Grauen Star und Grünen
Star (Glaukom). Während die Patienten mit Grauem Star durch eine Operation
geheilt werden können, die ungefähr 50 Euro kostet,
ist bei fortgeschrittenem
Grünen Star häufig keine Hilfe möglich. Da die Augentropfen zur Behandlung des
Glaukoms für die meisten Ghanaer zu teuer sind, kann bei dieser Erkrankung nur
eine frühzeitige OP die Erblindung verhindern.
BLITZ!: Unter welchen Bedingungen arbeiten
Sie in Ghana?
R.Z.: Die Bedingungen für die Arbeit an der
Augenklinik in Akosombo sind nicht schlecht, wenn auch nicht vergleichbar mit
europäischem Niveau. Es steht ein Operationsraum mit Geräten und Instrumenten
zur Verfügung, die Augenoperationen in guter Qualität ermöglichen. Die prä- und
post-operative Betreuung der Patienten kann mit akzeptabler Qualität erfolgen.
Die größten Probleme sind die Finanzierung der Behandlung und für die Patienten
der Transport. Oft müssen ganze Familien monatelang sparen, um einem Angehörigen
die Operation für 50 Euro zu ermöglichen. Daher sind von uns mitgeführte
Geldspenden so wichtig.
BLITZ!: Welches Ereignis ist Ihnen am
deutlichsten in Erinnerung geblieben?
R.Z.: Die Freude der am Grauen Star
erblindeten Patienten, nach einer Operation seit Jahren wieder ihre Angehörigen
und ihre Umwelt zu sehen.
BLITZ!: Wie finanziert sich das Vorhaben?
R.Z.: Im Wesentlichen finanzieren die
beteiligten Ärzte den Einsatz aus privaten Mitteln, die Flug- und
Unterkunftskosten werden von ihnen selbst getragen, ein Teil des Jahresurlaubes
für den Einsatz genutzt. Wir sind sehr froh über jede darüber hinausgehende
Spende von Dritten, um zumindest den ärmsten Patienten, die Operation kostenlos
anzubieten und benötigte Kleininstrumente für die Durchführung der Eingriffe
mitzuführen.
BLITZ!: Warum haben Sie persönlich sich
entschlossen, an dieser Initiative teilzunehmen?
R.Z.: Als Initiator des ersten
Ghana-Einsatzes im Jahr 2003 und später des zweiten 2006 und als Augenarzt ist
es mir ein Anliegen, in einer der ärmsten Regionen der Welt etwas Hilfe zu
leisten, auch wenn es der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist. Viele
Tropfen könnten den heißen Stein ein wenig abkühlen … Da wir selbst quantitativ
und zeitlich nur sehr begrenzt helfen können, legen wir bei den Einsätzen großen
Wert auf die Ausbildung der Kollegen vor Ort. Wichtig ist auch eine gewisse
Sensibilisierung der Krankenhausverwaltungen, aber auch der ghanaischen
Gesundheitspolitik für die Probleme der Augenkranken der Region.
BLITZ!: Geben Sie uns bitte noch einige
Hintergrundinformationen zu Ihrem Förderverein für Augenheilkunde.
R.Z.: Der Förderverein für Augenheilkunde zu
Görlitz e.V. fördert die Augenheilkunde in der Region Ostsachsen durch die
Unterstützung von Ausbildungsveranstaltungen, Treffen von Augenärzten, Vorträgen
vor Selbsthilfegruppen und durch Unterstützung der örtlichen Augenklinik. Durch
die Afrika-Initiative einiger Mitglieder stellt er darüber hinaus eine
willkommene Plattform für die Spenden für das Projekt "Augenlicht für Ghana"
dar. Als gemeinnütziger Verein können wir so Spendenbescheinigungen ausstellen.
Förderverein für Augenheilkunde "Georg Bartisch" Görlitz e.V.
Spendenkonto 00050 01080
Bankleitzahl 850 501 00
Verwendungszweck: Augenlicht für Ghana 2008
|
| Wort: Ullrich Bemmann / Bild: P.D. |
|