Mario Leibner

Mario LeibnerDer Eingebung nachgegeben

Wie definiert man Kunst? Anhand des Künstlers, anhand seiner Arbeit? Kunst ist Kunst, und Schnaps ist Schnaps! Einen mehr? Na klar. Kunst ist die Unbegreifliche!


Unbegreiflich in sich auch der Künstler Mario Leibner JKL. 40 Jahre alt, ein Unikum. Was JKL bedeutet, weiß der Mann nur selbst. Er will es nicht verraten. Warum auch?!
Mario ist gebürtiger Erfurter - in Erfurt geboren und prompt darauf von seiner Mutter ins Kinderheim nach Apolda verfrachtet. Die Fracht lebte dort, abgeschirmt von der Außenwelt bis zu ihrem 17. Lebensjahr.
Mario Leibner"Im Kinderheim gibt es nur zwei Wege", so Mario Leibner, "den des Absturzes und den des Erfolges." Mario hatte sich für den zweiten entschieden, noch ohne Ahnung, wohin es ihn treiben würde. Er zog sich in seine Kunst zurück. "Ich brauchte ein Polster, eine warme Hülle, weit weg von den anderen. Ich brauchte mein Malen als Allerheilmittel."
Er hat sein Ding gemacht, ein Ding, das ihn erwachsen werden ließ. Seine Kunst, auf die er hörte, fern von der Welt um ihn herum. Aber nicht nur Kunst! Politisch unerzogen, ohne Weltkenntnis, abgeschottet im Heim, verweigerte Mario Leibner den Dienst bei der NVA.
"Was mich damals neben dem Malen sehr interessierte, war Fußball. Mein Vater war zu mir wie ein Kumpel, über meine Mutter rede ich nicht. Aber er hat mich schon von klein an für Fußball begeistern können. Anfangs war ich oft in Jena, aber der Enthusiasmus meines Vaters für Rot-Weiß Erfurt, ja für diesen Verein, fesselt mich bis heute, und ich bin zu Hause immer dabei."Mario Leibner
Mit 17 geht Mario nach Nordhausen, macht eine Lehre als Maschinen- und Anlagenmonteur. Mit 19 geht's nach Erfurt - die erste eigene Wohnung wartet. Er arbeitet in einem Lebensmittelkühlbetrieb, schließt mit 21 als Kälteanlagenbauer ab. "Glaubt mir, das hat mir nie gereicht. Schon zu dieser Zeit begann ich ein Fernstudium als Werbegrafiker, das ich 1992 mit 24 Jahren abschloss."
Mario hat die ganze Zeit über gemalt, gezeichnet, gedruckt. Selbst in der Nachtschicht in seinem Betrieb hat er gemalt. Er hat immer gemalt. Weil er wusste, dass er malen kann, und dass das Malen seine Eingebung ist. "Mit der Zeit habe ich gemerkt, ich kann nicht mehr zweigleisig fahren. Ich war durch den Beruf oft auf Montage. Ich musste eine Entscheidung treffen: Montage oder Kunst."
Mario Leibner hat sich endlich entschieden. Für die Kunst! 2002 immatrikulierte er sich an der Bauhaus-Uni in Weimar im Fach "Freie Kunst/Plastik". Er ist nach Weimar gezogen, hat dort drei Jahre gelebt.
Mario LeibnerDann wollte er nach Erfurt zurück. 2007 folgte der Abschluss am Bauhaus als Diplom-Künstler - mit ständigen Ausstellungen. Schon vor dieser Zeit hatten ihn Galerien engagiert. Seine erste Ausstellung mit Zeichnungen hatte er mit 16 in Berlin, zahlreiche bundesweit schlossen sich an. Folgerichtig.
Folgerichtig steht Mario Leibner so gut wie tagtäglich in seinen Galerieräumen in der Erfurter Thälmannstraße. Er ist erfolgreich durch die hundertprozentige Wahrnehmung seiner Eingebung, seines Berufes, durch seine Ideen, durch Ausprobieren, durch Experimente mit Farben. Trotzdem oder gerade darum sagt der Künstler: "Ich bin keine Malhure. Ich nehme auch nicht alles an. Mir ist mein Malstil wichtig. Ich male Themen, die mich als zeitgenössischen Künstler bewegen. Wenn ich nicht zufrieden bin, haue ich es in die Tonne und fang auch gar nicht mehr damit an."
Mario LeibnerJa, so ist der Mann, der sich bundesweite Ausstellungen auf die Stirn malen kann, der sich an Pastellfarben immer neu ausprobiert und der sagt: "Ich mische so lange, bis es die Farbe in sich hat."
Und irgendwann wird er nur aus Weiß-Farben ein Bild zaubern. Das schafft er!


Aktuelle Ausstellung:
Galerie Bethge in Erfurt
 
Wort: Niklas Hoffa / Bild: Marcel Krummrich