| Kudernatschs Kolumne |
Guten Tach nach Eisenach!
Nach wie vor finde ich die Idee gut, in Eisenach eine Seilbahn zur Wartburg
zu bauen. Als Gondeln könnte man ausgediente Wartburgs nutzen, vom Typ W 353.
Sie würden hoch über Eisenach schaukeln, die Wartburgs vor der Wartburg.
Zuviel Blech, könnten Kritiker meinen. Na gut! Dann lasst die Gondeln eben wie
Esel aussehen, um an die wackeren Huftiere zu erinnern, die so manche Last nach
oben huckten.
Sogar Prominenz wie Ringelnatz oder Dieter Hildebrandt schleppten die Isegrimms
(oder wie Esel in der Sagenwelt genannt werden) hoch. Nur Helmut Kohl nicht, der
blieb einst bereits zwischen den Felsen der Drachenschlucht stecken. Warum nur
hat man ihn wieder losgehackt? Sowieso hätte man für Helmut Kohl vier Esel
zusammenbinden müssen. Oder jetzt vier Gondeln. Zum Glück hat dieses
Schwergewicht nichts mehr zu sagen - der Typ würde die schöne Seilbahn durch
Überlastung sofort kaputt machen.
Unbedingt sollte eine weitere Strecke errichtet werden - eine Hochbahn von der
Wartburg zum Bachhaus. Oder noch besser: Vom Erfurter Domplatz zum Bachhaus
Eisenach. Da muss man auch keine Strippen ziehen oder Seile spannen - die
Transrapid-Technik ist doch wieder zu haben! So könnten alle Besucher der
Landeshauptstadt rasch nach Eisenach flutschen. Denn im Bachhaus liegt jetzt der
Kopf von Johann Sebastian. Es ist glücklicherweise nicht der echte - also keine
Art Lenin-Mausoleum für obenrum. Es ist ein Kunstkopf, den eine schottische
Expertin aus Plasteline zusammengeknetet und dann - weil er ihr vielleicht nicht
so gut gelungen ist - Eisenach geschenkt hat.
Die Schotten haben mit geköpften Exponaten Erfahrung. Seit Jahrzehnten zeigen
sie in dem Städtchen Stirling am Fuße der Highlands den abgetrennten Kopf von
William Wallace. Der kämpfte gegen die Engländer - und als Dankeschön stellt man
dafür seine Rübe aus. Weil's die Schotten sind, waren sie für Arme und Beine
sicherlich zu geizig. Doch dafür haben sie in das Haupt üppig investiert. Mit
Video- und Klangkunst ersteht Williams Birne nämlich auf: Der Kopf blinzelt und
guckt dann und spricht sogar. Er sagt so was wie: "Hi, ich bin William Wallace
und habe ein scharfes Schwert." Das freut den Besucher, also sollte diese
schottische Technologie rasch nach Eisenach übertragen werden. Johann Sebastian
könnte junge Besucher so begrüßen: "Hallo Leute, ich bin der Jockel und mache
geile Mucke." Zu älteren hingegen würde er sagen: "Herzlich willkommen im
Bachhaus. Die Toiletten sind gleich hinten links."
All diese Anregungen stelle ich Eisenach gern kostenfrei zur Verfügung. Denn ich
bin ein Freund des Aufschwungs. Wahrscheinlich, weil ich früher im
Sportunterricht den Hüftaufschwung nie geschafft habe …
Kudernatschs Kautsch
22.05. Erfurt, Engelsburg
mit Vicki Vomit, Carsten Schneider, Marc-Uwe Kling, Jaromir Konecny und Andreas
Max Martin
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| Wort: André Kudernatsch / Bild: Inka Perl |
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