Michael Teske

Michael TeskeDavid gegen Goliath

Der vom Flughafen Leipzig-Halle ausgehende Lärm ist ein Problem. Die einen spielen es herunter, die anderen leiden darunter. Zu letzeren gehört der Döllnitzer Michael Teske, engagiert in der IG Nachflugverbot Leipzig-Halle. Wir sprachen Ende März mit ihm.


BLITZ!: Welcher Lärm geht derzeit vom Flughafen Leipzig-Halle aus?
Michael Teske: Im Moment haben wir im Durchschnitt 30 Überflüge jede Nacht. Das konzentriert sich im Umfeld der südlichen Start- und Landebahn. Die Nordbahn wird nachts kaum betrieben, weil DHL in einem Vertrag mit dem Flughafen zugesichert wurde, dass sie ganz überwiegend die Südbahn nutzen darf. Damit verletzt der Flughafen zwar den Planfeststellungsbeschluss, aber es ist wirtschaftlicher als der lange Rollweg von und zur Nordbahn. Das ist das einzige Kriterium. Der Schutz der Anwohner vor Lärm ist für den Flughafen nebensächlich. Die Flugzeuge können, auch zehn, 15 Kilometern vom Flughafen entfernt, locker noch 80 bis 85 dB(A) Lärm verursachen. Das ist ungefähr so laut wie ein Benzinrasenmäher nachts direkt vorm Schlafzimmerfenster. Der Rasenmäher ist nachts verboten. Warum dann nicht auch die Überflüge?

BLITZ!: Die Nachtflugbefürworter führen wirtschaftliche Gründe an ...
Michael Teske: Wirtschaftliche Gründe? Das glaube ich schon, dass DHL hier besondere wirtschaftliche Gründe geltend macht, denn sie machen einen Super-Reibach! DHL hat in Brüssel abgeschriebene Anlagen hinterlassen und hier mit Fördergeldern hochmoderne und teilweise automatisierte Anlagen gebaut, die mit weniger Arbeitskräften auskommen. Die relativ wenigen Arbeitskräfte verdienen 30 Prozent weniger als an den alten Standorten Köln-Bonn und Brüssel. Ein typischer DHL-Mitarbeiter in Leipzig bekommt zwischen 700 und 900 Euro brutto für 22 Wochenstunden Nachtarbeit von montags bis sonnabends. DHL hat zu zwei Dritteln Armuts-Arbeitsplätze geschaffen. Die Menschen können von ihrem Job nicht leben und beziehen zusätzlich ALG II!
Der Flughafen ist, nach Angaben des Hauptgesellschafters Freistaat Sachsen, dennoch auf lange Sicht in den roten Zahlen. Kein Wunder, da DHL die neue Start- und Landebahn praktisch geschenkt bekommen hat. Die Landegebühren für die lauten DHL-Kracher sind so billig wie sonst nirgendwo. Das ist auch der EU-Wettbewerbskommission aufgefallen. Sie hat ein Verfahren wegen des Verdachts auf unerlaubte Subventionen eingeleitet. Auf das Ergebnis sind wir sehr gespannt!

BLITZ!: Was können Fluglärmbetroffene konkret tun?
Michael Teske: Wir haben ein ganz heißes Eisen im Feuer, die Klage gegen den Freistaat Sachsen, der - gegen den Willen des Bundesverwaltungsgerichtes - nur die paar unbedeutenden zivilen Passagierflieger nachts verboten hat. Wir fordern, dass alles, was am Tage fliegen kann, auch am Tage fliegt - wie das Gericht es wollte! Wir wollten also eigentlich nicht - wie es uns jetzt seitens gewisser Presseorgane vorgeworfen wird - die Urlaubsflüge weg kriegen. Nein, worum es uns geht, ist ein Verbot der normalen, das heißt nicht eiligen Fracht und der völkerrechtswidrigen Militärflüge in der Nacht. Wir haben dann die Chance, dass zum Beispiel die GIs auf dem Weg in den Irak-Krieg hier völlig verschwinden. Denn wenn sie nachts nicht verkehren dürfen, ist der Flughafen sowieso uninteressant. Diese Klage kostet Geld, und wir haben immer noch ein Defizit von circa 8.000 Euro, um ein notwendiges qualifiziertes Gutachten zu bezahlen. Also ist die wichtigste Unterstützung zunächst mal Geld. Wir leben halt im Kapitalismus!
Ganz wichtig ist aber auch, dass die Politiker, die Presse und die Öffentlichkeit sehen, dass wir viele sind, die das nicht hinnehmen, was uns hier zugemutet wird! Wir veranstalten am 16. April, am "Tag gegen Lärm", eine Demo, zu der alle eingeladen sind, die unter Lärm leiden; sei es Straßen-, Eisenbahn- oder eben Lärm von Flugzeugen - am Himmel oder am Boden. Wir brauchen eine Abkehr vom Geschwindigkeitswahn. Mehr Verkehr schafft keinen Fortschritt, sondern verschwendet die letzten Energieressourcen, zerstört unsere Umwelt und das Klima und stiehlt uns die Zeit und die Gesundheit. Nachhaltige Wirtschaftsstrukturen müssen mit sehr viel weniger Verkehr auskommen. Da sind wir uns mit den Umweltverbänden einig. Und deshalb rufen wir auch alle, die in dieser Hinsicht in die Zukunft denken, zu unserer Demo auf. Schließlich brauchen wir noch ganz viele Leute, die auch aktiv bei uns mittun wollen - sei es beim Entwurf von Flyern und Postern, beim Entwickeln und Umsetzen origineller Ideen beim Kampf von David gegen Goliath.

www.nachtflugverbot-leipzig.de 

Demonstration gegen Lärm:
16.04. Nikolaikirchhof (16.30 Uhr)

Spendenkonto:
FLUG e.V.
Sparkasse Leipzig
Bankleitzahl 86055592
Konto 1100875774
 
Wort und Bild: Ernie Le Coq