Elsterglanz

ElsterglanzFür die Kumpels in Eisleben

Alles begann im Internet, in dem eine "Herr der Ringe"-Parodie in Mansfelder Mundart für Aufsehen sorgte. Es folgten Lieder und Sketche, prallgefüllt mit delikatem Schwachsinn und Absurditäten - alles nur im Netz verfügbar. Elsterglanz haben sich, ohne auch nur eine einzige CD zu verkaufen, einen Namen gemacht und füllen bei ihren Auftritten ganze Hallen. Zum Auftakt der aktuellen Tournee sprachen wir mit dem Duo aus Eisleben bei Halle.


BLITZ!: Es ist schwierig, an Euch heranzukommen. Ihr gebt so gut wie keine Interviews. Man könnte meinen, Ihr macht Euch rar ...
Sven: Ja. Wir wollen den ganzen Rummel nicht. Bei uns soll der Spaß im Vordergrund stehen. Man könnte innerhalb ein, zwei Jahren richtig viel Geld verdienen und sich danach vielleicht sogar zur Ruhe setzen, wenn wir das alles größer aufziehen würden. Aber wir wären dann wahrscheinlich nicht mehr Elsterglanz, würden dabei den Spaß verlieren und könnten nicht mehr lustig sein.
Gilli: Bisher machen wir alles, was uns betrifft, zu zweit. Wir basteln sogar unsere Requisiten für die Bühne selbst. Das ist auch genau das, was Elsterglanz ausmacht.

BLITZ!: Das heißt, dass es auch niemals eine CD oder eine DVD von Euch zu kaufen geben wird?
Gilli: Geplant ist es eigentlich nicht. Ich meine, es gibt ja CDs von uns, die waren aber nur für unsere Freunde bestimmt. Einen Plattenvertrag wollen wir nicht unterschreiben, wir bringen unsere Sachen dann heraus, wenn sie fertig sind. Mit Druck möchten wir nicht arbeiten müssen.
Sven: Wir sind auch schon nach oft einer "Best of"-CD gefragt worden, aber da fragen wir uns, wieso denn? Die Fans haben doch sowieso schon alles, was es gibt. Das brauchen wir doch nicht noch mal alles wieder aufwärmen. Das wäre viel zu offensichtliche Geldabzockerei.

BLITZ!: Fans sind ein gutes Stichwort. Wenn Ihr Eure Arbeit nicht verkauft, wie kommen die Fans dann an Eure Stücke heran?
Sven: Das ist so eine Geschichte für sich. Irgendwann gab es die ersten Sachen von uns im Internet, dann wurden es immer mehr. Ich habe sogar schon einen Anruf von einem Freund bekommen, der gesagt hat: Eh, Alter, ich hab da was im Netz gefunden, aus dem Auenland und so ..." Als ich ihm gesagt habe, dass es von uns ist, hat er einfach aufgelegt.
Gilli: Wir haben noch niemals etwas selber in das Internet gestellt. Da gibt es teilweise Sachen, die wir nicht einmal mehr haben. Wie die an all das Zeug herangekommen sind, ist uns unbegreiflich.

BLITZ!: Wie genau produziert Ihr Eure Stücke?
Sven: Wir sitzen meist bei mir und blödeln so herum. Wenn dann einer eine gute Idee hat, nehmen wir das in unserem kleinen Studio auf. Alles, was wir bisher gemacht haben, sind ausschließlich First Takes, wurden also beim ersten Mal aufgenommen. Wenn wir etwas mit verschiedenen Stimmen machen, legen wir die im Nachhinein am Computer übereinander, dann wird alles noch gemastert und fertig.

BLITZ!: Für die Bühne probt Ihr aber trotzdem, oder?
Sven: Klar, sonst wäre das nicht zu schaffen. Wir sind ja auch keine Profis. Vor unseren Auftritten werden wir immer noch bleich und haben Lampenfieber. Da muss dann alles sitzen. Da wir ja auch noch nicht viel Erfahrung haben, lernen wir ständig dazu.

BLITZ!: Was, meint Ihr, ist der Grund für Euren Erfolg?
Sven: Ich denke, dass es gar nicht so sehr das ist, was wir sagen, sondern eher wie. Der typische Mansfelder Dialekt zum Beispiel, der ja schon irgendwie räudig klingt und dann noch solche Sätze, die einfach typisch sind für die Region. Ich könnte zum Beispiel sagen: Ich möchte jetzt nach Hause gehen. Oder auch: Schwiheem. Das ist kurz und knackig. Jeder kennt hier kennt diese Art zu reden und zu motzen, deswegen finden es die Leute lustig. Ich denke auch deswegen würde es wenig Sinn machen, in Berlin oder in München aufzutreten. Die würden das einfach nicht verstehen und auch nicht darüber lachen können.
Gilli: Und man muss sich dabei totlachen können, sonst macht das alles keinen Sinn.

BLITZ!: Eure Fans, wer sind die eigentlich?
Gilli: Ehrlich gesagt, machen wir alles in erster Linie für unsere Kumpels in Eisleben. Wenn die darüber lachen, dann wissen wir, dass es gut ist. Der Triebel zum Beispiel, der ist LKW-Fahrer, der lacht sich kaputt, wenn er unterwegs ist und in einer unserer Geschichten auftaucht.
Sven: Wenn man bei einem Konzert so in die Runde schaut, dann sieht man da eigentlich alles zwischen 20 und 60, sogar ein paar Kinder. Aber ich denke mal, dass der klassische Fan von uns eher der Typ Handwerker ist. Derjenige, der beim Konzert drei, vier Bier trinkt und sich darüber freut, wenn er ein wenig mitgrölen kann. Uns haben aber auch schon Ärzte aus dem Klinikum Kröllwitz erzählt, dass sie ihre Visite mit "Und wat schlahn se vor, Doktor Kloonee?" (Teil eines Sketches, der auf der Homepage im Hintergrund läuft - die Red.), beginnen. Also auch durchaus intelligente Leute.

www.elsterglanz-dieband.com


Termine:
25.04. Altröglitz/Zeitz, Hyzet
26.04. Magdeburg, Altes Theater
30.04. Aschersleben, Ballhaus
02.05. Aschersleben, Ballhaus
03.05. Nordhausen, Wiedigsburghalle
16.05. Halle, Steintor-Varieté
17.05. Halle, Steintor-Varieté
23.05. Dresden, Strasse E
24.05. Erfurt, Thüringenhalle
30.05. Leipzig, Haus Auensee
31.05. Leipzig, Haus Auensee
 
Wort: Matthias Adler / Bild: Karsten Möbius