Kareen Reissmann a.k.a. DJane Inmortua

Kareen Reissmann a.k.a. DJane InmortuaVon Herzen und mit Köpfchen

Düster und melancholisch ist ihre Grundstimmung, was nicht bedeute, dass sie durchweg traurig sei. Die schwarze Szene ist DJane Inmortua ein Stück Heimat.


Vor vier Jahren in Finnland hat alles begonnen. "Ich war damals Austauschstudentin in Tampere. Dort habe ich zwei andere Austauschstudenten getroffen, die ebenso musikbegeistert waren wie ich. Unser Musikgeschmack hatte wohl eine gewisse Schnittmenge, war aber nicht identisch. Irgendwann kam die Idee auf, in einem lokalen Club einen Abend musikalisch zu gestalten. Der Betreiber des 'Hellä' gab uns die Möglichkeit dazu. Diesem Ausnahme-Event folgten ähnliche Gelegenheiten, beispielsweise ein Umbra-et-Imago-Konzert, bei dem ich für das Warm-Up sorgen durfte", erzählt die Chemnitzerin Kareen Reißmann. Inzwischen hat sie das Studentenleben hinter sich gelassen und arbeitet an der Uni im Fachgebiet Angewandte Sprachwissenschaft als wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Zur schwarzen Szene ist sie durch eine "ganzen Reihe lieber Menschen, die ich zu einem bestimmten Zeitpunkt kennengelernt habe", gefunden. Und sicherlich wäre sie nicht "hängengeblieben", würde sie sich nicht wohlfühlen oder die düster- melancholische Grundstimmung in sich tragen. "Um ehrlich zu sein, kann ich noch nicht mit Bestimmtheit sagen, was genau mich seinerzeit so magisch angezogen hat, dass ich blieb. Klar, die Musik hat da schon einen Löwenanteil. Aber das allein macht für mich die schwarze Szene noch nicht aus. Naja, eine Szene lebt hauptsächlich von sozialen Bindungen. Doch erstmal ist da sicher die zutiefst eigene Grundstimmung, die ich schon als melancholisch bezeichnen möchte. Dazu gehört, dass man Leute trifft, die ähnlich empfinden und denken. Das heißt ja lang nicht, dass man permanent traurig ist. Vielmehr ist man wohl eher grüblerisch und hinterfragt Dinge genauer. Und irgendwann ist man bei einer riesigen Menge Leute, die aus aller Herren Länder beispielsweise jährlich nach Leipzig zum Wave-Gotik-Treffen reist und mit denen man viel gemeinsam hat. Mich hat auch die Toleranz immer beeindruckt, dass Fetisch & Co. hier einen Platz finden. Aber bei genauerer Betrachtung ist die schwarze Szene genauso wenig tolerant wie jede andere. Das ist aber in gewissem Rahmen ein natürlicher Abgrenzungsmechanismus vor allem nach außen. Ich kenne viele, für die ist die Szene eine Art Familienersatz. Aber vor allem ist die Szene wohl ein Stück Heimat."
Spezielle musikalische Favoriten hat Kareen nicht. "Ich höre ziemlich querbeet, was die Düsterwelt betrifft, je nach Stimmung eben. Manchmal entdeckt man alte Klassiker wieder oder Bands, die man fast vergessen hatte. Auch meine Arbeit für das 'Gothic'-Magazin bringt immer wieder neue Inspirationen. Ganz oben auf der Favoritenliste stehen momentan Nine Inch Nails und Diary of Dreams. Aber das ist sicher nicht alles", verrät sie lächelnd. "Ich habe lediglich den Anspruch, dass Musik von Herzen kommt und mit Köpfchen gemacht ist. Das ist manchmal schon ein sehr hoher Anspruch. Leider."
Kareens Stammclub, in dem sie immer auflegt, ist das Vampire in Chemnitz. Doch gibt es von Zeit zu Zeit auch die "Gothic Fairytales" im B-Plan, die sie so nannte, weil der Name "die Magie und den Zauber der Gothic-Szene widerspiegelt". Außerdem legt die DJane regelmäßig im Uni Lichtenstein und gelegentlich im BPM-Club Zwickau auf.


Nächste Termine:
17. und 30. April, 1. und 3. Mai in Chemnitz, Südbahnhof
 
Wort: Lilian Merrick / Bild: Heiko Bachmann