| PertHil und Aerts |
Raus
aus dem Untergrund
Beim letztjährigen Moonbeach-Festival traten der Chemnitzer Aerts und der
Leipziger PertHil das erste Mal gemeinsam als Live-Act auf. Seitdem versuchen
sie ihren ganz eigenen Weg innerhalb der deutschen Electro-Szene zu gehen.
In der elektronischen Musik ist heutzutage kaum noch was möglich. Alles ist
ausgereizt oder hat es schon mal gegeben. Es geht nicht mehr minimaler, aber
auch nicht derber. Irgendwo dazwischen wollen wir unseren eigenen Stil
durchbringen", erklärt Aerts. Das Besondere bei PertHil und Aerts sind die
starken Melodien und PertHils poppiger Gesang. Nicht wie so oft im
Techno-Electro-Bereich üblich sind Basslinien und Rhythmen die Grundlage,
sondern die Melodien. Wobei hier schon der Anspruch der beiden klar und deutlich
wird: Es geht eben nicht um stumpfen Techno, nicht ums Profilieren, Besaufen und
ekstatische Abgehen. "Bei uns geht es um einen tieferen Sinn. Die Melodie leitet
die Leute. Sie soll das Publikum in einen Strudel ziehen. Das muss wie Gänsehaut
kommen. Da geht's um Harmonie. Man muss wissen, wie Melodien funktionieren, wie
sie zusammenpassen, sich aufbauen."
Aerts hat im Trance-Bereich begonnen. Zwischendurch im harten Techno angelangt,
ist er nun das erste Mal seit vier Jahren wirklich zufrieden mit seiner Musik.
Diesen ständigen Wechsel und den Willen zur Veränderung merkt man seiner Arbeit
sofort an. Da ist Druck dahinter. Stark und kraftvoll. Bei eher düsteren Songs
kann das den
Hörer
auch mal ganz schön runterziehen. Aber größtenteils wirken die Lieder entlastend
und aufhellend, animieren zum Loslassen von sich selbst, dem Alltag und seinen
Problemen, führen aber im gleichen Moment durchs bewusste Erfahren der eigenen
Emotionen zu einem selbst zurück. "Ich bin sehr selbstkritisch. Ich finde, das
muss man auch sein. Wenn man zufrieden ist, bleibt man auf der Strecke.
Musikmachen ist für mich das direkte Umsetzen von Emotionen. Im Nachhinein sagt
sie mir sehr viel über mich. Sie ist ständiger Wegbegleiter, gibt mir Halt,
Kraft und den nötigen Schub, Dinge anzugehen. Ohne geht's einfach nicht mehr."
Genau diese Spiegelwirkung erfährt das Publikum bei Live-Auftritten dann am
eigenen Leib. Im Gegensatz zu DJs, die Produkte anderer Künstler auflegen und
somit im Ausdruck der eigenen Persönlichkeit stark eingeschränkt sind, greifen
PertHil und Aerts als Live-Act direkt in ihre Musik ein. Mit vorgefertigten
Sequenzen wird beim Auftritt kreativ neues geschaffen. Für die beiden und ihr
Publikum ist das jedes Mal wieder einen neues Erlebnis.
"Man selbst wird eins mit der Musik - und das Publikum auch. Unsere Musik soll
das Publikum generell darin bestärken zu sagen: Ich fühl das jetzt und will das
auch fühlen. Es soll sich mitreißen zu lassen. Aber genauso finde ich es gut,
wenn jemand sagt: Nein, mit eurer Musik kann ich nichts anfangen, das will ich
nicht. Da kann jeder selbst entscheiden."
Unter den tausenden DJs und Produzenten hierzulande ist es natürlich schwer,
sich durchzusetzen. Da heißt es, ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu
bleiben. Das ist dann nicht nur eine Frage der Musik, sondern auch
Marketingsache. Mit ihren schicken Anzügen und verschrobenen Masken sollte das
hinsichtlich der Optik schon mal funktionieren. "Jetzt gilt es, noch ein
größeres Publikum zu erreichen, sich allen Medien zugänglich zu machen, zum
Beispiel an Hand von Videoprojektionen. Musikalisch weiterhin cluborientiert,
aber raus aus dem Untergrund. Was bedeuten soll, dass unsere Musik jedem
zugänglich sein sollte und nicht, dass wir uns dem Kommerz verkaufen."
www.myspace.com/perthilaerts
Termin:
30.04. Chemnitz, Weltecho
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| Wort: Jan Soldat / Bild: Jan Soldat, David Lässig |
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