| Vorsicht Thiel! |
Sex auf Kosten der VW-Käufer
Wer hätte gedacht, dass es sich mal lohnen könnte, bei der Post zu sein?
Nicht nur, dass man da als Briefträger einen Mindestlohn erhält, der mit etwas
Glück zum Leben reicht. Nein, wenn man lange genug dabei war, gibt es sogar eine
Pension von etwa 90.000 Euro im Monat. Na, wer will da nicht das Posthorn
blasen?
Okay, vielleicht fällt die Pension beim Briefträger etwas geringer aus als bei
Ex-Chef Zumwinkel, aber so groß wird der Unterschied nicht sein. Ich gönne es
jedem Postangestellten, ich meine, ich bezahl das gern, quasi als
Poststeuerzahler. Ich gehe mal davon aus, dass man bei der Post zudem generell
Aktienpakete erhält bei der Einstellung? Kleiner Tipp: Wenn der Vorstand von
Entlassungen spricht, dann sofort diese Aktien verkaufen. Entlassungen steigern
nämlich jeden Aktienkurs. Mindestlöhne übrigens auch. Der Ex-Chef hat es
vorgemacht. Mindestlohn beschlossen, Aktienkurs hoch, Chef verkauft Aktien …
Schlauer Zumi! Auch die Geschichte mit seinem Geld in Liechtenstein ist
eigentlich nicht dumm. Nur lautet Steuerregel Nummer 1: Nicht erwischen lassen!
Okay, hat er im Prinzip auch nicht. Er konnte doch nicht ahnen, dass der
deutsche Staat noch skrupelloser ist als die Banker in Liechtenstein. Wenn es um
deutsche Steuermillionen geht, kennt selbst die Staatsanwaltschaft keine
Freunde.
Das ist bei Peter Hartz etwas anderes. Natürlich hat auch er Geld verschwinden
lassen. Aber nicht für sich - sagt man. Hatte er etwa keinen Sex auf Kosten der
VW-Käufer? Der Betriebsrat Volkert hatte Sex und das Geld für sich genommen und
sich daran gewöhnt und … Also ab in den Bau! Die Jungs, die ihm das alles gaben,
sind hingegen Opfer, also nix Bau. Logisch!
Allerdings sind das alles nur Peanuts, verglichen mit dem Geld, welches uns die
Sachsen LB kostet. Da hieß es erst: "Danke für den Verkauf." Dann hieß es: "Da
kommt nix mehr." Dann: "Es kommt was, aber das Geld haben wir." Und nun heißt
es: "Es wird heftig, aber das haben wir ja befürchtet." Dazu kommt eine
brutalstmögliche Aufklärung seitens der Landesregierung in Form eines noch nicht
vorliegenden Prüfberichtes, den es schon im Januar geben sollte.
Na ja, verglichen mit dem Projekt Waldschlösschenbrücke ist das aber immer noch
Highspeed-Aufklärung. Das Schöne an unserer Zeit ist, dass man sich an die
Katastrophen gewöhnt, wenn man nur lange genug damit beschossen wurde. Nehmen
wir die Bankenkrise. Nennt mir drei große deutsche Banken, die sich nicht
verspekuliert haben. Einige sogar auf verbrecherische Art, siehe Prüfbericht
Sachsen LB. Ach nee, der fehlt ja noch ... Auch bei der Liechtenstein-Nummer
haben einige deutsche Banker geholfen, Steuern zu hinterziehen. Nehmen wir jetzt
noch unser Wissen über Siemens, VW, Infineon, EON, Vattenfall, Henkel - immer
wieder stoßen wir dabei auf skrupellose Manager, die erst Fehler machen und dann
durch Entlassungen (= Optimierung) ihre Verluste zurückholen wollen. Das führt
dazu, dass man inzwischen von "einigen wenigen schwarzen Schafen" spricht. Mal
ehrlich, gibt es auch weiße? "Natürlich", kommt da der Aufschrei aus den
Chefetagen. "Man darf doch die gute und aufopferungsvolle Arbeit der vielen
anderen Manager nicht in den Dreck ziehen!" Da möchte ich ja glatt vorschlagen,
wir warten die Auswertung des kompletten Materials aus Liechtenstein ab.
Der Höhepunkt ist für mich die Frage, ob man dem Informanten Geld geben durfte,
um an das belastende Material zu gelangen. Da fallen mir Gegenfragen ein: Ist
man in Deutschland ein guter Mann, wenn man von Verbrechen weiß und die Fresse
hält? Zählt Loyalität zum Verbrecher mehr als die Wahrheit? Ich glaube, mit
Typen, die so denken, hätten wir die Mauer noch heute! Natürlich hat der
Informant versucht, sein Wissen zu Geld zu machen. Darin ist er den
Steuerverbrechern gleich. Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass dieser
Informant im Bankengeschäft keinen Job mehr bekommen wird, also quasi seine
Rente verdienen musste.
Ministerpräsident Böhmer aus Sachsen-Anhalt meinte neulich, Kindstötungen und
DDR-Vergangenheit gehören quasi zusammen, weil Abtreibungen beliebtes Hobby
ostdeutscher Frauen waren. Wer nicht abtrieb, war gedopt und darum sowieso eher
männlich. Da kann ich nur schlussfolgern: Das Verhalten unserer Manager und
Banker und Steuerhinterzieher hat seine Ursachen in deren westdeutscher
Vergangenheit. Denn Skrupellosigkeit und Betrug zum Erringen von Geld sah man im
Westen noch nie als Verbrechen an, maximal als Kavaliersdelikt.
Übrigens habe ich diese Kolumne noch mal auf Deutsch geschrieben, was ich nicht
als Ausgrenzung türkischer Leser verstanden wissen möchte. Vielmehr ist mein
Türkisch einfach mal schlecht. Aber vielleicht bekommen wir bald türkische
Schulen und Universitäten, was ich mal als Chance für uns Deutsche verstehe ...
Voller Hoffnung,
ciao, Euer Mario
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| Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade |
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