Alexander Pohl

Alexander Pohl und Lydia, die Schlagzeugerin von RoadkillMusikalisch flexibel

Seit einem halben Jahr gibt es für jede Band, die ihr eigenes Demo oder die erste Platte aufnehmen möchte, eine qualitativ hochwertige und finanziell erschwingliche Alternative zu all den Tonstudios, die sie sich bisher nicht leisten konnte: Das mobile Tonstudio Kame House.


Der 30jährige Diplom-Elektrotechniker Alexander Pohl machte sein Hobby zum Beruf. Kame ist japanisch und bedeutet Schildkröte. Und so wie die ihren Panzer überall mit hin schleppt, trägt Alex seine Ausrüstung in die Proberäume der Bands. Fast jede Band hat dort heutzutage PC und Mikrofone, aber mangelndes Know-How und unzureichende Technik hört man den Aufnahmen an. Zumal der Job der Musiker ja das Musikmachen machen sein sollte und nicht das Aufnehmen. An dieser Stelle erscheinen Alex und sein mobiles Tonstudio auf der Bildfläche. "Nicht City mit ihrer 20. Platte, sondern junge, frische Bands will ich ansprechen. Mit bezahlbarem Aufwand ein Produkt zu schaffen, das sich in den entscheidenden Kriterien mit Studioproduktionen messen kann", erklärt Alex. Dass in akustischer Hinsicht nicht immer ideale Vorraussetzungen vorhanden seien, tue der Qualität keinen Abbruch. Der Unterschied zu Amateurproberaumaufnahmen ist enorm und eindeutig hörbar.
Das auf Software und Rechner basierende Konzept wäre so vor ein paar Jahren noch gar nicht möglich gewesen, da auch nicht bezahlbar. "Es handelt sich logischerweise um kein High-End-Produkt, das wäre für Bands, die nicht von ihrer Musik leben, unbezahlbar. Aber es klingt professionell und hilft der Band, bei Veranstaltern und Labels ins Gespräch zu kommen. Die Musik muss in den ersten zehn Sekunden umhauen. Um das zu erreichen, tu ich mein Möglichstes."
Aber nicht nur die Flexibilität seitens Alexanders und das Wegfallen von Raum- und Technikkosten seitens der Bands spielen eine Rolle. Hinter den Aufnahmen im Proberaum findet sich auch ein psychologischer Aspekt wieder. "Bei den ersten Aufnahmen in einem Studio sind die Meisten nervös und brauchen länger. So suche ich sie lieber in ihrer natürlichen Umgebung auf. Da bin ich der einzige Fremdkörper, und einen Besucher hatte sicher jeder schon mal im Proberaum. Der Rest ist wie immer."
Pauschalpreise gibt es bei Kame House keine. Vor den Aufnahmen trifft sich Alex mit den Interessenten, macht Probeaufnahmen, um technische Fähigkeiten beurteilen zu können, und berechnet dann, wie viel Zeit Recording, Mixing und Mastering ungefähr benötigen werden. "Wenn die Band nicht genug Geld hat, dann schauen wir, was sich mit dem, was da ist, vernünftig machen lässt. Da hat sich bisher immer ein Weg gefunden. Ebenso ist es mein eigenes Risiko, wenn ich für Mixing beispielsweise drei Stunden berechnet habe und dann aber drei Tage brauche."
Die aufgenommen Drum- und Gitarrenspuren genauso wie die einzelnen Gesangparts werden dann von Alex, manchmal auch in Zusammenarbeit mit Partnerstudios, gemixt und gemastert. "Im Mixing werden alle Einzelteile zusammengefügt und mit Effekten versehen. Beim Mastering erfolgt der Feinschliff. Der entscheidet dann, ob Top oder Flop."
Inzwischen hat Alex das erste Demo der Thrash-Metaller Chörnyj Woron, das zweite Album der bayrischen Deathgrinder Exaltation und das Debüt der Chemnitzer Metaller von Roadkill bearbeitet, ebenso die erste EP seiner eigenen Band Extinctionist und einen Song für die MySpace-Seite von Philosopher. Derzeit arbeitet er am Mastering eines Samplers für ein italienisches Label und steht in Verhandlungen mit Metal Law aus Berlin und Pirates Of Acheron aus Dessau.
Musikalisch beschränkt sich Alex dennoch keinesfalls auf Metal und Rock. "Hauptsache, ich finde die Band und ihre Musik interessant. Ich bin mit Herzblut dabei, und da macht's auch nichts, wenn es nachts mal später wird. Allerdings möchte ich weiterhin nur Bands aufnehmen und keine Schlager oder Radio-Jingles." So verbringt Alex einen Großteil seiner Zeit auch als aktiver Musikhörer, "vor allem MySpace bietet da ein riesiges Forum. Wenn ich da eine Band entdecke, bei der mich die Musik anspricht, aber die Aufnahmequalität zu wünschen übrig lässt, schreib ich auch mal unverfroren hin und frage nach, ob Interesse besteht."
Neben Recording, Mixing und Mastering bietet Kame House Coaching an. Das heißt Beratung und Kontaktvermittlung in Sachen Merchandise, Promotion, Presswerk, Bühnenpräsenz, Aufstellung im Proberaum sowie Produzentengeschichten. "In den letzten 15 Jahren habe ich einige Erfahrungen gesammelt und wichtige Kontakte geknüpft. Da will ich junge Bands natürlich vor meinen eigenen Fehlern bewahren."
Und bisher sieht es ganz gut aus, Alex' Konzept scheint aufzugehen. "Ich hoffe, dass das auch so bleibt und sich noch weiter herumspricht."

www.myspace.com/kamehouseaudio
 
Wort und Bild: Jan Soldat