| Kudernatschs Kolumne |
Die
Hans-Dampf-Uni Jena
Ich möchte der Uni Jena herzlich zum Geburtstag gratulieren. Sie wird in
diesem Jahr 450 Jahre alt und hört auf den Namen Friedrich Schiller.
Doch warum heißt sie wie ein rot-haariger Schwabe und nicht wie ein Thüringer
Original, das sich stets studentisch benommen hat? Hans Dampf war zwar kein
Dichter, dafür aber dicht. Der olle Herumtreiber soll im 19. Jahrhundert heftig
herumgeschrien haben, so dass ihn die einen in Gotha, die anderen in Jena gehört
haben wollen. Aber egal, wo - die Redensart heißt sowieso "Hans Dampf in allen
Gassen". Da wollen wir nicht kleinlich sein. Alle Gassen sind allüberall.
Allüberall konsumieren Studenten Alkohol und schreien herum. Daher hätte der
Name Hans Dampf auf jeden Fall besser gepasst. Ich setze gern ein Zeichen und
benutze ihn ab sofort.
Zum 450. Jubiläum zeigt die Hans-Dampf-Uni Jena gleich mehrere Ausstellungen.
Aber was wird da ausgestellt? Getrocknete Kotzlachen von Erstsemesterparties,
ausgestopfte Langzeitstudenten, Tampons aus der Regelstudienzeit? Man weiß es
nicht, und ich persönlich betrachte lieber die freilaufenden Exemplare
universitärer Prägung. Die Studentinnen sehen in Jena nämlich wirklich prima
aus: Sehr urban, weltmännisch oder -fraulich, szenig, frisch und zackig.
Ganz anders als in Weimar, wo man Windeln um Hals und Kopf trägt und zur
begnadeten Künstlerin wird, wenn man nur einmal an der dortigen Bauhaus-Uni
vorbeigelaufen ist. Oder nehmen wir Erfurt: Da sollen die Studentinnen besonders
willig sein - so hat es ein Magazin mit Häschen-Logo einst verraten. Nur büffeln
diese Nymphomaninnen immerzu und gehen nie in die Stadt. Nach ihren Seminaren
und Vorlesungen pendeln sie rasch heim nach Sömmerda oder Apolda, wo die
Dorfjugend schon ansteht. Studentinnen der Uni Erfurt sieht man darum in Erfurts
Innenstadt nicht. Da muss man schon tagsüber mit der Straßenbahn zum Campus
rausfahren und durch die Fensterscheiben illern.
Einen Campus hat auch Ilmenau. Hier gilt bekanntlich die Weisheit: "Kariertes
Hemd und Samenstau? - Ich studier Maschinenbau." Das lässt sich prima auf
Informatik und Knickknick umdichten.
Hingegen ist Jena von wunderschönen Elfen bevölkert, die Hans-Dampf-Uni macht es
möglich. Da können wir nur neidisch rübergucken und bekennen: Ja, Jena ist eine
echte Studentenstadt! Jena ist wie Leipzig. Oder noch besser: Jena ist das
Berlin Thüringens. Der JenTower ist dann der Fernsehturm. Und schon John F.
Kennedy wollte sagen: "Ick bin ein Jenenser!" Danke, liebe Hans-Dampf-Uni!
Termin:
03.04. Erfurt, Engelsburg
Kudernatschs Gruselkautsch mit Mozart und Christian von Aster
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| Wort: André Kudernatsch / Bild: Ernie Le Coq |
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