| Kommando Kochen |
Fleisch,
Fleisch und Fleisch
Die Sportelite eilte uns diesmal zu Hilfe. Lasse Heiskanen, Topstürmer des
Unihockey-Clubs Weißenfels, des deutschen Rekordmeisters, testete mit uns die
hallesche Gastronomie bis aufs Messer.
Damit sein Star dabei keinen Schaden nimmt, gesellte sich Rolf Blanke,
Vereinschef und Präsident des Landesverbandes Sachsen-Anhalt hinzu. Der
24jährige Finne Lasse Heiskanen, der aktuell zweitbester Scorer der
Unihockey-Bundesliga ist, wuchs mit Elch und Rentier auf. Seine Zähne bissen
noch nie in echt argentinisches Rind, weswegen wir gemeinsam ins Steakhaus
Matador eindrangen. Lasse rein!
Matador-Chef Tino Heinig ahnte nichts Schlimmes, als wir versuchten seine Küche
zu okkupieren. Doch er wehrte sich, mit japanischen Schneidemessern bewaffnet,
und wollte seine zarten weitgereisten Rinderfilets, jene persönlich bewachten
Schätze, uns "Fleischfressern" nicht einfach so überlassen Der Kompromiss
lautete: "Wenn einer schon extra aus Finnland kommt, um meinen Vorrat schwinden
zu lassen, dann richtig!" Und so präsentierte sich Tino von seiner besten, von
seiner fleischigsten Seite.

Der Lavastein-Grill wurde vorgeheizt und die dunkelroten "Goldbarren" aus dem
Kühlschrank gezaubert. Das Fleisch stammt von kastrierten Ochsen, die in ihrem
Leben nichts weiter zu tun haben, als auf den endlosen Weiten der Pampa zu
weiden und als Delikatesse auf unserem Teller zu landen. Die Kastration ist Teil
des Qualitätsmerkmals, da das Rind so ganz entspannt die Testosteronproduktion
einstellt, was sein Fleisch zart wie Butter werden lässt - erklärte Tino,
während er daumendicke Scheiben schnitt. Rolf und Lasse lief derweil das Wasser
im Mund zusammen, ihnen kam die ehrenvolle Aufgabe zu, die Filetstücke auf den
Grill zu werfen. Lediglich die Hitze der Lavasteine sei ausreichend, erfuhren
wir, und die hauseigene, geheime Würzmischung verleihe den Lendenstücken ihren
einzigartigen Geschmack.
Als Vorspeise gab es Steak "durch". Serviert ohne Beilagen! Keine
tellerfüllenden Bratkartoffeln, keine Rohkostgarnitur, keine pfeffrige Soße. So
sieht sie aus, die fleischige Seite des Steakspezialisten. "Ein wirklich
perfektes Steak bedarf keines Schmuckes", erklärte Tino, "es steht für sich und
verdient die alleinige Aufmerksamkeit und nötigen Respekt." Lasse nickte
anerkennend und
schmatzte:
"Su moss Fleisch schmöcken."
Nach dem appetitanregenden ersten Steak kehrten wir in die Küche zurück und
bereiteten die Hauptspeise vor: Steak "englisch". Wieder kamen die eigentlichen
Protagonisten des Tages auf den Grill, wurden nun aber nur ganz kurz angebraten.
Als könne Tino durchs Fleisch hindurchschauen, nahm er es schnell wieder runter
und schnitt wohlproportionierte Stücke. Lasse mochte es blutig und ließ sich vom
schlachtroten Inneren nicht abschrecken. Das Verhältnis der englischen
Steakzubereitung ist erreicht, wenn lediglich ein Drittel gut durch ist und der
Rest noch roh glänzt. Rolf, der etwas skeptisch auf die Hauptspeise schaute,
probierte als Zweiter und musste anerkennen, dass es exzellent schmeckte.
Um für etwas Abwechslung zu sorgen gibt es als Nachtisch mal etwas mit Fleisch,
nämlich Roastbeef "medium". Noch einmal schnitt Tino liebevoll saftige Scheiben
und packte sie auf den Grill. Lasse, inzwischen ein routinierter Steakwender und
-würzer, freute sich schon auf den krönenden Abschluss.
Erneut
erkannte der Chef mit präzisem Blick den perfekten Servierzeitpunkt und wir
durften genießen. Als rundum gelungen beurteilten die beiden
Unihockey-Spezialisten den Einsatz im Matador und gaben das Signal zum Rückzug,
dankbar für die mehr als lehrreiche Einführung in die Kunst des Steak-Grillens.
Lasse hatte sich gut gestärkt und fühlte sich nach einer ausgiebigen Siesta in
der Lage, seinen UHC zum sechsten Deutschen-Meister-Titel in Folge zu führen.
Alle, die unseren Finnen live erleben wollen, sollten am 24. Februar nach
Weißenfels zum Knaller gegen den Vizemeister aus Chemnitz kommen. Unihockey ist
eine noch junge Sportart, die in Zukunft olympisch werden soll. Auch Steakessen
sollte olympisch werden. Trainieren dafür könnt Ihr beim Spezialisten Tino
Heinig.
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| Wort: Matthias Adler / Bild: Thomas Leibe |
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