Künzel-Musical in der Komödie

Elixier auf ProbeElixier auf Probe

Anfang Februar in der Dresdner Komödie: Die Schauspieler proben soeben die entscheidende Schlussszene des Musicals "Elixier", der Regisseur gibt Anweisungen.


Mal steht das eine Paar so, dass es für die Zuschauer das andere verdeckt, mal stimmt der Einsatz der Musik nicht hundertprozentig. Mehrfach muss Hauptdarsteller Oliver Frischknecht einen Wutanfall spielen. Einzelne Sequenzen werden immer wieder diskutiert und durchprobiert, solange bis sie plausibel sind und der Ablauf reibungslos funktioniert. In nicht einmal zwei Wochen ist Premiere. Die Arbeitsatmosphäre ist angespannt, trotz allem aber nicht gereizt.
Das bestätigt auch Florence Joy, die im Stück die weibliche Hauptrolle, die Betti, spielt. Mit "Elixier", dem Musical aus der Feder von Prinzen-Sänger Tobias Künzel, betritt die junge Frau Neuland. Zwar kann sie schon eine eigene CD, den Sieg bei der SAT1-Castingshow "Starsearch" und die Hauptrolle in der Fernsehserie "Ahornallee" vorweisen, in einem Musical jedoch hat sie zuvor noch nicht mitgespielt. Oliver Frischknecht, Olaf Becker und Florence JoyDoch das war kein Hindernis für "Flo". Dank ihrer Fähigkeiten und Ausstrahlung hat sie sich beim Casting gegen über 60 Mitbewerberinnen durchgesetzt. Auf die Frage, was denn auf der Bühne anders als beim Fernsehen sei, antwortet die gebürtige Hamburgerin: "Für TV-Produktionen lernt man von einem Tag auf den nächsten, hier muss man das ganze Stück einstudieren." Ein weiterer Unterschied ist: "Während beim Fernsehen die Kamera ganz nah rankommt und man eigentlich nur kleinste Bewegungen braucht, um seine Emotionen auszudrücken, muss man auf der Bühne alles etwas größer, intensiver gestalten." Und das gelingt ihr gut. Die Regisseure Jürgen Mai und Olaf Becker sind sehr angetan. "Sie meistert ihre Aufgabe grandios und hat wirklich ein Gespür für die Bühne. Ich bin sehr froh darüber, dass sich die langen Castings gelohnt haben", freut sich Theaterchef Jürgen Mai.
Mit Oliver Frischknecht hingegen hat er für die Rolle des David jemanden gefunden, der schon für mehrere Musicals auf der Bühne stand und dies momentan auch noch parallel in Graz bei einer anderen Inszenierung tut. "Das ist schon ganz schön stressig, aber es macht Spaß", gibt Oliver zu Protokoll. Der in der Schweiz Geborene hat ein Jahr in London und drei Jahre in Hamburg Schauspiel, Tanz und Gesang gelernt; Musicals sind sein Metier. Dabei kam er eher zufällig auf die Bühne: "Ich hab ursprünglich Grundschullehrer studiert, da gehörten musische Fächer zur Ausbildung", erinnert er sich. Ein Freund überredete ihn, bei einem Musical-Workshop mitzumachen, der zum Ausgangspunkt seiner Karriere werden sollte. "Der Gesangslehrer war so überzeugt von meinem Talent, dass er mich kostenlos förderte." Mit Erfolg: Bisher stand Oliver in Musicals wie "Les Misérables", "Dschungelbuch" oder "Käpt'n Blaubär" im Rampenlicht. "Hier in Dresden gefällt mir gut, dass man als Darsteller ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Szenen hat. Das kannte ich so bisher noch nicht." Normalerweise ist der Regisseur ein "kleiner Diktator", dessen Anweisungen die Schauspieler auszuführen haben.
Denn die elf Schauspieler des Stückes sind nur die "Spitze" der Pyramide. Etwa 50 Mitarbeiter sind "hinter den Kulissen" zugange, damit alles funktioniert. Eine zentrale Rolle dabei kommt Olaf Becker zu. In den gerade einmal sechs Wochen, die für die Proben zur Verfügung stehen, ist der Regisseur, Tanzpädagoge und Choreograf, der "nebenher" auch das Kunst- und Kulturzentrum TENZA-Schmiede sowie die gleichnamige Agentur leitet, ständig im Einsatz, stets darum bemüht, dass alles auf der Bühne glaubwürdig wirkt. "Wenn technisch nicht alles einwandfrei funktioniert, dann bricht die Authentizität zusammen. Wer nach dem richtigen Ton sucht, der kann nicht überzeugend schauspielern", ist sich Becker sicher. Dass bei einem Musical seine besondere Aufmerksamkeit den Gesangsparts zukommt, ist selbstverständlich: "Die Songs halten die Handlung an, sie sind eine Art emotionales Standbild." Wenn da etwas schief geht, wirkt sich das auf das ganze Stück aus. "Entscheidend ist, wie viel Zeit man sich nimmt, die Dinge müssen sich einspielen."
Das heißt konkret, dass der Arbeitstag der Crew derzeit meist von 10 bis 23 Uhr dauert: Proben, warten und wieder proben, damit zur Premiere alles reibungslos läuft. Harte Arbeit für alle Beteiligten. Ein Elixier für die ewige Jugend käme da gerade recht. Doch das gibt's nur im Märchen und im Musical "Elixier". Ab 15. Februar in der Komödie Dresden.
www.komoedie-dresden.de · www.elixier-musical.de
 
Wort: Ullrich Bemmann / Bild: Tobias Kade