| Vorsicht Thiel! |
…
nach Ablauf der Vertragslaufzeit
Im Allgemeinen habe ich außerhalb meiner hormonellen Erlebniswelt kein
Problem damit, veralbert zu werden. Schließlich wuchs ich in einem Land auf,
welches mich täglich verarscht hat.
Als es zusammenfiel wie ein Kartenhaus, merkte ich erst, wie vielen Irrtümern
ich so aufgesessen war. Das war damals hart, aber seitdem bin ich so schnell
nicht mehr aus der Fassung zu bringen - mit Negativschlagzeilen. Nehmen wir
Nokia. Wo liegt das Problem? Ich denke, es herrscht Marktwirtschaft? Dabei muss
man den Finnen auch mal Respekt zollen: Die schließen ihr Werk in Bochum
wenigstens noch selbst! Siemens traute sich das mit seiner Handy-Sparte nicht.
Die gaben den Südkoreanern viel Geld, damit die das Ding schließen. Übrigens
hatte auch BMW kein so schlechtes Jahr 2007 (Rekordumsatz!), was die Streichung
von 8.000 Stellen rechtfertigen würde. Die sind dabei auch noch zynisch: "Bei
uns bekommen die Zeitarbeiter dasselbe Geld, wie die Festangestellten ...", rief
man ins Land. Und als man fertiggelacht hatte, sprach man den Satz zu Ende: "...
wenn wir dann noch welche haben."
Ja, die Bayern. Die haben auch den FC und der hat bald Jürgen Klinsmann als
Trainer. Seitdem das klar ist, kommen die Bayern-München-Bosse nun einzeln mit
Fragen, wie: Ja, ist der überhaupt ein Trainer? Wie heißt der noch mal? Freunde,
warum kauft ihr ihn dann? Weil ihr Heuchler seid! Fast wie die Politiker, die
aus Protest ihre Nokia-Verträge kündigen wollen. Mein Lieblingspassus dabei: "…
nach Ablauf der Vertragslaufzeit!" Freunde, wir werden Eure Verträge auch
kündigen! Nach Ablauf Eurer Laufzeit. Fragt mal Roland Koch! Okay, der ist noch
nicht raus aus der Politik, aber er ist ruhiger geworden, viel ruhiger, schon
fast brutalstmöglich ruhig … Der ist normalerweise so was von dreist. Obwohl
sein Land das letzte ist, welches Jugendkriminalität im Griff hat, forderte er
im Wahlkampf nun endlich zum Kampf gegen Jugendkriminalität auf. Natürlich liegt
er thematisch nicht ganz falsch, aber, lieber Roland: Ich fahre doch auch nicht
nach vielen Jahren Verwahrlosung mein völlig verrostetes Auto erstmals in die
Werkstatt und brülle dann die Mechaniker an, dass man so langsam was dagegen tun
sollte.
Apropos, ich muss sicher nicht erwähnen, dass ich vor allem aus Solidarität mit
den BMW-Kollegen alle Produkte von BMW boykottiere! Mal ehrlich, was soll die
Überraschung und das Moralgequatsche: Es geht um Kohle, um sonst nichts! Wenn
man das akzeptiert, versteht man Nokia, BMW, Siemens, Quelle, Quimonda … Jedoch,
wie man mich mit dem neuen Waldschlösschenbrückenentwurf veralbern will, ist mit
Kohle nicht zu erklären. Oder doch? Die UNESCO hat gesagt, diese Brücke an
dieser Stelle ist scheiße, oder so ähnlich. Dafür fand man die UNESCO scheiße.
Das wiederum fand der Rest im Land etwas arrogant. Also kam man auf den Trick
mit dem neuen Brückenentwurf. Dieser soll die UNESCO bewegen, den
Weltkulturerbetitel trotz Brücke im Elbtal zu belassen. Danke, denn nun wird er
uns aus Prinzip aberkannt, wegen versuchter UNESCO-Verdummung! Egal, ob man Laie
ist, schwachsinnig, korrupt oder nicht in der Politik: Diese neue Brücke sieht
aus wie die alte und soll an exakt derselben Stelle stehen. Laut den
Befürwortern ist diese Brücke allerdings jetzt so was von schlank und sieht der
Elbe fast zum Verwechseln ähnlich. Muss ich Angst haben, sie zu verfehlen, weil
sie sich so wunderbar in den Elbhang einschmiegt, dass man denken könnte, da ist
gar keine? Nö! Dieser neue Brückenentwurf ist so "frappierend" anders (Michael
Sagurna, Staatskanzlist), dass alle Medien gezwungen waren, die Änderungen auf
den Bildern deutlich zu markieren und ausführlich zu erläutern, weil man sie
sonst leider nicht bemerkt hätte! Man könnte jetzt formulieren: Die Änderungen
sind so sensibel und dezent, wie es die Brücke selbst nie sein wird. Wenigstens
herrscht jetzt aber Klarheit, denn nachdem ich lange Zeit vermutete, in der
Brückenfrage von einigen Leuten verarscht zu werden, bin ich mir jetzt dessen
absolut sicher! Am meisten brüllen könnte ich über den Umstand, dass man den
Zugang für Fußgänger von den Elbwiesen her weglassen will, um den Brückenfuß zu
verschlanken.
Merke: Tunnel ist doof, weil da keine Fußgänger rein können. Brücke ist nicht
doof, weil der Fußgänger schon nach wenigen Kilometern locker auf der anderen
Seite ist. Da kommt mir eine Idee: Ich werde meinen Fiat (ja, ich fahre einen
Italiener) rot spritzen lassen, vorne ein Pferd drauf und hinten Ferrari dran
schreiben und schon laufen mir die Frauen hinterher, weil ich ja so einen tollen
Schlitten fahre … Auf dem Weg in die Lackiererei,
ciao, Euer Mario
Vorsicht! Thiel liest!
06.03. 20 Uhr
Dresdner Comedy & Theater Club
www.dresdner-comedy-club.de
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| Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade |
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