| Kommando Kochen |
Down
Below im Maulwurf
Lange war es still in der Küche, doch nun sind wir wieder da, um die
Kühlschränke hallescher Gastronomen zu plündern. Für unser diesjähriges Debüt
haben wir hochkarätige Verstärkung rekrutiert.
Mit der Dessauer Gothic-Rock-Band Down Below, die Sachsen-Anhalt am 14. Februar
beim Bundes-Vision-Song-Contest vertreten wird, graben wir uns leise nach unten
vor. Denn die bekennenden Schnitzel-Fans erobern mit uns das Wirtshaus zum
Maulwurf. Dessen Ruf, die besten Schnitzel der Stadt zu servieren, steht auf dem
Prüfstand.
In der Küche angekommen, ist die Arbeitsteilung schnell geklärt. Sänger Neo
entscheidet sich spontan für die rustikale Arbeit. Die saftig-roten Kalbsfilets
haben es ihm angetan. Er macht aus ihnen Wiener Schnitzel. Gitarrist Carter will
ein Süppchen für seine Jungs auftischen. Das Dessert, die hohe Kunst des
filigranen Kochens, übernimmt ein Mann vom Fach, Schlagzeuger Mahoney, der
gelernte Koch, sieht die goldgelben Äpfel, ein Bier daneben und will seine
Freunde mit einem Apfel-Beignet verwöhnen.

Also, auf die Löffel, fertig und los! Gemächlich beginnt der Suppeneinsatz.
Kartoffeln, Lauch und Möhren werden kleingeschnitten und in Brühe weichgekocht.
Neo zerteilt das Fleisch im Schmetterlingsschnitt in schnitzelgerechte
Portionen. Die Äpfel müssen geschält und in Scheiben verwandelt werden. Die
eingekehrte andächtige Arbeitsstimmung wird durch das Jaulen des Pürierstabes
unterbrochen, mit dem Carter die Suppe zu einem feinen Brei zerdreht. Alles wird
nun nochmals durch ein Sieb gegeben, mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und mit
Sahne und etwas Brühe verfeinert. Weil ihm aber noch etwas der Pfiff fehlt,
schwenkt Carter hauchdünne Lachsscheiben mit Lauch in Butter an. Der Gitarrist
mit seiner Suppe ist zuerst fertig und dekoriert verträumt die Gedecke.

Das Fleisch wird von Neo inzwischen erbarmungslos und leidenschaftlich mit dem
Hammer bearbeitet. Mahoney rührt derweil den Teig für sein Dessert an. Zwei
Eiweiß, 300 Gramm Mehl, 20 Gramm Zucker, ein Viertelliter Bier und 50 Gramm Öl
werden miteinander verrührt. Der beschäftigungslose Carter bekommt die
undankbare Aufgabe zugewiesen, das Eiweiß so lange zu schlagen, bis es steif
wird. Den Über-Kopf-Halte-Test vollzieht er anschließend natürlich nicht über
seiner eigenen, sondern über Mahoneys Rübe. Nun werden die Apfelscheiben nach
einem Bad im
Bierteig
kurz frittiert. Die alles entscheidende Wiener-Schnitzel-Panade hat sich
Maulwurf-Chef Wolfgang Türmer bei Kochgott Johann Lafer abgeschaut, der sie
zusätzlich mit Sahne verfeinert.
Nachdem sich Neo am Fleisch abreagiert hat, entdeckt er seine zärtliche Seite.
Liebevoll massiert er den Schnitzelrohlingen die Panade über. Dabei verklumpen
sich seine Finger zu kleinen Knubbeln, da Mehl, Ei und das Paniermehl eine recht
klebrige Mischung ergeben. Ein bekanntes Problem für den ehemaligen Koch Mahoney:
"Nimm einfach immer nur eine Hand für jeden Schritt, so verklumpen die Hände
nicht!" Gesagt - getan.
Und
so liegen die Schnitzel schon bald in der Pfanne, inmitten von Butterschmalz.
Die Beilage, in Form von Bratkartoffeln, muss nun in einer weiteren Pfanne
angebraten werden. Einmal mehr kümmert sich Carter um die Gestaltung der Teller
und legt Garnituren auf. Dem Dessert fehlt nur noch das Vanilleeis, das oft
zitierte Sahnehäubchen. Und fertig! Das Drei-Gänge-Menü ist angerichtet. Die
Azubi-Köche Christian und Alexander, die mit Rat und Tat zur Seite standen,
Kellnerin Anett und Obermaulwurf Wolfgang Türmer testen gemeinsam mit der Band
das kulinarische Werk und sind von den Kochkünsten der Dessauer Musiker
sichtlich begeistert.
Auf der Internetseite vote-for-us.de könnt Ihr zwar nicht mitessen, aber
abstimmen, um den Jungs zum Sieg bei Stefan Raab zu verhelfen. Unsere und auch
die Stimmen der Maulwürfe haben sie sich auf jeden Fall verdient.
Mit gänzlich leergegessenen Tellern endete das Kommando. Zurück bleiben
zufriedene Gesichter, satte Bäuche und eine chaotische Küche. Wolfgang Türmer
versicherte uns aber, dass sein Umsatz auf Dauer nicht gefährdet sei. Na dann,
auf zum nächsten Kommando ...
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| Wort und Bild: Thomas Leibe |
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