| BEZUltimate Frisbee |
Mehr als nur ein Sport
Seitdem vor 70 Jahren die ersten Kinder mit Kuchenformen des Bäckers William
Russel Frisbie um sich schmissen, ist eine Menge Zeit vergangen. Mittlerweile
gibt es weltweit über 100.000 Frisbeespieler, die Hälfte von ihnen in den USA.
In unseren Landen ist der Frisbeesport noch weitgehend unbekannt, erfreut sich
jedoch auch hier einer wachsenden Wurfscheibengemeinschaft.
Sie heißen: "Rotatoes Potatoes", "Forest Jump", "Drehst'n Deckel" und
"Schleudertrauma", und wer glaubt es handle sind hierbei um Vereine für die
Freunde der Wortspielkunst, liegt weit daneben. Vielmehr sind dies einige Namen
der rund 100 Ultimate-Frisbee-Mannschaften, die es derzeit in Deutschland gibt.
Aber was ist Ultimate Frisbee? Ultimate Frisbee (kurz: Ultimate) ist ein
wettkampforientierter, weitgehend berührungsloser Mannschaftssport und wird in
Deutschland seit den 1980er Jahren gespielt. Ursprünglich kommt das Spiel aus
den USA, wo es von Studenten erfunden wurde. Dort wurde 1964 der erste
Frisbeeverband gegründet, dessen Regelwerk heute noch weltweit gültig ist.
Gespielt wird mit einer 175 Gramm schweren Plastikwurfscheibe, dem Frisbee, auf
einem Spielfeld von 100 Meter Länge und 37 Meter Breite. An den Stirnseiten des
Feldes gibt es eine je 18 Meter tiefe Endzone. Ziel ist es, dass der Frisbee von
einem Mitspieler in der Endzone des Gegners gefangen wird. Deshalb wird das
Spiel auch oft als Variante des American Football gesehen. Eben nur mit einem
Frisbee statt einem Football und ohne Körperkontakt. Zudem vereinigt Ultimate
auch Elemente des
Basketballs in sich. So ist dem Spieler in Scheibenbesitz nur
ein Sternschritt erlaubt, und er darf den Frisbee nicht länger als zehn Sekunden
halten. Landet ein Pass auf dem Boden, im Aus oder wird von der gegnerischen
Mannschaft abgefangen, wechselt der Scheibenbesitz ("Turnover"), und das andere
Team ist im Angriff. Doch Ultimate besteht aus mehr als nur Regeln und Sprints.
In erster Linie geht es um den Spaß am Spiel und nicht darum, den Sieg zu
erringen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass das "Beer-Race", die
Partytauglichkeit oder der Sing- & Performance-Wettbewerb bei Turnieren
mindestens genauso wichtig sind, wie die Spiele selbst.
Dieser Ansicht ist auch Alexander Lucke, der dieses Jahr mit seinem Team, den
Paradiscos Jena, den Sing- & Performance-Contest auf dem Woodstock-Turnier in
Prag gewonnen hat. "Ein Turnier zu gewinnen ist schon nicht schlecht, Sieger des
Beer-Races oder des Spirit-Preises zu werden, ist dem aber mindestens
ebenbürtig." Der 23jährige studiert Latein und Evangelische
Religionswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und spielt seit
zweieinhalb Jahren aktiv Ultimate Frisbee. Seit anderthalb Jahren trainiert er
die Neulinge, die sich für Ultimate Frisbee im Hochschulsportangebot der FSU
Jena entschieden haben. Ihn begeistert vor allem, dass die Fairness an erster
Stelle steht. "Egal ob beim Freundschaftsspiel, beim Turnier oder bei der
Weltmeisterschaft -
es gibt keine Schiedsrichter." Das bedeutet, dass die
Spieler untereinander zu klären haben, was ein Foul war und wann ein
Linienverstoß vorlag. Dabei werden die Fouls von demjenigen angegeben, der
gefoult wurde. Ist derjenige, welcher das Foul begangen haben soll, sich keiner
Schuld bewusst, dann war es kein Foul. Ganz einfach. Damit nicht beliebig
getreten und geschlagen werden darf, gibt es die ultimative Regel des Ultimate
Frisbee: Den Spirit of the Game, den Geist des Spieles:
"Ultimate betont die Sportlichkeit, Anstand und Fair-Play. Kämpferischer Einsatz
wird zwar gefördert, darf aber niemals auf Kosten des Respekts vor dem Gegner,
der Regeln und des Spaßes am Spielen gehen."
Je nachdem wie fair sich eine Mannschaft verhält, bekommt sie mehr oder weniger
viele sogenannter "Spirit Points". Diese können von allen Teilnehmern eines
Turniers verteilt werden. Am Ende des Turniers werden neben dem Sieger der
Spiele auch das fairste und das trinkfesteste Team geehrt.
In Thüringen gibt es augenblicklich drei Mannschaften: Airfurt Ultimate
(Erfurt), Forest Jump (Ilmenau) und Paradisco Jena.
www.frisbeesportverband.de ·
www.paradiscojena.de
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| Wort und Bild: Ralf Schieferdecker |
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