Krystallpalast-Varieté

Krystallpalast-VarietéWallace-Helden in Leipzigs Untergrund

Kriminelles aus unserer Stadt bringt "Nachts im Nebel an der Pleiße" ins Krystallpalast-Varieté. Henner Kotte gibt sein Debüt als Varietétheaterautor und -regisseur. Und er tut dies unterhaltsam und anspielungsreich.


Inspiriert von Edgar-Wallace-Filmen und anderen Kindheitserinnerungen schickt Kotte seine "Wunschbesetzung" in die Spur: Axel Thielmann als Sir John und Heike Ronniger als Oberleutnant Fuchs. Ronniger hat bereits in des Autors erstem, dem Boulevardtheaterstück "Schnee vor der Hütten" mitgespielt. Mit Thielmann tritt Henner Kotte immer wieder selbst auf, u.a. beim "Patientenfest der Volksmusik" und in der Reihe "Margot Honecker erklärt Annette Schavan die Welt".
Seit 27. November nun läuft "Nachts im Nebel an der Pleiße", klären Sir John und Oberleutnant Fuchs einen mehr als ungewöhnlichen Fall: Der Bohrer für Leipzigs Tunnel ("Das kleinste U-Bahn-Netz der Welt") ist verschwunden! Nein? Doch! Führen die Spuren in die Unterwelt? Treibt Kommissarin Fuchs ein doppeltes Spiel? Sitzt der Frosch in der Maske? "Leipzig braucht das Verbrechen", sagt der aus London herbeigerufene Sir John. Wegen der Arbeitsplätze. Und weitere schöne Sachen werden festgestellt: "Die Unterwelt ist überall enttäuschend." Oder: "Warum sollte denn die Presse lügen?" Die Mimusen
Querverweise auf Fernsehkriminelle (Olsenbande), Fernsehermittler (Uwe Steimle alias Kommissar Hinrichs: "Undercover!") und hiesige Kulturgrößen (Blonde Venus, Sachsendiva) bereiten Vergnügen. Die Bemerkung "Mönche, die peitschen, töten nicht" führt uns Zuschauer auf die richtige Fährte. Wir erleben biegsame Chinesinnen (u.a. in einer sehr hübschen Befragungsszene), an Umbra-et-Imago-Konzerte erinnernde Messerwurfdramatik und einen blonden Racheengel unterm Krystallpalast-Firmament. Sowie die wunderbaren Pantomimen Die Mimusen, die nicht nur mit ihrer Rolltreppendarstellung beeindrucken. Dazwischen Frösche, Fuchs und John. Die Auflösung verraten wir selbstverständlich nicht, dafür das Schlussbild. Das steht mit einem James Bond, der so jung aussieht, dass er eher wie der Reporter Tim aus den "Tim und Struppi"-Filmen wirkt.
Zu Ostern 1974 sah der damals elf-jährige Henner Wallaces "Rätsel der roten Orchidee" im Fernsehen. Es war sein erster Krimi, das Interesse erwachte. Inzwischen hat der Wahlleipziger fast alle Wallace-Filme gesehen ("Vielleicht drei nicht") und selbst einige Krimis geschrieben. Sein "Pleißennebel" wabert bis 3. Februar durch die Magazingasse, übrigens auch zu Silvester.
 
Wort: Ernie Le Coq / Bild: Tom Schulze