Die Chemnitzer Stoneheads

Ultimate FrisbeeEgal, ob man gewinnt oder verliert

Zufällig von Kindern, die sich gegenseitig weggeworfene Kuchenbleche zuspielten, erfunden, wird das daraus entstandene Ultimate Frisbee heutzutage in über 40 Ländern und von mehr als 100.000 Aktiven praktiziert.


Im Ultimate Frisbee geht es nicht um den Einzelkämpfer, sondern um die Mannschaft. Und das zu werfende Gerät hat sich längst von seinen zwei Kilo auf gerade einmal 175 Gramm erleichtert. Ist damit aber immer noch größer und schwerer als das während des Strandurlaubs verwendete Utensil. In Deutschland gibt es derzeit circa 70 Vereine und Gruppen, welche häufig im Hochschulsport ihren Ursprung haben. So auch in der Sporthalle am Thüringer Weg der TU Chemnitz. Seit 1999 wird dort nämlich das Ultimate Frisbee als freiwilliger Kurs angeboten. Die Stoneheads, so der Name der Chemnitzer Gruppe, sind auf Grund der zur Zeit herrschenden Witterungsverhältnisse vorerst in die Halle ausgewichen. Bei der eigentlich im Freien betriebenen Sportart auf jeden Fall eine Umstellung. Hinzu kommt, dass das Training wegen ständiger Belegung der Halle nur einmal in der Woche stattfinden kann: Montags 15.30 Uhr. Trotz alledem tut dies dem Spieleifer der Steinköpfe und deren Freude am Sport keinen Abbruch. Ultimate Frisbee
Aber wie genau wird Ultimate Frisbee nun gespielt? Und welche Regeln gibt es? Wie oben erwähnt ist Ultimate Frisbee ein Mannschaftssport, neben Verwandtem wie Discgolf, Goaltimate und Freestyle-Frisbee sogar die bekannteste im Frisbee-Bereich.
Bei einem Spiel treten zwei Mannschaften mit je sieben Akteuren gegeneinander an. Das Feld hat ähnlich dem beim Fußball eine Länge von circa 100 Metern, ist mit 37 Metern allerdings nur halb so breit. An den Enden befinden sich mit einer Länge von 18 Metern jeweils die beiden Endzonen. Ziel des Spiels ist es, die Scheibe in die Endzone der gegnerischen Mannschaft zu befördern. Da heißt es dann: Freilaufen, Raum gewinnen, werfen und fangen. In seiner Mischung aus Hand-, Basket- und Football ist das Ultimate Frisbee somit eine der laufintensivsten Sportarten überhaupt. Wenn man im Besitz der Scheibe ist, darf man sich jedoch in einem Zeitraum von zehn Sekunden nur im Sternschritt bewegen. "Zusammen mit Vor- und Rückhand und dem Über-Kopf-Wurf, dem Hammer, gibt es fünf bis sechs Würfe. Die Grundlagen gehen schnell rein. Die wirkliche Herausforderung ist es, die Übersicht zu behalten, sich zu koordinieren und konditionell bei der Stange zu bleiben", erklärt der derzeitige Übungsleiter André Golla.Ultimate Frisbee
Ultimate Frisbee versteht sich als körperkontaktfreier Sport. Jede Berührung wird somit als Foul geahndet. Es ist kein Kampfspiel, bei dem man um jeden Preis in die Endzone des Gegners vordringt. Respekt gegenüber dem Gegner und vor allem Fairness sind oberste Priorität. Das Besondere hierbei ist, dass es keinen Schiedsrichter gibt und sämtliche Entscheidungen auf dem Rasen von den Spielern selbst getroffen werden. In Frisbeekreisen wird diese Art von Spielphilosophie "Spirit Of The Game" genannt. Das rücksichtsvolle Miteinander besticht gerade im Vergleich zu der im Fußball so oft erlebten Aggression. Auch mit dem nach jedem Spiel stattfindenden Spiritcircle, in welchem beide Mannschaften konstruktiv eigene und gegnerische Stärken und Schwächen auswerten, scheint das Ultimate Frisbee den meisten anderen Sportarten um Einiges voraus zu sein. "Es ist egal, ob man gewinnt oder verliert oder wie viele Punkte man holt. Es geht darum, ein schönes Spiel zu haben, sich an Erfahrungen zu bereichern und vor allem um den Spaß. Und obwohl es der Gegner ist, spielt man mit ihm. Der Wettkampf an sich ist dennoch nie komplett ausblendbar. Ehrgeiz und Konkurrenz spielen aber, wenn überhaupt, eine extrem untergeordnete Rolle. Bei mir jedenfalls ist sportliche Leistung nur mit Spaß möglich", so André Golla.
Dieses Jahr haben die Stoneheads an sieben Turnieren teilgenommen. Im nächsten Jahr soll es zur Deutschen Hochschulmeisterschaft nach München gehen. Als nächstes aber steht die 10. Nacht der langen Stollen in Dresden an, wobei die Teilnahme auf Grund des Losverfahrens noch nicht sicher ist. "Es gibt zwei Arten von Turnieren. Einerseits kommt man als Mannschaft und spielt auch gemeinsam als solche. Andererseits kommt man an und wird mit vollkommen fremden Leuten zusammen einer komplett neuen Mannschaft zugeordnet. Da ist es wichtig, sein Können einzubringen und sich auch mal zurückzunehmen. Turniere und generell das Ultimate Frisbee sind sehr intensiv. Bewegung und das Sich-Auspowern kann man da voll ausschöpfen."

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Termin:
12./13.01. TU Dresden, Sporthalle
 
Wort: Jan Soldat / Bild: Jan Soldat, P.D.