| Das Espachbad in Erfurt |
Das
Espachbad - welcher Erfurter kennt es nicht? Erinnert Ihr Euch noch an die
Badevergnügen an heißen Sommertagen?
Noch schwach vielleicht, denn in der
Realität findet sich bloß noch eine dem Verfall preisgegebene Ruine im Espachpark an der romantischen Lindenallee.
Es war 1991, als das Bad aufgrund hoher Wasserverluste schließen musste. Das
sollte nur ein vorübergehender Zustand sein. Doch weit gefehlt, der
Dornröschenschlaf dauert nunmehr schon 16 Jahre. 16 Jahre endlose Diskussion in
und mit der Stadt, und es bleibt die Frage zu stellen: Was wird denn nun aus dem
Espachbad?
Doch vorerst ein kurzer Blick auf die Historie: 1839 eröffnet ein Privatmann das
Bad als das erste seiner Art in Erfurt. Man(n) bleibt dabei unter sich. Und
obwohl die Stadt nur wenig Pacht erhält, die ärmeren Leute dürfen gar ohne
Eintrittsgeld baden, unterstützt der Stadtrat den Ausbau und die Erweiterungen.
1899 erfolgt der erste große Umbau und daran anschließend die Neueröffnung. Die
neue Espach-Badeanstalt ist geboren.
Seit 1912 gibt es in Erfurt zwei Freibäder - das Espachbad für Männer und in
unmittelbarer Nähe das Dreibrunnenbad für Frauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wird das Männer-Bad saniert, 1950 die Wasserverbindung zwischen Gondelteich und
dem Areal des Espachbades aufgeschüttet, zusätzliche Liegewiesen entstehen.
1991, nach 152 Jahren, kommt es zur Schließung, 1992 zur endgültigen
Stilllegung. 
1994 nochmals im Fokus der Öffentlichkeit wird das Bad aus baukünstlerischen und
geschichtlich-technischen Gründen als Kulturdenkmal ins Denkmalbuch aufgenommen.
Das verpflichtet die Stadt als Eigentümerin, die Anlage im Rahmen des Zumutbaren
zu erhalten und im Sinne des Thüringer Denkmalschutzgesetzes zu behandeln. Doch
was ist "zumutbar"? Die Stadt denkt sich wohl, zumutbar ist, was rentabel ist.
Denn anders kann man sich nicht erklären, dass Erfurt im Jahr 2005 eine
Villenbebauung für das Areal vorsieht. Das Ende des öffentlichen Ortes. Durch
die unermüdliche Lobbyarbeit des vor neun Jahren gegründeten Erfurter Espachbad
e.V. wird dies glücklicherweise verhindert. Doch die Zeit der Ignoranz und des
Nichtstuns der Eigentümerin hinterlässt tiefe Wunden. Heute ist klar: Das Bad
kann in seinem Originalzustand nicht mehr hergestellt werden. Der Verfall ist zu
weit fortgeschritten. Welche Möglichkeiten gibt es noch?
Der Erfurter Espachbad e.V. hat ein Gestaltungskonzept vorgelegt, das eine
nachhaltige, ökologisch wie ökonomisch vertretbare Lösung vorsieht. Die
denkmalgeschützten Baulichkeiten sollen erhalten bleiben, ein Kaffeehaus
integriert werden und eine Naturbadelandschaft entstehen. Ein ähnliches Projekt
existiert erfolgreich seit einigen Jahren in Leipzig-Lindenthal. Doch die Pläne
der Stadt sind andere. Auf dem Areal soll nun eine Kindergartenanlage entstehen.
Damit wäre auch Ersatz für die Schließung des Kindergartens "Rasselbande" in der
Espachstraße gefunden. Nun ist nicht zu bemängeln, dass zumindest soziale Ziele
verfolgt werden. Nur die Abwägung - öffentliche Badeteichanlage gegen
Kindertagesstätte - lässt die eigentliche Diskussion verstummen. Wieso nicht
beides? Bedarf besteht! Warum soll die Diskussion um eine Wiederherstellung der
Wasserflächen, zugänglich für alle Erfurter, ad acta gelegt werden?
Nichts spricht gegen die Errichtung eines Kindergartens. Doch fest steht: Durch
die überdimensionalen baulichen Vorhaben wird nichts mehr an die historische
Badeanstalt erinnern, die Naturbelassenheit des Areals fast gänzlich zerstört
werden. Warum soll die Nutzung der Fläche nur einigen wenigen Kindern vergönnt
sein, wenn sie doch allen Erfurtern und deren Kindern zur Verfügung stehen
könnte? Das ist ein Zusammenbruch der Visionen der Lokalen Agenda Erfurt 21, in
der es heißt: "Die Menschen sollen sich wohl fühlen in ihrer Stadt in Einklang
mit Natur und Umwelt."
www.espachbad.de
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| Wort: N. Hoffa, JW / Bild: N. Hoffa, Gabriele
Stübgen, P.D. |
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