Krissi trifft Sirko Panse

Krissi trifft Sirko PanseSagen, wie es geht

Sirko Panse. BWLer. Hm. Trocken. Sehr trocken. Geschäftsführer einer Marketingagentur. Produkt- und Dienstleistungsmarketing. Bääääh! Schon beim bloßen Gedanken daran, ziehen sich die letzten Krümel in meinem Mund zu einer westernähnlichen Mistel-ansammlung zusammen.


Fehlt nur noch, dass meine Weisheitszähne das Lied vom Tod pfeifen und schon wäre das Trockenheitsszenario zum Gedenken an noch einen Marketing-John-Boy auf der Erfurt-Bonanza-Ranch fertig. 12 Uhr mittags - na ja nicht ganz, eher um eins - treffen wir uns zum Duell. Es geht zwar nicht um eine Hand voll Gold, aber vielleicht lässt sich irgendetwas an ihm zu Edelmetall machen. Ich kann das nämlich auch, dieses - äh - Marketing. Als wäre ich Lucky Luke, schneller als mein eigener Schatten, zücke ich Stift und Blatt, doch John-Boys Sprechsalven hab ich nichts entgegen zu setzen. "Mensch, Sirko", entfleucht es mir, nachdem ich parabellummäßig mit Businessfloskeln beschossen worden bin, "was willst'n trinken?". So verschaffe ich mir Zeit. Und während er genüsslich an seiner eiskalten Ingwer-Bionade zutschelt, beobachte ich ihn, den Sirko, genau. 32 Jahre jung, gut gebaut, markantes Profil, schöne Augen, keine Haare. Ein Blick auf seine Vitae, zu deutsch Lebenslauf mit ein bisschen drumherum, die er als perfekt vorbereiteter Mensch in allen Lebenslagen mit sich trägt, lässt mich dann doch kurzzeitig in Ehrfurcht erstarren. Karate? Erster Dialogmanager Thüringens? Diplomierter Betriebswirt? Oh, oh. Mir schwant, ich muss mich benehmen, will ich nicht ganz schnell von John-Boy in die Tasche gesteckt werden.
"Die Agentur, die sagt, wie es geht! Kurz und in englischer Sprache: SAYS", erklärt er mir nun auf meine Frage hin, wofür eigentlich nun das SAYS im Unternehmensnamen stehe. SAYS-Marketing, wer noch nicht von dieser Erfurter Marketingagentur gehört oder im Erfurter Regionalfernsehen Plus TV gesehen hat, war zumindest schon mal auf einer Party, die von ihr, wenn nicht veranstaltet, dann organisiert worden ist. Selbst ich, und dazu stehe ich, war bereits in der Erfurter Thüringenhalle auf der sogenannten "Blind Date - Single-Party" amüsiert unterwegs. Auch diese, genauso wie die "Oldie-Fete" oder die "Video Buster Movie-Party" gehören zu den von der Agentur SAYS-Marketing organisierten Veranstaltungen.
Sirko, SAYS-Mitbegründer und einer der beiden Geschäftsführer, packt diese Veranstaltungen in den Eventmarketing-Bereich seines Unternehmens. "Das Portfolio unserer Agentur lässt sich in die folgenden drei Bereiche unterteilen: Produkt- und Dienstleistungsmarketing, Eventmarketing und TV-/Imagefilmproduktionen", erklärt er mir gewissenhaft, und ich bekomme große Augen.
"Das ist ja ganz toll, aber wie kommt man denn als Sparkassenlehrling (das war er wirklich - d.A.) auf die Idee, sich als Marketing-Spezialist selbstständig zu machen?" Blöde Frage, logische Antwort: "Im Grunde bin ich mir selbst dankbar, für meinen Mut", erklärt er, "2003 war so ein Schei...jahr, 9/11 lähmte immer noch die Wirtschaft, der Dax erlitt ein Rekordtief - eigentlich nicht die ideale Zeit, um sich selbstständig zu machen". Aber wieso dann doch? Sirko grinst mich lässig an und meint: "Damals, zu meiner Zeit bei der Sparkasse, hat man mir sehr eindrucksvoll gezeigt, wie man es eben nicht macht, das Marketing! Ich erlebte das Gefühl völligen Stillstandes. Die Fesseln, die man dort um meine Ideen legte, musste ich sprengen, ich wollte es dort einfach nach meinen Ideen durchziehen und durfte nicht. Jetzt gehört der Geschäftskundenbereich der Sparkasse Mittelthüringen mit in unseren Kundenbereich."
Das nennt man wohl "erfolgreich querdenken", und plötzlich bekommen gewisse Stationen in seinem Lebenslauf richtig Sinn: Da bricht er ein BWL-Studium in Frankfurt am Main ab, weil die Dozenten dort, seiner Meinung nach, mit ihrer Theorie von der geläufigen Praxis in Deutschlands Wirtschaft zu weit entfernt sind. Studiert hat er schließlich in Erfurt, seiner Wahlheimat. Erfurt ist für den geborenen Südharzer der perfekte Standort für seine Agentur. Infrastruktur, Flair und die Bewohner der Landeshauptstadt sprechen für sich, so seine Meinung.
"Aber das ist nicht nur meine Agentur", rechtfertig er sich und schwelgt in alten Zeiten. Damals war's, 2003, als er frustriert und voller Ideen den Stefan traf, ebenfalls mit guten Kontakten, welcher noch seinen Bruder mit ins Boot holte. Und so wurde aus einer - man kann schon fast sagen -Stammtisch-Idee ein hieb- und stichfester Plan. Die Jungs gaben allesamt ihre bisherigen Jobs auf, warfen die Kohle auf einen Haufen, mieteten sich ein Büro in Erfurt und sagten fortan allen, wie's geht: SAYS! Zuhörer haben sie mittlerweile eine Menge, von lokaler Fernsehwerbung für zahlreiche Thüringer Mittelstandsunternehmen, über die Organisation des Thüringen-Grammys bis hin zur freistaatweiten Kinder-Fitness-Aktion im Auftrag der Unfallkassen Thüringens - das Portfolio ist breit gefächert.
Abschließend bleibt zu sagen, dass es dann wohl doch eine Handvoll Gold ist, die John-Boy da in seinen Händen hält. Denn Marketing - für mich nur ein Begriff - ist für Sirko Panse Lebensinhalt. Good Luck, John-Boy!
 
Wort: Kristina Hentsch / Bild: Thomas Käberich