American Gangster

American GangsterGoldene Jungs und böse Männer

Wenn Ridley Scott einen neuen Film dreht, dann ist man in aller Welt gespannt darauf. Der Mann, dem wir den revolutionierenden "Blade Runner" zu verdanken haben, "Alien" und "Thelma & Louise", dem 2000 mit "Gladiator" ein furioses Comeback gelang, hat es eigentlich kaum noch nötig, Filme zu machen. Allein die Wiederholungen der genannten Streifen muss erst mal jemand toppen.


Mancher ist nach so vielen Jahren einfach nur ausgebrannt. Aber Scott macht sich gerade sein eigenes Geschenk zum 70. Geburtstag. Und das trägt den Titel "American Gangster" und kommt am 15. November in unsere Kinos. Am 30., zu seinem Geburtstag, kann sich Ridley Scott dann schon die ersten Besucherzahlen aus Deutschland vorlegen lassen.
Erneut versicherte sich Scott bei "American Gangster" der inzwischen bewährten Zusammenarbeit mit einem seiner Lieblingsschauspieler der letzten Jahre. Eine der beiden Hauptrollen darf wieder einmal Russell Crowe spielen. Mit dem hat der Filmemacher schließlich auch die Komödie "Ein gutes Jahr" gedreht. American GangsterCrowes großer, weltweiter Durchbruch gelang ihm allerdings mit der Hauptrolle des römischen Feldherrn Maximus Decimus im obengenannten "Gladiator". Dabei war der Mime schon zuvor einmal für einen Oscar nominiert worden - für seine Rolle als Abteilungsleiter in einer Tabakfirma, der entlassen und von seinem Chef terrorisiert wird, in "Insider". Und er wurde auch danach nochmals nominiert, 2001. Aber man kann ja schließlich nicht dauernd nur dem selben Mann den Oscar geben, auch wenn Crowe als schizophrener Mathematiker in "Beautiful Mind" ebenfalls richtig gut war. War ja gerade erst zwei Jahre her, dass er die Branchen-Trophäe in den Händen halten durfte ...
Sollte man ihn nun mal wieder nominieren, für sein Auftreten in "American Gangster", so hat er sicherlich in seinem Gegenspieler einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Denzel Washington ist nämlich auch nicht zu unterschätzen. Die beiden waren sogar schon einmal gemeinsam nominiert. Im erwähnten Jahr 2001. American GangsterDa bekam Washington die Statuette für seinen korrupten Cop in "Training Day". Für ihn war das der zweite Oscar, den er entgegennehmen durfte - und übrigens auch erst der zweite Oscar in der Kategorie Bester Hauptdarsteller, der an einen afroamerikanischen Schauspieler ging. Zwölf Jahre zuvor kürte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences den damals 34jährigen Denzel Washington zum besten Nebendarsteller für seine Rolle als Soldat im Bürgerkriegsdrama "Glory". Und um die Oscar-Statistik der beiden Darsteller zu vervollständigen: Washington war noch weitere drei Mal nominiert.
Zeit aber, endlich zu schreiben, was die beiden denn aktuell spielen und wieso uns dieser Film so viel Aufmerksamkeit wert ist: Die Cadaver Connection war in den 1960er Jahren eine berüchtigte Drogendealerbande, die ihre Ware auf spektakuläre Weise ins Land und anschließend in Harlem unter die Leute brachten, in den Särgen der in Vietnam gefallenen Soldaten. Eine Geschichte, die nahezu nach Verfilmung schreit.
Nach langen Anläufen hat Ridley Scott nun endlich das Werk vollbracht. An seiner Seite die ausführlich benannten, gestandenen Darsteller Denzel Washington und Russell CroweRussell Crowe. Ein episch breites Werk ist dabei entstanden. Scott kann es! Die parallel erzählten Geschichten von Jäger und Gejagtem verfügen über Spannung. Gutes Schauspiel bekommt man zu sehen, und das nicht nur von den beiden Hauptakteuren, sondern bis in die kleinsten Nebenrollen. "American Gangster" ist ausgesprochen gut fotografiert und zeichnet die Zeit stimmig nach. Ein selten gelungener Streifen, der den Vergleich zu den großen Vorwerken wie "Der Pate" oder "Die Unbestechlichen" nicht scheuen muss. Einer der Glücksfälle des amerikanischen Kinos, von dessen drei Stunden Länge sich keiner abschrecken lassen sollte!
Es wurde Zeit, dass sich die Arbeitswege der drei endlich einmal trafen. Und es hat sich gelohnt!

PS. 1: Russell Crowe wird diesen Monat gleich noch einmal zu sehen sein, nämlich im "Todeszug in Yuma", in dem er den berüchtigten Banditen und Outlaw Ben Wade spielt, der bei einem Postkutschenüberfall alle Denzel WashingtonReisenden erschießt. Einzig ein Kopfgeldjäger überlebt. Und der bringt den Bösewicht später zur Strecke. Also auch da reichlich Crowe für die Fans. Und wer weiß, vielleicht hat er dann im Januar auch gleich zwei Eisen im Feuer, wenn es in Los Angeles an die Nominierungen für die Goldenen Jungs geht? Doch wie gesagt: Die Konkurrenz aus dem eigenen Lager ist stark!
PS. 2: Denzel Washington wiederum hat bis dato mit Regisseur Ridley Scotts Bruder Tony bereits mehrfach zusammen gearbeitet, bei "Man on Fire", "Crimson Tide" sowie bei "Deja Vu". Und sie planen ihrerseits für die kommende Saison das Remake des Kult-Thrillers von Joseph Sargent "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123" - im Original spielten da Walter Matthau und Robert Shaw die Hauptrollen.
 
Wort: Carola Kinzel / Bild: Universal