| Bobo In White Wooden Houses |
Das
doppelte Comeback
Bobo In White Wooden Houses aus Halle, die Band um die schrecklich
sympathische Sängerin Christiane "Bobo" Hebold gehörte Anfang der 90er Jahre zu
den größten Hoffnungen des hiesigen Pop.
Die beiden ersten Alben ließen Großes ahnen, zumal die internationale Welle der
Singer/Songwriterinnen um diese Zeit gerade langsam an Fahrt gewann.
Folgerichtig wechselte Bobo nach Berlin, veröffentlichte für Motor Music zwei
Alben - und schien dann plötzlich in der Versenkung verschwunden zu sein. Ihre
Band löste sich auf, ein neues Projekt scheiterte zu Beginn des neuen
Jahrtausends grandios: "Wir haben drei Jahre gewerkelt, viel Zeit und Geld
verbrannt", bestätigt Bobo im Gespräch mit BLITZ!-Redakteur Frodo Wawrzyniak,
"das Album ist dann aber nicht veröffentlicht worden. Ich habe eine Weile
gebraucht, mich von dieser Enttäuschung zu erholen."
Es gab eine Reihe künstlerisch hochinteressanter Projekte, die aber keinen
größeren Interessentenkreis erreichten. Im vorigen Jahr war Bobo dann wieder
häufiger auf den diversen Bühnen zu erleben; begleitet von neuen Musikern
brachte sie ein Programm mit alten Texten und (Volks-)Liedern unter dem Titel
"Lieder von Liebe und Tod". "Die Idee, Volkslieder einmal auf eine ganz andere
Art und Weise zu vertonen, spukte schon lange in meinem Kopf herum", erläutert
die Wahlberlinerin und erzählt, wie sie zur neuen Band kam: "In Halle, im Objekt
5, habe ich eines Tages Sebastian Herzfeld wieder getroffen, mit dem ich vor
zehn Jahren mal in einer Jazzband gespielt hatte. Er hatte einen Text von
Eichendorff vertont - und ich wusste sofort, dass er genau der Richtige für mein
Projekt war. Auf dem Album sind etwa zur Hälfte neue Arrangements von bekannten
Volksliedern und zur Hälfte Kompositionen von Sebastian. Zu Texten von Goethe,
Eichendorff und anderen."
In diesem Jahr erschien sie endlich, diese CD. Doch das war noch nicht alles.
War vorher lange Zeit gar nichts von Bobo zu hören, so mussten es 2007 gleich
zwei Alben sein. Denn unter Bobo In White Wooden Houses hat sich eine neue Band
ganz im frühen Bobo-Stil formiert, eine Band, die ebenfalls mit einem Album
debütierte: Wenn's einmal läuft ...
Bobo erklärt: "Ich hatte Angebote für Festivals und suchte mir einige gute
Musiker zur Begleitung. Mit Thimo Sander hatte ich früher schon
zusammengearbeitet. Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Wir mussten nur drei
Tage proben, dann saß das ganze Programm. Es war ein angenehmes Arbeiten. Sie
akzeptierten meine Songs, da gab es nicht das demokratische Hickhack wie in
einer Band, wo über jedes Detail endlos gestritten wird. Wir haben ein paar
schöne Konzerte gespielt - und ich habe den Schwung gleich für die Platte
genutzt."
"Mental Radio" heißt das gute Stück und enthält Bobo-Songs reinsten Wassers. Nur
der Inhalt zählt, keine technischer Filefanz. "Wir haben das Album so richtig im
alten Stil aufgenommen", erläutert Bobo. "Das war im Saal 4 der Rundfunkstudios
in der Berliner Nalepastraße. Wir standen gleichzeitig im Studio und haben die
Lieder gemeinsam live eingespielt. Später haben ein paar Gastmusiker bei Thimo
im Studio ihre Parts hinzugefügt." Das ist die alte Schule, da weiß man, was man
hat.
Weiß das aber auch der Konzertbesucher, wenn er auf einem Plakat von Bobo liest?
Erwartet ihn dann ein Volksliederabend, eine Singer/Songwriter-Performance oder
ein Mix aus beidem? Bobo winkt ab: "Kein Mix, um Himmels Willen! Wir trennen das
streng. Beide Projekte sind einfach zu verschieden. Wenn wir die Lieder von der
Liebe und vom Tod spielen, dann brauchen wir Klavier, Saxofon und eine
Bassklarinette - so sollen diese Lieder klingen. Mit Gitarre, so wie wir die
Mental-Radio-Songs performen, wirkt das Ganze nicht. Das klingt dann so, wie es
alle erwarten würden - und genau so soll es eben nicht klingen!"
Also ist Bobo derzeit doppelt unterwegs. Im Herbst soll zusätzlich gemeinsam mit
Ulla Meinecke ein Programm mit deutschen Liedern aus allen Epochen entstehen.
Bobos Terminkalender ist randvoll - wer eines der Mental-Radio-Konzerte erleben
will, sollte sich beeilen!
www.bobo-in-white-wooden-houses.de
Termine:
01.11. Leipzig, Moritzbastei
02.11. Dresden, Lukaskirche
03.11. Rudolstadt, Saalgärten
30.11. Erfurt, Museumskeller
01.12. Jena, Fiddlers Green
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| Wort: F.W. / Bild: P.D. |
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