Gentleman

GentlemanReggae boomt in alle Richtungen

Er hat's geschafft! Es gibt seit Jahren eine verblüffend breite und qualitativ hochwertige Reggae-Szene in diesem Land, obwohl man "dem Deutschen" diesen unerhört groovigen Sound irgendwie nicht zutrauen möchte, diese rhythmische Leichtigkeit, die so schwer zu machen ist und ein tief sitzendes Feeling erfordert.


Aber seit Jahren hat sich da etwas entwickelt, getragen natürlich auch - nicht nur! - von Musikern mit dem berühmten Migrationshintergrund, das zu einer breiten Szene mit Crossover-Tendenzen in Richtung HipHop, Weltmusik und Pop geworden sind. Von Dr. Ring Ding bis hin zu Seeed und den Ohrbooten, von Fettes Brot bis Jan Delay - da ist überall eine Menge Reggae drin. Ob Dancehall oder Roots, ob in Englisch oder raplastig in Deutsch - die Szene boomt in alle Richtungen.
Aber einer überragt sie alle, einer hat's wirklich geschafft: Gentleman ist ein Musiker, der in Köln ebenso zu Hause ist wie in Kingston auf Jamaika. Seine Platten entstehen hier und in der Karibik, er ist in die dortige Community integriert, die Alben strotzen nur so vor Gastbeiträgen von der Reggae-Insel, auf der die Roots liegen. Das heißt auch, dass er Teil der weltweiten Reggae-Bewegung ist, ganz ohne rheinischen Exotenbonus. Nur durch seine Musik, trotz Kinnbartes und ohne Rastalocken.
Sein aktuelles Album, das vierte, heißt "Another Intensity" und es erscheint gleichzeitig in 16 Ländern. Nicht nur in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten und Japan. Der Boden ist gut vorbereitet, mit seinem Erfolgsalbum "Confidence" aus dem Jahr 2004 war er tatsächlich rund um die ganze Welt unterwegs.
Interessant für unsere Breiten: Seine bewährte Backing-Kapelle heißt Far East Band. Und sie kommt tatsächlich aus dem tiefen Osten: Vor zehn Jahren hat sich in Leipzig auf Initiative der einheimischen Reggae-Helden Messer Banzani ein Konglomerat aus ebenjener Band und den gleichfalls ziemlich heißen Ostberlinern von Michele Baresi gebildet (beide Bands waren schon vor der Wende aktiv und im Underground schwer angesagt). Ziel war es, den Solo-MCs eine perfekt funktionierende Begleitband anzubieten. Die Far East Band war als Backing-Truppe für Leute wie Tolga, Nosliw oder Nikitaman unterwegs. Bald wurden Künstler aus Jamaika auf sie aufmerksam - und Ende 2001 auch Gentleman. Sein zweites Album "Journey To Jah" stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Veröffentlichung - sie haben den Erfolgszug des Kölner Musikers um die Welt musikalisch begleitet! Die geografische Erfolgsachse von Gentleman ist also eigentlich ein Dreieck: Köln - Leipzig - Kingston.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf begrüßen wir den Gentleman des Reggae besonders herzlich in Sachsen.


Termine:
03.11. Dresden, Alter Schlachthof
05.11. Leipzig, Haus Auensee
 
Wort: Frodo Wawrzyniak / Bild: P.D.