Henry Nowak

Henry NowakQuerdenker im Mainstream-Radio

Wenn Henry Nowak glücklich ist, hüpft er durchs Zimmer; wenn er traurig ist, bestellt er roten Martini, sein "Glücksgetränk".


Dazwischen liegen Fragen: Was passiert mit Toilettenabfällen im Flugzeug? Was passiert beim trunkenen Autofahren? Was passiert mit einem Dresdner Blockkind, das mit zehn, auf dem Bett sitzend, seine ersten Dates kommentiert und mit 16 jede Woche eine eigene Top 100 zusammenstellt? Es wird bestimmt nicht in der Bank bleiben: "Schon nach einem Monat wusste ich, dass die Ausbildung in Meißen komplett das Falsche ist - aber ich hab sie durchgezogen." Er sei zu locker fürs Banker-Leben, wurde angemahnt.
"Der Entertainment-Faktor war einfach zu hoch", kommentiert der 27jährige grinsend. Denn im Sommermedienlager 2003 kam die Initialzündung: "Ich hatte irre Spaß, alle haben gesagt: Junge, du musst zum Radio!" Im Herbst schrieb er sich an der Uni Leipzig ein, aber nach vier Semestern "zu viel Theorie" musste etwas passieren: Henry bewarb sich bundesweit für Praktika: Energy meldete sich und bald war klar: "Im Radio bin ich zu Hause." Es folgten "vier Monate Vollgas", in denen er die Freiheiten der "Energy-Spielwiese" nutzte und sich ausprobierte. Als der nächste Volontariatsplatz frei wurde, war Henry drin - als Sidekick von Freddy in der Morningshow. Und: Als Querdenker in einem Mainstream-Radio. Henry will etwas bewegen, Leute erreichen, ihnen etwas bieten, Neues zeigen. Er stellte PC-Spiele vor und Bücher, schuf neue Rubriken, erkundete Trends, forschte (etwa nach Flugzeugtoiletten) und machte Beiträge (u.a. über Alkohol am Steuer). Sein Herz gehört der Musik, 24 Stunden am Tag sucht er Spannendes, Alternatives. "Wenn ich besser singen könnte, wäre ich Musiker geworden." Henry will nicht "der Star auf den Plakaten", sondern mit sich zufrieden sein, gut arbeiten und sich weiterentwickeln: "Stillstand ist der Tod." Das gelte auch für das Radio, was sich in der Zukunft gegen I-Pod und Internet neu behaupten werden müsse - wichtig seien Mut und neue Blickwinkel. Für seinen Selbstversuch des "betrunkenen Autofahrens auf dem ADAC-Testgelände", an- und abmoderiert von Freddy, bekamen die beiden den Mitteldeutschen Hörfunkpreis: Das erste Mal für Energy und ein perfekter Volontariatsabschluss für Henry. Im September wurde er übernommen, moderiert nun samstags die Hitparade, ist aktiv als Außenreporter und macht das Videoprojekt "Schrutz". Forschen muss jetzt jemand anders. Einige Fragen sind ja beantwortet: Was passiert mit Abfällen auf Flugzeugtoiletten? Sie werden gesammelt. Was gibt es, wenn Henry ein paar Tage nicht am Mikrofon sitzt? Roten Martini.
 
Wort: Katrin Merten / Bild: ELC