| Von Löwen und Lämmern |
Drei
scheinbar nicht zusammenhängende Geschichten
In den USA ticken die Uhren ein bisschen anders. Während bei uns in Europa
eigentlich kaum noch jemand Tom Cruise sehen mag, wegen seiner Mitgliedschaft
bei Scientology, stellt ein von jeglichem Verdacht in dieser Richtung freier und
politisch eher links einzuordnender Mann Cruise vor die Kameras - für einen
politisch brisanten Film!
Immerhin gehört Cruise neben Leuten wie Steven Spielberg zu denjenigen, die
Präsident George W. Bush einst Glauben schenkten und ihn unterstützten, als er
von den angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak sprach und davon, dass man
da eingreifen müsse. Was bekanntlich zum inzwischen weltweit verachteten
Engagement der Amerikaner im Zweistromland führte.
Das vermag der Amerikaner (wir wissen: den Amerikaner an sich gibt es nicht, wie
es den Deutschen an sich ja auch nicht gibt) wohl zu trennen. Da ist man auf der
anderen Seite des Großen Teiches ein wenig toleranter. Und Robert Redford ist
wohl sowieso ein Musterbeispiel an Toleranz. Redford hat mal wieder einen Film
gedreht und hochinteressant besetzt. In "Von Löwen und Lämmern" spielen
ebensolche Seite an Seite: Der große Meister höchstpersönlich, Meryl Streep, die
ihr Privatleben absolut nicht in die Öffentlichkeit trägt, und Tom Cruise, der
Träger der 2006er Goldenen Himbeere für die nervigste Zielscheibe der
Klatschpresse. Damit genug erst einmal zu Letztgenanntem. Widmen wir uns dem
Film.
Es
handelt sich mal wieder um einen Episodenstreifen. Drei scheinbar nicht
zusammenhängende Geschichten kommen einander immer näher und offenbaren am Ende,
wie eng die Schicksale der im Film agierenden Personen miteinander und mit dem
Weltgeschehen verwoben sind. Am Anfang begegnen wir den beiden strebsamen
Studenten Ernest (dargestellt von Michael Peña; wir konnten ihn gerade erst in
Oliver Stones "World Trade Center" sehen) und Arian (den spielt Derek Luke; in
"Catch a Fire" war er der Arbeiter, der unter Verdacht geriet, ein Attentat
begangen zu haben), die die Aufforderung ihres Professors, im Leben etwas
Bedeutendes zu leisten, zum Anlass nehmen, sich freiwillig für einen
Afghanistan-Einsatz zu melden. Als das ihr Professor Dr. Malley (gespielt von
Robert Redford) erfährt, ist er zugleich bewegt und bestürzt. Er verlässt die
Uni. Die beiden jungen Männer werden mit ihrem soldatischen Einsatz, während dem
sie am Hindukusch um ihr nacktes Überleben kämpfen, nun zum Bindeglied für die
beiden weiteren anscheinend nicht zusammenhängenden Episoden.
Die eine spielt an der Westküste der USA, in Kalifornien, wo der Professor sich
inzwischen eines Studenten annimmt, der jeglichen Enthusiasmus vermissen lässt,
weil er ihn als Sohn aus privilegiertem Hause nicht
nötig zu haben meint. Die dritte Episode wiederum spielt in Washington, wo ein
machtgeiler und skrupelloser Senator und potenzieller Präsidentschaftskandidat
(hier kommt Tom Cruise ins Spiel) eine ehrgeizige Journalistin (Man ahnt es:
Meryl Streep hat diesen Part übernommen) mit einer brisanten Story zu
manipulieren versucht. Mit jener neuen Sicherheitsstrategie könnte allerdings
das Schicksal der beiden freiwilligen Soldaten besiegelt werden.
Regisseur Robert Redford stellt sich mit dieser spannenden Geschichte politisch
brisanten Fragen nach der persönlichen Verantwortung für einen Krieg, der
Verflechtung von Politik und Medien und der Konsequenzen von Kriegseinsätzen.
Nicht das erste Mal stellt sich dieser Mann solch brisanten Themen. Und das
nicht erst, seit George W. Bush, gegen den er sich offen bekennt, die
Präsidentschaft der Vereinigten Staaten übernommen hat. Redford mit dem Image
des unwiderstehlichen Liebhabers mit dem Jenseits-von-Afrika-Image abzutun, wäre
nahezu frevelhaft. Da waren schon einige Filme zuvor, in denen es nicht nur um
Liebe und Kariere ging. Erinnert sei an Streifen wie "The Way We Were" (in der
BRD betitelt mit "So wie wir waren", der DDR-Verleih nannte den Film "Jene Jahre
in Hollywood"), in dem er an der Seite von Barbra Streisand einen jungen
Studenten aus reichem Haus spielt, der sich in die kämpferische Marxistin Katie
verliebt. Später, als sie ein Paar sind, wird Katie Opfer der McCarthy-Gesetze.
Der ehemalige Student jedoch versteht es sich durchzulavieren.
Jahre später produziert Redford selbst und nimmt sich unter anderem in "Die
Unbestechlichen" sehr engagiert der Watergate-Affaire an. Seine erste
Regiearbeit war das Sozialdrama "Eine ganz normale Familie", mit der er gleich
einen Oscar für die Regie gewann. Der Film bekam drei weitere Oscars, u.a. als
Bester Film des Jahres 1980. Man könnte auch noch "Havanna" anführen oder
"Milagro - Der Krieg im Bohnenfeld". Der inzwischen 71jährige Redford setzt sich
zudem nach wie vor für den Filmnachwuchs ein und steht als Gründer des
renommierten Sundance Filmfestivals für unabhängige Filmproduktionen. Außerdem
engagiert er sich für den Naturschutz.
Trotzdem sei "Jenseits von Afrika" noch einmal genannt. Schließlich spielten
Redford und die Streep damals schon gemeinsam die Hauptrollen. Sie wurde für die
Rolle gar für einen Oscar nominiert - eine von insgesamt 14 Nominierungen. Das
ist und bleibt Rekord. Zweimal bekam sie die begehrte Trophäe. Zuletzt für ihr
unbeschreibliches Spiel in
"Der Teufel trägt Prada". Die attraktive 58jährige
verkörperte eine eiskalte, machtgierige Chefredakteurin. Böse Zungen behaupten,
dass man sie ganz bewusst nach ihrem Äußeren ausgewählt habe und eine gewisse
Ähnlichkeit mit Hillary Clinton beabsichtigt gewesen sei. Mit attraktiven Frauen
an der Macht hat man es in den USA noch nicht so richtig.
Meryl Streep hat
eine wunderbare Erklärung zu dieser Rolle abgeliefert: "Für Regisseur David
Frankel ist es ein Film über einen teuflischen Boss. Für mich ist es ein Film
über eine Frau an der Spitze einer Firma, eine missverstandene Frau unter
enormem Erfolgsdruck, die für nette Spielchen keine Zeit hat. Sie spielt andere
Spielchen, nämlich solche, die sie in ihren Geschäften weiterbringen."
Und in einer anderen Rolle in Robert Altmans letztem Film "Last Radio Show"
sieht die Streep ihr Mitwirken auch als ein politisches Anliegen, schätzt den
demokratischen Kampfgeist des Radiosenders, um den es im Film geht: "Das
Interessante daran ist, dass er durch seine Musik die Herzen der Menschen
erreicht. Und langsam erreichen seine politischen Botschaften auch das Hirn. Er
ist damit ziemlich subversiv."
Überhaupt spricht sie sehr offen über ihre politischen Ansichten, meint
beispielsweise: "Beinahe alle Regierungen der 'zivilisierten' Welt werden von
dem unglaublichen Einfluss des Geldes untergraben."
Man darf also gespannt sein auf dieses ganz eigene Dreigestirn Redford, Streep
und Cruise im Politthriller "Von Löwen und Lämmern".
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| Wort: Carola Kinzel / Bild: 20th Century Fox |
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