Vorsicht Thiel!

ThielNichtraucherstadion - was soll das?

Normalerweise sollte man eine Kolumne nicht nutzen, um private Gefühle öffentlich zu machen. Dafür gibt es das Privatfernsehen. Aber in diesem Fall muss ich mich offenbaren!


Endlich hatte man im Fernsehen den Mut, einen Menschen mit Leseschwäche etwas lesen zu lassen (Nein, das wird nichts über Edmund Stoiber!). Natürlich gelang dem armen Kerl nicht alles, zumal seine Aufregung vor so viel Publikum bei der "Goldenen Henne" groß war. Besonders gefreut hat mich, dass unser MDR diese Vorreiterrolle übernahm und dem Hansi Hinterseer die Möglichkeit gab, trotz seiner Behinderung eine Laudatio auf Marianne und Michael vorzutragen. Man darf nicht vergessen, der Hansi war mal ein Weltklasse-Skiläufer, ist heute ein Weltklasse-Volksmusikant und "fesch schaut der Bua a aus" - warum sollte er lesen können? Anfangs hat es der Hansi darum ohne Zettel versucht, quasi aus dem Kopf, der Marianne und dem Michael zu sagen, wie toll er sie findet und dass sie die "Henne" so richtig verdient haben. Aber der Kopf war leider leer und so fiel ihm nach wenigen Worten nicht mehr ein, was er sagen wollte. Also nahm er mutig einen vorbereiteten Zettel aus dem Jackett, um vom Blatt zu lesen, dass er Marianne und Michael toll findet und sie die "Henne" so richtig verdient haben. Dummerweise schlug da sein Leiden zu und er wusste nicht mehr, ob er Michael verdient hatte, weil er die "Henne" so gut fand und darum Marianne bekommt. Es war rührend und dramatisch zugleich anzusehen, wie dieses Musik- und Schauspielgenie mit Worten rang, die auf seinem Papier standen, aber vom Teufel oder Achim Mentzel vertauscht wurden. Er setzte mehrmals (!) an zu lesen, aber es misslang, so dass er dieses Experiment aus der Welt der Wunder abbrach und die Marianne und den Michael einfach auf die Bühne rief. Durch den Tränenschleier meiner verweinten Augen sah ich noch, wie Hansi den beiden mit letzter Kraft die "Henne" hinknallte, als wäre es eine Maß auf der Wiesn. So kumpelhaft nämlich. Als dann Marianne total überrascht war und sich für diese (nicht) gehaltene Laudatio beim Hansi bedankte, da wurde mir klar, denen geht es nicht besser. Ich stelle nie mehr die Frage, warum die Prominenz aus dem Bayrischen-Rundfunk-Sendegebiet im MDR die Sendezeiten blockiert. Hätte ich geahnt, mit welchen Problemen die sich rumschlagen müssen. Andererseits erklärt das ein gewisses Niveau. Allerdings, wenn man den Hansi so dauergrinsen sieht, könnte man meinen, er kann sich eine Karriere ohne Skifahren vorstellen, aber nicht ohne Schnee.
Apropos Schnee: Völlig bekifft ist man wahrscheinlich auch beim FC Energie Cottbus. Die hatten einen Trainer, den die Kollegen, Spieler und Fans gut fanden und der auch Erfolg hatte. Sein Problem war der einzige Laie im Fußballverein, der Präsident. Der kann wahrscheinlich eine Trainerbank nicht von einer Sonnenbank unterscheiden, aber begründet den Rauswurf von Petrik Sander mit sportlichen Dingen. Doch das war gelogen, denn es waren sprachliche Gründe! Ein Verein, dem es nicht gelingen kann, elf deutsche Profis auf den Platz zu stellen, weil er sie nicht hat, muss natürlich reagieren und einen Trainer aus dem Sprachraum der Mannschaft holen, aus Osteuropa. Mir tut es für die Fans leid, aber mit Selbstdarstellern im Präsidium, die glauben, der Fußballverein gehöre ihnen persönlich, kann man nichts gewinnen. Wir treffen uns nächstes Jahr in der Harbig-Ruine! Allerdings könnte es sein, dass ich nicht viel vom Spiel sehen werde, da nächstes Jahr das Nichtrauchergesetz in Sachsen zuschlägt. Ehrlich gesagt, habe ich kein Problem damit. Nur, der Brüller ist dabei das Rauchverbot in Stadien! Zum Glück hat Dresden immer noch keins. (Wann ist eigentlich das nächste Giraffen-Abschiedsspiel?) Nichtraucherstadion - was soll das? Wird man verhaftet, wenn man Sonntag früh bei Turbine oder so mit zehn anderen Stadtliga-Fanatikern am Spielfeldrand steht und eine ballert? Gibt es dann Raucherinseln? Wird die Halbzeitpause verlängert, bis alle aufgeraucht haben? Irgendwie habe ich in Deutschland das Gefühl, ständig beschützt zu werden - auch wenn ich gar nicht will. Der eine will mich im Hooligan-Block vor Nikotin bewahren und ein anderer will mich vom Himmel schießen, um mich vor Terroranschlägen zu schützen. Noch ein anderer will ungehindert meinen Rechner hacken, falls ich konvertieren möchten würde oder so. Andererseits hätten die kein Problem damit, geriete ich später in die Obhut deutscher Pflegeheime. Und da ist die Lebensgefahr nicht nur abstrakt! Was haben die Innenminister Buttolo und Schäuble gemeinsam? Sie warnen vor einer Bedrohung, die es nicht wirklich gibt. Das wäre normal, wenn sie in der Klapper wären. Sind sie aber nicht! Sachsens Innenminister Buttolo hat vor kurzem vor einem massiven Gegenschlag der Mafia in Sachsen gewarnt. Kurz darauf erklärte man ihm, dass es gar keine Mafia in Sachsen gibt. Okay, in Duisburg auch nicht mehr. Bei Schäuble ist die Farce noch größer. Der schaffte es, in einer Rede zu sagen: Der terroristische Atomschlag steht bevor. Und gleich hinterher: Aber das ist kein Problem.
Kein Grund zur Panik, wegen so einem atomaren Anschlag vermutlich mitten in Deutschland und in vielen Großstädten zugleich, ohne Vorwarnung, mit der mehrfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe und das zur Hauptverkehrszeit. Bitte nicht unruhig werden, der Innenminister wollte das Thema nur mal sachlich angehen - damit die Überraschung dann nicht so groß ist. Ganz ehrlich, da passt ein sinngemäßer Stoiber, der mir übrigens jetzt schon fehlt: Unsere Politiker machen nicht nur leere Versprechungen - sie halten sich auch daran!
Danke für nichts!
Ciao, Euer Mario
 
Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade