Schwarz in Afrika

GuineaUnterwegs im Auftrag des Herrn

Hauptwohnsitz Télimélé steht im Pass. Doch Romy und Heiko Schwarz sind keine Abenteurer oder Auswanderer, sondern Entwicklungs-helfer im westafrikanischen Guinea.


Die beiden Hallenser sind seit August 2002 für die Organisation Christliche Fachkräfte International (CFI) vor Ort, haben ihren Sommerurlaub - wie immer - in der Heimat verbracht und ein Buch veröffentlicht. "Keine bleibenden Schäden" heißt das und erzählt amüsant und informativ vom Leben der beiden Portos (Weißen) in der afrikanischen Provinz.
Und was machen die Weißen mit Nachnamen Schwarz dort, in einem Dorf nahe der 14.000 Einwohner zählenden Stadt Télimélé? Zunächst haben sie Mikroprojekte angeschoben, sich mit Seifenproduktion ("Funktioniert seit Jahren!"), Hühner- und Schafzucht beschäftigt, aber auch ein kleines Telefon-Center auf die Beine gestellt.
"Vorhandenes fördern und ausbauen", ist die Devise. Und: "Das Vorhandene wirtschaftlicher und langfristiger zu gestalten." Denn in Guinea lebten viele von der Hand in den Mund, erklären Romy und Heiko. Nach Erfolgen und Rückschritten stellten die beiden fest, dass ihre Projekte "nur Tropfen auf den heißen Stein" sind. Sie änderten die Ausrichtung ihrer Tätigkeit und Guineaarbeiten seitdem hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen.
Die Situation in der ehemaligen französischen Kolonie ist geprägt von Landflucht. Vor allem junge Menschen zieht es in die Hauptstadt Conakry - und von dort nach Europa. Der Traumjob fast aller männlichen Teenager, so Heiko, sei, Fußballprofi in Frankreich oder Deutschland zu werden (wie beispielsweise Pablo Demba Thiam, der beim VfL Wolfsburg unter Vertrag ist). Was setzen Schwarz & Schwarz entgegen? Ein Studiencenter in Télimélé! Ein Zentrum für Computerschulungen, Sprachschulungen und Horizonterweiterung. "Wir wollen Kreativität rauskitzeln", sagen Romy und Heiko. Die Einrichtung werde "unheimlich genutzt".
Als Ostdeutsche können die Eheleute Schwarz Parallelen ziehen. Landflucht ist hier wie dort ein Thema. "Es fehlt an Hoffnung und Visionen", meint Heiko und verrät auf die Heimat bezogen: "Meine Freunde aus Halle sind zu 80 Prozent in die alten Bundesländer gegangen."
Das Center in Télimélé hält Kinder und Jugendliche in der Stadt, junge Guineer, die sonst von ihren Eltern in die Hauptstadt auf dortige Schulen geschickt worden und somit weggewesen wären. "Man braucht eine Perspektive, dann bleibt man auch." Die Entwicklungshelfer haben Hoffnungslosigkeit bereits hierzulande kennengelernt, allerdings ebenso Freunde, die bewusst in Halle bleiben, "um dort etwas zu machen und Visionen zu verwirklichen".Guinea
Romy und Heiko hingegen bleiben voraussichtlich bis 2012 in Guinea. Sie haben auch schon darüber nachgedacht, sich endgültig dort niederzulassen. Für die Rückkehr sprechen die Bindungen zu Freunden und den Familien in der Heimat. Romy denkt "dekadisch", meint, man solle nach jeweils zehn Jahren etwas anderes machen, "um nicht zu versacken". Einen kommenden Lebensabschnitt in Russland könne sich die 1975 geborene Krankenschwester und Erzieherin gut vorstellen.
Heiko, Jahrgang 1973, gesteht im oben erwähnten Buch: "Ich mag Reisen nicht" sowie "Ich wollte auch nie ins Ausland". Warum lebt er, der Architektur studierte und in Halle zufrieden an Trickfilmen arbeitete, dann jetzt in Afrika? Weil er - und Romy - "im Auftrag des Herrn unterwegs" sind. Ernsthaft. Wenngleich mit der Fähigkeit zur ironischen Brechung.
Über den Glauben kamen die beiden in Kontakt mit der CFI und wurden für fähig befunden. Heiko dachte, Romy könne in Guinea medizinisch oder pädagogisch tätig sein, und er wäre der mitausreisende Ehegatte. So kam es nicht ...
"Guinea ist für afrikanische Verhältnisse ein relativ reiches Land, keiner muss hungern", sagen die Auslandshallenser. Der westafrikanische Staat verfügt über Bodenschätze wie Bauxit, Eisenerz, Uran, Diamanten und Gold, "bis vor kurzem aber auch über eine korrupte Regierung". Seit diesem Jahr herrscht Hoffnung. Nach einer "Revolution von unten" ist eine neue Regierung an der Macht, die der Korruption den Kampf angesagt hat. Premierminister Lansana Kouyaté kam nach einem Generalstreik ins Amt.
Romy und Heiko verfolgen die Entwicklungen von Télimélé aus, sprechen inzwischen passabel Französisch sowie die einheimische Sprache Pular. Demnächst vielleicht auch Russisch ...

www.rhschwarz.de
www.christliche-fachkraefte.de 

Das Buch
"Keine bleibenden Schäden"
Verlag Concepcion Seidel
ISBN 978-3-933750-99-0

Das Land
Guinea
Fläche: 246.000 km² (Deutschland 357.000 km²)
Einwohner: 10 Millionen (Deutschland 82 Millionen)
 
Wort: Ernie Le Coq / Bild: Romy und Heiko Schwarz