| De/Visions "Noob" |
Neues
Album gegen alte Vorurteile
In Leipzig ging vor kurzem die Spielemesse Games Convention zu Ende. Erneut
mit einem Besucherrekord, der Markt brummt. Die Gamer sind längst eine Gemeinde
für sich. Mit eigenen Regeln, eigenen Riten, eigener Sprache. Ein Neuling ist da
leicht zu erkennen, die "Newbies" werden von den alten Hasen gern ein wenig auf
die Schippe genommen. Sie wehren sich mit dem abwertenden Begriff "Nerd" für
betriebs(system)blinde und lebensfremde Digitalisten mit rechteckigen Augen.
Seit kurzem gibt's im Szenesprech einen neuen Begriff für Frischling: Ein
solcher heißt jetzt "Noob". Und genau das ist auch der Titel des neuesten Album
der Berliner Synth-Popper De/Vision. Thomas Adam und Steffen Keth machen seit
1988 gemeinsam Musik. Damals haben die Jungs aus dem hessischen Benzheim (bei
Frankfurt) noch zu viert im Erfolgssog der deutschen Genre-Vorreiter Camouflage
begonnen, Musik im Stile von DeMo zu machen. Heute dürften sie diejenige Band
ihrer Riege sein, die am längsten kontinuierlich am Start ist.
Neulinge sind sie also ganz gewiss nicht. Und trotzdem war "Noob" für sie eine
neue Erfahrung: Sie haben die Duo-Besetzung beibehalten und sind trotzdem aus
ihr herausgetreten. Gemeinsam mit ihrem Produzenten-Team Schuhmann & Bach haben
sie das Album vom Songwriting über die Erarbeitung bis hin zu Aufnahme und
Mixing komplett im Vierer angewickelt. Fast wie bei einer "normalen" Rockband -
jedoch im Produktionsprozess etwas ganz anderes: Hier funktioniert Brainstorming
über DSL.
Erneut ist ein Werk entstanden, das sanften Electro-Pop mit eingängigen Melodien
und einem gewissen Hang zur Schwermut verbindet. Spätestens seit dem Album "Two"
aus dem Jahre 2001, mit dem sie sich nach dem Split quasi neu erfanden, ist
dieser Sound zu ihrem Markenzeichen geworden. Hartnäckig verfolgt sie jedoch
noch immer das von Beginn der 90er herrührende Vorurteil, sie seien lediglich
Depeche-Mode-Klone.
Steffen Keth stört sich an diesen (Fehl)Urteilen bis heute: "Wenn der Vergleich
mit DeMo dazu dient, uns einem Genre zuzuordnen - warum nicht. Wir bedienen
sicher eine ähnliche Stilistik. Wir fühlen uns in diesem Genre auch sehr wohl.
Aber diese Tatsache sollte uns doch nicht die Existenzberechtigung entziehen!
Oft wird so getan, als wären wir lediglich Plagiatoren. Uns wird damit
abgesprochen, eigenes Herzblut in unsere Musik zu stecken. Das wird unserer
Musik einfach nicht gerecht. Es tut manchmal weh, wenn Leute es derartig an
Respekt vor der Leistung anderer vermissen lassen - aber letztlich stellen sie
sich damit nur selbst ein Armutszeugnis aus."
Auf der Bühne präsentieren sich De/Vision ja schon einige Zeit als Quartett,
Schlagzeug und Gitarre liefern einfach mehr Druck. Diese Struktur existiert in
unterschiedlicher personeller Ausformung seit 2000, sie haben so live einfach
mehr Spaß. Wir werden uns davon auch im BLITZ!-Gebiet davon überzeugen können!
Termine:
22.09. Erfurt, HSD
27.09. Dresden, Röschenhof
02.10. Leipzig, Anker
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| Wort: Frodo Wawrzyniak / Bild: P.D. |
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