Robert Linke

Robert LinkeFeinkost, Flower-Power und Künstler

Mit seiner nigelnagel-neuen Agentur konTRAproduktiv "schwappt" Robert Linke gerade auf den Markt. Volly Tanner sprach mit ihm.


BLITZ!: Was unterscheidet Dein Unternehmen von den vielen anderen Kleinagenturen?
R.L.: Wenn wir das Ganze aus Perspektive des Marktes betrachten, nicht viel. Wir organisieren Veranstaltungen, vermitteln Künstlerinnen und Künstler, sind beratend tätig und versuchen dabei genug zu verdienen, um über die Runden zu kommen. Alles also Sachen, die die anderen auch machen. Der Unterschied wird erst deutlich, wenn man schaut, wie die Agentur entstanden ist und in welchem Umfeld sie aktiv ist. Ich selbst habe viele Jahre aktiv in Vereinen und Verbänden der - sagen wir mal - kreativen Jugendarbeit mitgewirkt. Ich war Chefredakteur des Jugendmagazins Sojus, Gründungsmitglied des Leipziger Hörspielsommers und aktiv bei der Jugendpresse Sachsen e.V., alles auch im direkten Umfeld des soziokulturellen Zentrums Villa angesiedelt. Bei dieser Arbeit merkt man schnell, dass es in unserer Gesellschaft nicht - wie so häufig prophezeit - an Ideen und Engagement fehlt. Vielmehr sind es fehlende, schlecht ausgebaute oder eben schlecht finanzierte Strukturen, die es Jugendlichen und kreativ Wirkenden erschweren, einfach mal loszulegen. Dies könnte man als Grundmotivation für die Gründung der Agentur konTRAproduktiv sehen: Eine Struktur zu schaffen, die es Anderen ermöglicht, sich auf ihr eigentliches Wirken zu konzentrieren. Mit dem Bewusstsein, dass sich nicht jede Veranstaltung rechnen kann und muss. Deshalb ist konTRAproduktiv nun auch auf dem Feinkostgelände sesshaft geworden.

BLITZ!: Was sind die ersten Highlights, womit überraschst Du die Szene?
R.L.: konTRAprdouktiv hat gerade drei wichtige Projekte. Zum einen alle Veranstaltungen, die ab September im Absturz stattfinden werden und meines Erachtens nach eine wichtige Grundlage des Feinkost-Kulturkonzepts darstellen. Zu empfehlen wären hier zum Beispiel die virtuosen Jungs von Matmatah aus Frankreich, die am 20. September bei uns aufspielen. Daneben kümmert sich konTRAproduktiv auch um die Newcomerstage im Flower-Power, bei der ab Oktober jeden Donnerstag eine junge Band ihr Können präsentieren soll und wo es natürlich um das Sammeln von Live-Erfahrung geht. Außerdem arbeite ich gerade an zwei Veranstaltungskonzepten, die die Wechselwirkung zwischen Künstlern und Auditorium in den Vordergrund stellen sollen - aber da darf ich leider noch nix dazu sagen.

BLITZ!: Monatelang raschelte es ja im Blätterwald zum Thema Feinkost. Wie siehst Du den weiteren Weg dieses Geländes? Wo geht's hin, mit Feinkost und konTRAproduktiv in Kooperation ...
R.L.: Feinkost in Kooperation mit konTRAproduktiv!? Das klingt süß! Ich bin mit meiner Agentur nur einer von vielen Genossenschaftlern, die mit viel Herzblut versuchen, das Gelände zu prägen. Die Entwicklung der Feinkost ist für die Südvorstadt sehr wichtig und auch eine große Chance, nachdem hier in den letzten Jahren sehr viel, auch kulturell, glattgebügelt wurde. Da jetzt aber die gröbsten Probleme endlich beseitigt sind, wird aus dem Gelände des ehemaligen VEB Feinkost wohl genau das, was die Genossenschaft den Leipzigerinnen und Leipzigern versprochen hat: Ein Zentrum für Kunst, Kultur und buntes Gewerbe - Lebensräume für Lebensträume.
www.kontraproduktiv.org
 
Wort: Volly Tanner  / Bild: Ernie Le Coq