| Die Vorahnung |
Von
München nach Hollywood
Mennan Yapo - den wenigsten wird dieser Name etwas sagen. Doch in Yapos Vita
taucht ein Film auf, dessen Bilder einem ganz schnell wieder in Erinnerung
kommen. Bilder, in denen Joachim Król unheimlich präsent ist - als
Auftragskiller. Bilder, die sehr ungewöhnlich wirkten. Erinnerungen an den
ersten Spielfilm dieses deutschen Filmmachers türkischer Abstammung. Titel:
"Lautlos". Ein äußerst passender Titel fanden die nicht gerade umwerfend vielen
Zuschauer damals.
Es gab in diesem Film Momente, während derer einem der Atem stockte, was nicht
nur am Geschehen auf der Leinwand lag, sondern vor allem daran, wie Regisseur
Yapo das Ganze in Szene gesetzt hatte.
Mit seinem Langfilmdebüt 2004 lud man ihn ins französische Cognac ein, zum
dortigen Filmfestival für Thriller und Krimis. Und er gewann auf Anhieb den
Hauptpreis! Der Jury stand kein Geringer als die US-Regie-Größe Joel Schumacher
vor (unter anderem hat der "Falling Down - Ein ganz normaler Tag" zu
verantworten sowie "Der Klient" und "Die Jury"). Sicher hat das dazu
beigetragen, dass Mennan
Yapo für seinen zweiten Spielfilm gleich nach Hollywood
geholt wurde. Immerhin sahen sich die Produzenten der "Vorahnung" 35 Regisseure
näher an. Sie suchten jemanden, der Atmosphäre schaffen und der Reales mit
Irrealem vermischen kann. "Lautlos" hatte sie unwahrscheinlich beeindruckt, von
der Besetzung bis hin zur Beleuchtung. "Das waren genau der Look und die
Atmosphäre, die wir uns für unseren Film wünschten" begründet Produzent Ashok
Amritraj. Und sein Kollege Sunil Perkash geht noch weiter: "Der Film wirkte
frisch, interessant und hatte Stil. Und fast noch wichtiger: Er wirkte nicht 'hollywoodisiert'."
Mennan Yapo wiederum begeisterte sich vor allem wohl für die nichtlineare
Struktur der Geschichte, die er als "eine technische als auch kreative
Herausforderung" empfand. Und dann stellte man ihm auch noch Sandra Bullock als
Hauptdarstellerin an die Seite. Das ist dann doch ein Name, den beinahe jeder
Kinogänger kennt. Sandra Bullock verkörpert in "Die Vorahnung" den
amerikanischen
Frauentraum schlechthin: Glücklich verheiratet mit der
Jugendliebe, zwei reizende Töchter, ein schickes Haus und und und. Bis es eines
Tages an ihrer Tür klingelt und ein Polizist mitteilen muss, dass ihr Mann bei
einem Autounfall tödlich verunglückt ist. Als die Frau am nächsten Morgen
aufwacht, steht ihr Mann allerdings wieder in der Küche?! Den Rätselhaften
spielt Julian McMahon, den man unter anderem aus "Fantastic Four" kennt.
Und das ist nicht das einzige, was der armen Frau passiert. Was ist Traum, was
Wirklichkeit? Ist das alles nur eine Vorahnung? Wer ist die Blondine auf der
Beerdigung? Hat sie ihrer Tochter wirklich die Stichverletzungen zugefügt?
Fragen über Fragen, aber die muss ein guter Thriller schließlich aufwerfen, um
das Publikum in seinem Bann zu halten.
Dem deutschen und
eigentlich noch immer unbekannten Regisseur gelang es mit
diesem Streifen, Sandra Bullock den besten Filmstart ihrer Karriere zu bereiten!
Was natürlich noch nichts über deren schauspielerische Leistung aussagt. Hat sie
sich im Laufe der letzten Jahre vor allem mit komödiantischen Rollen wie in
"Miss Undercover" oder Actionreichem wie "Speed" einen Namen gemacht, scheint
sie mit inzwischen über 40 doch das Ernsthaftere zu interessieren. Bereits in "L.A.
Crash" konnte man das erahnen ...
Vielleicht hat es Sandra Bullock aber auch gereizt, mal mit einem deutschen
Regisseur zu arbeiten, schließlich ist sie als Tochter einer deutschen
Opernsängerin in eine fränkische Waldorfschule gegangen. Yapo und Bullock sollen
am Set gern mal die Sprache gewechselt haben, obwohl die Aktrice ungern längere
Interviews auf deutsch gibt, da sie der Meinung ist, ihre Grammatik sei nicht so
gut. Schließlich ging Sandra im Alter von zwölf Jahren mit ihren Eltern nach
Amerika, die Heimat ihres Vaters, eines Gesangslehrers.

Mennan Yapo, der gebürtige Münchner mit den türkischen Eltern, folgte mit knapp
40 dem Ruf nach Hollywood. Seit seinem 22. Lebensjahr hat er sich in der
Filmbranche in so gut wie allen Bereichen umgetan, hat sich im Marketing und der
Pressearbeit bei verschiedenen Verleihern betätigt, tauchte als Nebendarsteller
in zwei durchaus beachteten Filmen auf - zum einen in Peter Grennaways
"Bettlektüre" und zum anderen in Wolfgang Beckers "Good Bye, Lenin!". Seit 1995
schreibt Yapo auch Drehbücher, sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Drei
Jahre später begann er seinen ersten Kurzfilm vorzubereiten, nachdem er für drei
andere Regisseure schon Kurzfilme produziert hatte. Für sein Erstlingswerk als
Regisseur holte er sich gleich vier deutsche Schauspielgrößen vor die Kamera:
Ulrich Matthes, Lisa Martinek, Götz Otto und Herbert Knaup. Das daraus
entstandene Produkt "Framed" wurde stehenden Fußes in vier Kategorien für den
deutschen Filmpreis nominiert.
Ob man ihn für "Die Vorahnung" auch für diverse Preise nominieren wird, sei
dahingestellt. Eine Tür in Hollywood hat sich ihm jedenfalls geöffnet. Und mit
einem Einspiel von 50 Millionen Dollar allein in den USA und ersten Plätzen in
den Kinohitlisten der Türkei und Spaniens braucht er sich nicht zu verstecken,
egal was die Kritiker sagen. Für die Produzenten zählt sowieso der Erfolg an der
Kasse. Man will ja schließlich weitermachen können. Und für den Regisseur ist
das genauso wichtig. Vor allem, wenn man wie Yapo, gerade eine eigene
Produktionsfirma gründet und schon wieder voll in einem neuen Filmstoff steckt.
Das wird "The Ambassador", und den realisiert er mit den Produzenten des
vielbeachteten Science-Fiction-Thrillers "Children of Men". Man wird wieder
hören von Mennan Yapo. Garantiert.
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| Wort: Carola Kinzel / Bild: Kinowelt |
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