| German Black Belt Open |
Im
Club der schwarzen Gürtel
Budôkas zogen einst mit Hose und Jacke bekleidet in die freie Natur, um dort
ihre Kampftechniken zu verbessern. Um die Jacke banden sie sich einen weißen
Gürtel, der nun beim steten Üben in Wald und Heide nicht lange weiß blieb.
Anfangs gelblich, dann orange, grün, blau und braun. Schließlich, nach einem
sehr langen und lehrreichen Lernabschnitt, war dieser Gürtel dann schwarz. Das
ist die Legende.
Am 29. September treffen sich die Schwarzgürtel, die wahren Meister asiatischer
Kampfkünste, in Halle, um sich anlässlich des 7. Deutschen Danträger-Turniers zu
vergleichen. "Einen schwarzen Gürtel tragen viele, nur die wenigsten haben ihn",
sagt Wladimir O. Dexbach (50) beinahe verächtlich. Und: "Dieser Wettkampf soll
nicht dazu dienen, irgendwelche Profilneurosen zu befriedigen."
Wladimir O. Dexbach ist Präsident des internationalen Shorai-Do-Kempo-Verbandes,
Begründer der German Black Belt Open und trägt einen rot-schwarzen Gürtel (7.
Dan Shorai-Do Kempo Ryu). Seine eigene Geschichte begann, als er zwölf Jahre alt
war, in einer Provinzboxschule im Nordkaukasus. Schnell wurde ihm Faustkampf zu
trivial, und mit 14 hörte er zum ersten Mal etwas von Karate. Die Tatsache, dass
Karate in all seinen Facetten als ideologie- und persönlichkeitsbildende
Kampfkunst verboten war, sorgte für zusätzlichen Reiz und Neugier. Mit 18 kam
Dexbach zum Militär - und man lese und staune: In der Sowjetarmee lehrte man
fernöstliche Kampfkunst, es ging um Nahkampf. Soldat Dexbach war fasziniert.
Nach Ableisten der Wehrpflicht übte er seine entfachte Leidenschaft im
Untergrund Moskaus und Leningrads. Dank seiner Hartnäckigkeit war es nur eine
Frage der Zeit, um die heimlich agierenden Kampkunst-Dojos ausfindig zu machen
und von ihnen aufgenommen zu werden. Das war sie, die große Zeit. 1979 erlaubte
man, Karate öffentlich zu pflegen. Ein Jahr darauf hieß es "Kommando zurück!",
der KGB schloss die Schulen, die Meister kamen hinter russische Gardinen. Bis
dato hatte Wladimir täglich zweimal trainiert, besaß den zweiten Dan, sowie
Kenntnisse und Techniken des Neko-Ryu-Karate-Do, der sogenannten Schule der
Katze.
Dazwischen blieb Zeit, ein Mädchen kennenzulernen, eines aus der DDR. Dieser
Liebe wegen kam Wladimir O. Dexbach 1982 nach Merseburg. Der künftige
Chemiearbeiter blieb seinem Karate in den Pausen treu und trainierte gegen
imaginäre Gegner, sogenanntes Kata. Ein Kollege verwies ihn an eine Sporthalle,
in der Karate unter dem Mantel der Verschwiegenheit trainiert wurde und als
Sektion Tischtennis eingetragen war. Denn auch die Stasi betrachtete den
Kampfsport mit Argwohn und der DTSB diesbezügliche Gruppenbildungen als illegal.
Nun, Dexbach erschien eines Tages zum Training und demonstrierte sein Können,
was den hiesigen Meister binnen Sekunden wieder zum Schüler machte und den
Neuhinzugekommenen zum Meister.
Später eröffnete Wladimir die Shorai-Do-Kempo-Schule und lehrt einen Kampfstil,
den er in den zurückliegenden Jahren aus den effektivsten Methoden
traditioneller Kampfkünste entwickelte. Vor sieben Jahren veranstaltete er mit
den Mitgliedern seines Dojos und seinem Mitstreiter Heinz Köhnen (9. Dan
Okinawa-Karate) die ersten German Black Belt Open. Für Wladimir O. Dexbach ist
das diesjährige siebente Turnier ein ganz besonderes, denn die Sieben ist die
Zahl der Tugenden der Samurai.
Zu dieser deutschlandweit einzigartigen Meisterschaft treten in der
Brandberge-Arena gut 50 würdige Meister verschiedener Kampfstile in vier
Disziplinen gegeneinander an. Im Kata, im Waffenkata, im Kumite, dem Zweikampf,
und im Bruchtest, in dem Kleinholz produziert wird. Die Wettkämpfe beginnen um
10 Uhr mit Unterstützung der Stadt Halle/Saale, von Lotto Sachsen-Anhalt und der
Eurasia Budô Academy.
www.shorai-do-kempo.com
Termin
29.09. Sporthalle Brandberge, Kreuzvorwerk 30
|
| Wort: Thomas Leibe / Bild: Thomas Leibe, P.D. |
|