Vorsicht Thiel!

ThielSind Sachsen clever?

Ein herrlicher Sommer geht zu Ende, sogar das Wetter war super. Das war so super, das Angie zum Sonnenbad nach Grönland geflogen ist.


Als man ihr sagte, dass bei der Hitze ganz nebenbei die Gletscher abschmelzen, wollte sie die Erfolgsmeldung gleich nach Hause simmsen: "Wetta supa - Trinkwassaprobleme der Zukunft jelöst!" Da sie nun weit weg war, besuchte ich derweil ihren Wahlkreis, um festzustellen, dass das Wetter dort nicht supa war, was ich der Kanzlerin aber nicht anlaste. Denn danach war ich in Bayern, gerade als der Himmel Tränen über Eddi Stoibers Abschied vergoss. Eigentlich schade, dass der Mann gehen muss, jetzt wo er auf dem Boden der Realität zurück ist. Er stellte völlig überraschend fest: "Ich bin ja auch ein Mensch." Aber vielleicht wollte er nur tiefstapeln, damit ein CSU-Groupie ruft: "Nein, Du bist Gott!" Egal, das Wetter war schlecht. Darum hieß es, statt am Strand zu liegen, Städte anschauen, und statt abends zu grillen, Dorfkneipe besuchen. Dabei hatte ich zwangsläufig Kontakt mit Eingeborenen - nein, es gab nicht auf die Fresse! Ich bin ja kein Inder, der in Mügeln auf Feste geht oder in Dresden Straßenbahn fährt. Juristisch handelte es sich in Mügeln nicht um eine Hetzjagd und war kein organisierter rechtsextremer Überfall. Da haben die Inder aber nochmal Glück gehabt. Übrigens: Ich stelle mir gerade vor, aus Mallorca käme eine Meldung, dass einige Dutzend Mallorquiner ein paar Deutsche verprügelt hätten, weil die sich nicht so benommen hatten, wie es sich die Mallorquiner wünschen, dass sich Deutsche benehmen sollten. Natürlich ist das praktisch unmöglich: Erstens benehmen sich Deutsche in Mallorca oftmals gar nicht, also auch nicht nach Wunsch. Und zweitens, werden die Einheimischen dort niemals in der Mehrzahl sein. Nicht, solange Mallorca uns gehört! Jedenfalls hatte ich das Glück, kein Inder zu sein, was in Indien schon wieder ganz anders gesehen wird, und kam darum mit den Einheimischen ins Gespräch. Dabei stellte ich fest, dass man uns Dresdner für ganz Ausgebuffte hält. Ohne erst drumherum zu quatschen, kamen die mit einem Grinsen zur Sache: "Na, das mit der Hufeisennase war ja schlau …" Die halten uns echt für clever, weil wir es mit dieser Fledermaus geschafft haben könnten, eventuell den Verlust des Welterbetitels zu verhindern. Im Rest der Welt interessiert sich nämlich keine Sau für die Brücke! Die hielten uns bisher für blöde, diesen Welterbetitel mit Absicht zu gefährden. Und nun halten die uns für clever! Egal, was ich sagte, die waren nicht davon abzubringen, dass wir Sachsen schlaue Füchse sind und auf elegante Art ein drohendes Problem abgewandt haben. Irgendwann gab ich das darum auf und sonnte mich im Glanze als Welterbeerhalter. Ich gehe mal davon aus, dass die seit kurzem nicht mehr alle Sachsen clever finden ... Jedenfalls nicht die Banker der SachsenLB. Der Banken-Skandal ist allein schon ungeheuerlich! Aber die Tatsache, dass es keinerlei Reue der Verantwortlichen gibt, geschweige denn Schuldeingeständnisse, ist der eigentliche Skandal. Okay, der Vorstand ist komplett gefeuert wurden, mit dem Hinweis: "Es werden keine Abfindungen gezahlt." Na, hoffentlich überleben die das. Natürlich ist auch der Finanzminister Horst Metz zurückgetreten (nicht entlassen), aber das war ja eine "persönliche Entscheidung". Wenn ich den Ministerpräsidenten richtig verstanden habe, ist der Finanzminister, wie eigentlich alle, am Fast-Bankrott der Landesbank unschuldig. Will man uns verarschen? Der Finanzminister ist wohl nicht für Finanzen zuständig? Und als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Bank wohl für gar nichts? Da haben Manager der Landesbank sich einfach mal mit dem Geld der Bürger (!) verzockt. "Entschuldigung, wir haben aus Versehen 250 Millionen Euro Miese gemacht … Kommt nicht wieder vor. Versprochen!" Kann das wahr sein? Nein, natürlich nicht! Es waren nämlich nicht nur 250 Millionen Euro Verlust, sondern viel mehr. Selbst als die Börse wackelte, haben die gesagt: "Kein Problem!", um kurz darauf zu fragen: "Können wir gerade mal eben 17 Milliarden Euro kriegen? Wir haben doch ein Problem. Aber nichts Großes." Als man die Milliarden hatte, rief man: "Alles gut." Um dann kurz darauf die Bank für einen Bruchteil ihres ehemaligen Wertes verkaufen zu müssen, was nun auch noch als Erfolgsmeldung verbreitet wird und wofür wir uns noch mal ganz herzlich bedanken möchten. Übrigens hat man auch noch verkündet: "Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sind sicher." Um kurz darauf zu ergänzen: "Aber nicht alle!" Unser Ministerpräsident Georg Milbradt, einer der "Väter" dieser Bank, ist darum auch einer der am schwersten Betroffenen: "Ich habe an Rücktritt gedacht." Na, und dann mit Denken aufgehört? Warum so plötzlich? Das ist fast wie bei einem Autofahrer, der gerade mit einer Schrottmühle, ohne TÜV, besoffen, nachts, ohne Licht eine alte Frau auf dem Fußweg angefahren hat und danach tieftraurig zu der alten Frau am Boden sagt: "Ich habe ernsthaft erwogen, deshalb meinen Führerschein abzugeben." Morgen werde ich zu meiner Bank gehen, und fragen, ob ich einen Kredit über ein paar Millionen Euro bekomme, damit ich mir Grundstücke in der Wüste Gobi kaufen kann. Meine Immobilien-Experten (alles Freunde und erstklassige Kenner der Szene, einer ist Elektriker, der andere Metzger) haben mir nämlich garantiert, dass Grundstücke in der Wüste Gobi ein supersicheres Wachstumsgeschäft sind. Als Bürgen werde ich das Land Sachsen einzusetzen. Nur für den Notfall. Falls was schiefgeht. Aber was soll schiefgehen? Sonnengarantie in einem exotischen Land und kaum Verkehr - wer will da nicht investieren? Vielleicht kaufe ich auch was in New Orleans? Direkt an der Küste ist da vor ein paar Jahren ganz viel frei geworden. Oder ganze Strandabschnitte in Bangladesch? Ihr haltet mich für bekloppt? Und was sind dann die Verantwortlichen der SachsenLB? Im Gegensatz zu denen spinne ich nämlich nur ein bisschen rum. Was haben diese Typen mit dem Radsport gemeinsam? Nichts! Radprofis müssen nämlich einen Ehrenkodex unterschreiben, dass sie akzeptieren, gefeuert zu werden und ein Jahresgehalt zurückzuzahlen, wenn man sie beim Betrügen erwischt. Davon abgesehen können erwischte Fahrer ihren Job eigentlich aufgeben … So gesehen ist die Tour de France, verglichen mit den Verantwortlichen des Bankenskandals, ein Treffen von Ehrenmännern!
Mit Übelkeit kämpfend,
Euer Mario
 
Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade