| Janine Bohn |
Über
die Architektur zum Puppenspiel
Es ist Freitagvormittag. Meine erstes Date mit Janine steht bevor. Die
Aufregung steigt. Pünktlich 10.30 Uhr steige ich vor ihrem Atelier in der
Erfurter Thälmannstraße vom Rad. Sie ist noch nicht da. Hoffentlich bekomme ich
keinen Korb. Nein, einen Korb bekomme ich nicht, sondern eine Korbin. Eine junge
Frau radelt auf mich zu: "Hallo, tut mir leid, dass ich etwas zu spät bin." Da
ist sie nun, Janine, meine Verabredung, die Frau aus dem kleinen Ort Korb.
Korb liegt in der Nähe von Stuttgart, im Remstal. 21 Jahre ihres Lebens
verbrachte Janine dort, die Landluft in der Nase, die Weinberge hinterm Haus.
Dann war es an der Zeit ,Stadtluft zu schnuppern. Erste Station: Ein Praktikum
am Staatstheater in Stuttgart. "Eigentlich wollte ich Architektur oder Freie
Malerei an der Kunstakademie in Stuttgart studieren, aber irgendwie hat das
nicht geklappt. Und durch mein Interesse für Architektur, Spiel und Malerei bin
ich zum Puppenspiel gekommen", so Janine.
So blieb Stuttgart im Rücken und Paris stand vor der Brust. Ein Dreivierteljahr
verbrachte sie 1995/96 in der schönsten Stadt der Welt, erarbeitete sich mit
einem Kinderbetreuungsjob Kost und Logis und kam an der Pantomimeschule Studio
Magenia zu ersten wichtigen Bühnenkenntnissen. Mit dieser Erfahrung im Gepäck
bewarb sie sich an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin
und wurde prompt angenommen. Es folgten vier Jahre in der Hauptstadt, vier Jahre
Puppenspielkunststudium und als Sahnehäubchen das Diplom als Puppenspielerin und
darstellende Künstlerin. "Ich habe lange gebraucht, um in Berlin warm zu werden,
drei Jahre lang - und danach wollte ich eigentlich nicht mehr weg." Doch sie
ging. Quo vadis? "Für meine Diplomarbeit habe ich ein Stipendium bekommen.
Eigentlich wollte ich zurück nach Frankreich. Doch Peter Fischer, der damalige
Intendant des Puppentheaters Waidspeicher hat mich während meiner
Diplomaufführung gesehen und daraufhin gebeten, nach Erfurt zu kommen."
So hat Janine hin- und herüberlegt und ist Anno 2000 in Erfurt gelandet, im
Waidspeicher. Noch im gleichen Jahr inszenierte sie ihr erstes Stück,
"Geschichten aus der Wiese". Bis 2003 blieb sie dem Puppentheater treu, um
daraufhin den Weg in die Selbständigkeit zu gehen. Janine gründete das
Figurentheater Jaboni, sozusagen ein Ein-Frau-Theater, mit dem sie seither durch
den deutschsprachigen Raum und natürlich vor allem durch Erfurt tingelt. Zu
ihren bekannten Kinder- und Erwachsenenstücke gehören "Giraffe ist die Größte",
"Des Kaisers neue Kleider" und "Gib dem Affen Zucker". Doch nicht nur der Affe
bekommt Zucker, nein, auch Janines Publikum, dem sie mit ihrer Schauspielkunst
die ein oder andere Stunde versüßt.
Doch so ein Ein-Frau-Betrieb birgt auch Schwierigkeiten, vor allem zeit- und
plantechnisch. "Seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einer Agentur, die
mir ein bisschen Arbeit abnimmt." Arbeit und Last nahm der jungen Künstlerin
bisher vor allem ihr 75er Ford-Ex-Feuerwehrwagen ab, der stets gute Dienste
leistete, und sie und ihre Puppen heil von Spielort zu Spielort brachte. Nun
steht der treue Begleiter leider kränklich vor der Tür, leidet an
Getriebeschmerzen. Gute Besserung!
Aber es ist ja Sommer, und im Sommer wird alles gut. Gut wie der freie Himmel an
warmen Tagen. Der Himmel, der herabschaut auf die Bühne des Puppentheaters
Jaboni. Am 7. August beginnen die Aufführungen zum diesjährigen
Jaboni-Sommertheater. In der Musikschule Erfurt, von Montag bis Freitag jeweils
ab 10 Uhr, begrüßt Euch Erwin und "Erwin wünscht sich was", eine
Bildergeschichte über das Entdecken, für Menschen ab vier Jahren. Am Abend, ab
dem 6. August ab 19.30 Uhr, kommen vor allem die Erwachsenen im romantischen Hof
der Pergamentergasse 36 (im Frauenzentrum) zu ihrem Vergnügen: "Kaspers
Rotkäppchen" sagt Guten Abend! Und das täglich - wie Erwin - bis zum 24. August.
Viele Gelegenheiten also für Euch, um bei Janine Bohns
Puppentheater-Aufführungen dabei zu sein. Unser Tipp: Nutzen!
www.jaboni.de
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| Wort und Bild: Thomas Käberich |
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