| Mallorca |
Reif
für die Insel
Die heimische Großstadt dampft erbarmungslos. Die Wetterkarte verheißt für
Mitteldeutschland höhere Temperaturen als am Mittelmeer. Höchste Zeit, sein
Bündel zu packen und in den nächsten Ferienflieger gen Mallorca zu steigen. Die
größte Insel der Balearen ist nicht nur günstig und schnell erreichbar, sie
lockt zu jeder Jahreszeit und mit all ihren Facetten von Ballermann bis
Hochkultur, Musikstrand oder Einsiedelei im Gebirge.
Vor einigen Jahren sorgte die mallorquinische Provinzregierung mit erhöhten
Qualitätsansprüchen und ehrgeizigen Umweltprojekten für Aufsehen. Hiesige
Boulevardblätter sahen schon das Ende von Deutschlands beliebtester Ferieninsel
gekommen. Nach dem Regierungswechsel hoben die Konservativen als erstes die
umstrittene Ökosteuer auf. Der Urlauber solle sich auf Mallorca vor allem
willkommen fühlen. Schließlich hat der Tourismus die eher wirtschaftsschwache
Mittelmeerinsel zur reichsten spanischen Provinz gemacht.
Die
großen Ferienzentren liegen im Süden und Südosten Mallorcas. Sie vor allem
bestimmen das Bild der Mittelmeerinsel in unseren Augen, die jeder zweite
Deutsche schon einmal besucht hat. In den 1920er Jahren öffneten um Palma de
Mallorca die ersten Hotels, die sich heute dicht an dicht von Peguera bis Arenal
ziehen. Letzteres ermöglichte seit den 60er Jahren dank günstiger Angebote
breiten Bevölkerungsschichten den Traum vom Urlaub im Süden. Schnell waren dafür
Schlagworte wie "Putzfraueninsel" oder "Teutonengrill" gefunden.
Wer seinen Urlaub gern zwischen Bartresen und Strandliege mit Blick aufs Meer
verbringen will, ist hier im Süden weiterhin bestens aufgehoben. Kilometerlange
Sandstrände sind kein besonderes Aushängeschild. Mallorca hat sie eben. Der
Urlaubsort Peguera gibt sich durch und durch deutsch. Spanische oder
katalanische Hinweisschilder über den gepflegten Rabatten oder an seinem
feinkörnigen Sandstrand bilden eine Ausnahme. Wer also auf alle Überraschungen
verzichten will (allerdings auch auf die positiven) – deutsches Bier,
Schwarzwälder Kirschtorte sowie Filterkaffee und hinterher deutsche Ärzte sind
ihm in Peguera garantiert. Nichts da mit Kaninchen und Langusten im Topf,
Hefeteigschnecken oder Fischsuppe…
Natürlich
steigt die Quecksilbersäule im Sommer auf der Mittelmeersinsel bisweilen in
abenteuerliche Bereiche. Aber bei eisgekühlten Getränken, einem sanften Wind vom
Meer und der so nahen Abkühlung im Wasser lässt sich auch der wärmste Sommer
genießen. 554 Kilometer Küstenlinie bieten weit mehr als palmenbestandene
Uferpromenaden und hoteleigene Strände mit dichtgestellten Sonnenschirmen und
Liegen. Der Naturstrand Es Trenc im Süden mag heute kein Geheimtipp mehr sein.
Doch weiterhin harren gerade im Nordwesten Mallorcas am Ende wilder Schluchten
verträumte, von Kiefern gesäumte Badebuchten, bizarre Klippen und schroffe
Felsformationen ihrer Entdeckung.
Die höheren Qualitätsanforderungen der Inselregierung haben in Gastronomie und
Hotellerie kleine Wunder bewirkt. Glücklicherweise werden das Mehr an Grün in
den Touristenhochburgen und der bessere Zimmerstandard zu einem weiterhin guten
Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten. So lässt sich die Lebensqualität
prominenter deutscher Steuerflüchtlinge auf Mallorca wenigstens für ein, zwei
Wochen im Jahr auch mit kleinem Geldbeutel genießen.
Die Mallorquiner verstehen die Kunst zu leben. Sie geben viel Geld für gutes
Essen und Wein aus. Doch wenn sich der Urlauber den lieben langen Tag von Cola,
Eis und Kuchen ernährt – bitteschön, sie lassen es unkommentiert. "Leben und
leben lassen" ist ihre Devise. Neben gastronomischen Blüten wie
"Schnitzelparadies" oder "Inge und Horst" macht sich der deutsche Einfluss
insofern bemerkbar, als das in Spanien übliche späte Abendessen nach 22 Uhr
inzwischen selbst von den Einheimischen zwei Stunden vorgezogen wird.
Mallorca will der Partyinsel Ibiza keineswegs den Rang ablaufen. Dennoch,
Nachtleben ohne Sperrstunde und Entertainment am Tag findet hier jeder. In Cala
Falco unweit von Magaluf lockt der ideale Strand für Musikfans: Die gestylte
Strandbar erhielt gar einen Architekturpreis. Neben Drinks sorgt sie mit
Reggae-Musik für die Unterhaltung der Sonnenhungrigen. Apropos Magaluf: In dem
zumeist von britischem Publikum besuchten Ferienort befindet sich Europas größte
Diskothek. Saufen bis zum Umfallen in den Happy Hours gab es hier schon, als das
Wort "Flatrate" bei uns noch ungebräuchlich war. Die Abgabe von Alkohol zum
Selbstkostenpreis wurde jedoch bereits vor Jahren verboten.
Palma am Abend ist ein Muss. Über den engumschlungenen Liebespärchen auf der
kilometerlangen Uferpromenade erstrahlt die prächtige Kathedrale der
Inselhauptstadt im Licht der Scheinwerfer. Das Nachtleben spielt sich
üblicherweise längs des Paseo Maritimo ab, wo sich Clubs, Bars und Diskotheken
konzentrieren. Berühmt ist der gläserne Fahrstuhl zu "Tito's": Die
Traditionsdisko ist hoch über der Stadt gelegen. Sie öffnet zwar schon 22.30
Uhr, doch voll und quirlig wird es erst weit nach Mitternacht. Und ihre Tore
schließen sich hinter den Partywütigen erst, wenn andernorts die Urlauber gerade
das Frühstücksbuffet stürmen. Als In-Location gilt auch das "Pacha". Unter das
schillernde Publikum mischen sich auch Claudia Schiffer und Antonio Banderas.
Die Diskothek wartet nicht allein mit einem prächtigen Meeresblick von der
Terrasse auf. Hier sind der House am besten und die Gäste am schönsten.
Gleich hinter der Stadtmauer verliert sich der Weg in den vielen kleinen
Altstadtgassen von Palma. Nach Mitternacht erwachen die Stadtteile Sa Llotja und
El Terrena zu neuem Leben, wenn die Ausgehlustigen die kleinen Bars abklappern
und ihre Cocktails schlürfen.
Während die Uferzone zwischen Ballermann 6, Mega-Park oder Bierkönig nie zu
schlafen scheint, wirken wenige Kilometer im Hinterland einsame Dörfer und
romantische Täler schier der Gegenwart entrückt. Der spanische Dichter Santiago
Rusinol pries Mallorca seinerzeit als "Insel der Stille". Die schönste
Uferpromenade befindet sich in Porto Pollenca im Norden der Insel. Bei einem
Gang wähnt man sich an ein anderes Ende der Welt versetzt. Ganz in der Nähe
lockt die spektakuläre Aussicht der Halbinsel Formentor. Hier ist auch der
schönste Sonnenuntergang zu erleben.
Am
Cap de Formentor beginnt die wildromantische Steilküste des nordwestlichen
Mallorca. Bis in eine Höhe von 1.445 Meter steigen die Hänge gen Himmel. Wie
Schwalbennester hängen die reizvollen Steinhäuser von Deià an der Felswand. Doch
lange bevor Künstler und Poeten das Bergdorf entdeckten, verbrachten George Sand
und Frédéric Chopin 1838/39 sechs verregnete Wochen in der Kartause von
Valldemossa. Mit einem leichten Grausen beschreibt die Poetin in ihrem Roman
"Ein Winter auf Mallorca" die gemeinsam durchlebte Zeit. Keine Frage, dass sich
ihre Gedanken auch um die Liebe drehten. Das Büchlein treibt in der Gegenwart
jährlich Hunderttausende dazu, jenen beispiellosen Blick von der Terrasse ihrer
Zelle in der Kartause von Valldemossa zu genießen.
Die beiden Künstler Chopin und Sand gaben mit ihren eher traumatischen
Erlebnissen auf Mallorca den Anstoß für den sagenhaften Aufstieg der
Mittelmeerinsel zum Synonym für Urlaub und Sommerfreude. So bunt und
kontrastreich wie sie ist, findet hier jeder Freude und Entspannung und das zu
allen Jahreszeiten. Acht Millionen Touristen können nicht irren.
www.spain.info
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www.visitbalears.com
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| Wort: Uwe Schieferdecker / Bild: Uwe
Schieferdecker, Tom |
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