Sommer, Sonne, Satte Sounds Teil 3

Der BLITZ!-Wegweiser zu den Konzert- und Party-Highlights der Saison


bis 19.08. • Jena • Theatervorplatz
Kulturarena

Sie läuft ja bereits: Die wichtigste kulturelle Sommerveranstaltung der Region geht schon seit Beginn des Monats über die Bühne des Jenaer Theatervorplatzes. Einige Bela B.Highlights haben wir schon erleben dürfen, aber ein ganze Reihe hochkarätiger Acts wird bis zum 19. August noch folgen. Wie immer ist die Spartenvielfalt der Trumpf des Unternehmens, wie immer macht die sensible Mischung aus Stars und interessanten Neuentdeckungen den eigentlichen Reiz aus. Die ganz großen Namen fehlen auch in diesem Jahr nicht: Rickie Lee Jones, Calexico, Willy DeVille, De-Phazz, die Jan Garbarek Group und Bela B. bringen gleich eine bunte stilistische Mischung in die Arena. Zu diesen Namen wird wohl nichts mehr gesagt werden müssen. Interessant sind auch immer wieder die weiblichen Stimmen – hier scheinen die Festival-macher traditionell ein besonderes Händchen bei der Auswahl zu haben: Diesmal verdienen die besondere Aufmerksamkeit der Musikliebhaber die Belgierin An Pierlé, Holly Cole aus Kanada und der neue Stern am ohnehin schon reich bestückten skandinavischen Jazzhimmel: Fredrika Stahl. Silje Nergaard aus Norwegen dürfte ja inzwischen schon in die Kategorie " Stars" einzuordnen sein.
Ein wichtiges Standbein des Festival ist immer schon die Weltmusik gewesen – hier meistens von der subtilen Art: Bei den spanischen Ojos de Brujo, Babylon Circus aus Frankreich oder dem argentinischen Bajofondo Tango Club wird garantiert auch der Liebhaber ausgefallener und trotzdem eingängiger, für unsere Ohren jedenfalls eher ungewohnter Klänge auf seine Kosten kommen. Ganz was Verrücktes und unter Insidern nahezu vergöttert werden Scala & Kolacny Brothers aus Belgien. Ein 40köpfiger Frauenchor mit engelsgleichen Stimmen intoniert düstere Hymnen der Alternative- und Grunge-Szene – das ist weiß Gott kaum zu toppen! Daneben gibt’s wie immer die Kinderarena (unter anderem mit einen Programm der " Lütten" Angelika Mann) und eine Reihe sehr sorgfältig ausgewählter Filme aus dem Grenzbereich von anspruchsvollem und (trotzdem) populärem Kino in der Filmarena.
Das detaillierte Programm findet Ihr unter www.jenaonline.de.


19.07. • Dresden • Elbufer
Lionel Richie

"All Night Long", "Hello", "Say You Say Me".... Von 1981 bis 86 hatte Lionel Richie in den Vereinigten Staaten fünf Nummer-1-Hits. Da ist der Welterfolg "Dancing On The Ceiling" gar nicht dabei, der kam nur auf Nummer 2 (wahrscheinlich hatte Michael Lionel RichieJackson gerade eine neues Album draußen). Lionel Richie hat bis heute 100 Millionen Alben verkauft; als 1996 die Plattenfirma Mercury den Zuschlag für den Vertrag über die nächsten fünf Alben bekam, waren schon mal 30 Millionen Dollar fällig, ohne dass Mr. Richie eine Note vorgelegt hätte. Ob die Sache sich gelohnt hat? Kurz danach begann die Ära der Brennerei, und die Plattenumsätze gingen rapide zurück. Lionel ist natürlich nicht unbedingt der Teenie-Star, seine Anhänger gehören eher nicht zu den Schwarzbrennern. Aber auch seine Überfliegerphase währte nicht ewig. In den letzten 20 Jahren war noch eine Top-Ten-Single zu verzeichnen. Aber uns dürfen die Fehlkalkulationen der Plattenbosse ja egal sein. Lionel Richie hat in seiner Karriere weit mehr unsterbliche Lieder geschrieben, als in ein Konzert passen. Schon den 70ern war er mit dem Commodores eine große Nummer; die Band war des Aushängeschild des legendären Motown-Labels in diesem Jahrzehnt. Vor allem in den USA war Lionel Brockmann Richie längst ein Superstar, als er sich 1981 mit 32 dem Boygroup-Alter entwachsen fühlte und ein Solokarriere startete. "Endless Love", das Duett mit Diana Ross, ging sofort auf Nummer 1. Und dann folgte Hit auf Hit wie auf einer Perlenkette. Der Superstar-Rummel um ihn war in den Staaten immer viel ausgeprägter als bei uns in Europa. Hier aber sind seine Lieder angekommen. Was für Evergreens!


20.07. • Erfurt • Stausee • Hohenfelden
Roger Cicero

Für viele mag sein Erscheinen und Auftreten beim letzten Grand Prix überraschend gekommen sein. Die souveräne Performance des 27jährigen Roger Ciceroüberraschte jedenfalls überaus angenehm. Auch wenn am Ende nur Platz 19 rauskam. Wir wissen ja, das waren die Umtriebe der osteuropäischen Mafia ... Doch auch, wenn BILD dafür mindestens Blitzkrieg gefordert hat - wir bleiben cool. Wir wissen, was wir an Roger haben, und wir wissen, dass seine Professionalität und Coolness kein Zufall sind. Er ist der Sohn eines der bekanntesten Jazzer hierzulande und stand schon als Teenager auf der Bühne. Mit 20 war er das erste Mal im Fernsehen. Als er nun jetzt ein erstes Soloalbum "Männersachen" veröffentlichte, waren das nicht die pubertären Versuche eines pickligen Pennälers. Hier hat ein erfahrener Künstler eine nachhaltig überzeugende Visitenkarte abgegeben. Live ist der Mann natürlich immer rein ganz besonderes Erlebnis, der hat's einfach drauf!


20.-22.07. • Triptis • An der Stadthalle
13. Butzemannfest

Auch in diesem Jahr seid Ihr wieder herzlich eingeladen, Biba und die Butzemännergemeinsam mit Biba und den Butzemännern drei fette Tage lang das Butzemannfest zu feiern. Vom 20. bis 22. Juli erwarten Euch allerhand musikalische Höhepunkte. Am 20. geht’s um 20 Uhr mit J.B.O. los, danach gibt’s eine große Aftershowparty. Am 21. erwarten Euch ab 19 Uhr DINa4, die Antenne-Thüringen-Discoparty und natürlich das Biba-Geburtstagskonzert. Und am 22. ab 14 Uhr stehen dann 20 Bands auf einer Bühne. Mit dabei sind u.a. Madhouse, Rockpirat und Zeitlos. Wie immer ist das Zelten erlaubt, zudem erwünscht und kostenfrei!


20.07. • Dresden • Junge Garde
29.10. • Erfurt • Thüringenhalle
Wir sind Helden

Unsere Helden sind wieder da! Wurde ja auch Zeit! Judith und Pola haben endlich ihr Kind gekriegt. Es gibt ein neues - das dritte - Album und die Helden auch wieder live zu erleben.
Wir sind HeldenIhre kurze Bandgeschichte ist eine der seltsamsten Karrieren im Biz. Und der Beweis dafür, welche Wichtigkeit es hat, Zugriff auf diverse Schaltstellen zu haben. 2001 gegründet, waren sie die diejenige deutsche Band, die, ohne überhaupt eine Langspielplatte veröffentlicht zu haben, Thema im Spiegel waren und in der Harald-Schmidt-Show auftraten. Zu dieser Zeit gab es (neben einer Solo-LP von Judith) nur die EP "Guten Tag", deren Titeltrack vom Berliner Radio Eins ziemlich häufig gespielt wurde. Ein paar wichtige Leute müssen das gehört haben oder ein paar, die's gehört hatten, kannten ein paar wichtige Leute. Oder jemand hat an irgendwelchen verborgenen Strippen gezogen. Wer weiß. Jedenfalls ist hierzulande wohl noch kein Tonträger mit derart massivem Vorschusslorbeer an den Start gegangen (sehen wir mal vom primitiven Hype um die Casting-Shows ab, die in Deutschland auch im zigsten Durchlauf noch keine markanten Künstler entdeckt haben). Folgerichtig wurde "Die Reklamation" zu einem der meistverkauften Alben der Jahre 2003 und 04. Um hier nicht missverstanden zu werden: Wie immer die geheimnisvolle Weichenstellerei passierte, es traf ausnahmsweise die Richtigen! Die Starthilfe verhalf einem Album und einer Band zu einer Aufmerksamkeit, die musikalisch unumwunden verdient war (anderen, Victoriapark zum Beispiel, hätte man freilich auch so viel Glück gewünscht). Die Helden wurden (mit 2Raumwohnug) zu Trendsettern einer erneuten Deutschen Welle. Hits wie "Denkmal" oder "Wir müssen nur wollen" haben Bands wie Juli oder Silbermond den Weg geebnet. Und diese Welle ist allemal witziger, frischer, ursprünglicher und ehrlicher als da meiste andere, was zur Mode aufgeblasen wird. Und, wie man sieht, ist sie auch langlebiger. Eine tolle Sache, unseren Helden sei Dank dafür!


20.07. • Wernesgrün • Jump-Arena
27.07. • Königstein • Festung
28.07. • Leipzig • Parkbühne
04.08. • Chemnitz • Wasserschloss Klaffenbach
17.08. • Hoyerswerda • Populario-Festival
18.08. • Erfurt • Highfield-Festival
Mia & Gäste

Mia aus Berlin kennt jeder. Sie sind eine Band, die weiß, dass Pop nicht nur produziert, sondern auch verkauft werden muss. Dreh- und Angelpunkt, vor allem Sprachrohr der Band ist Sängern Mieze.
MiaHier erzählt sie die Geschichte von Mia: "Ich traf Andi in der Schule, im Sommer 97. Ich wusste nur, dass er Gitarre spielt, aber ich wusste noch nicht, dass wir ein paar Monate später eine Band gründen würden. Ich nahm damals Gesangstunden und sang in einem Chor (Canzonetta). Meine Mama behauptet, ich hätte zuerst gesungen, dann gesprochen... ich werde ihr da nicht widersprechen. Meine Gesangslehrerin hat mich immer vor Rock-und-Pop-Musik gewarnt, vielleicht kam daher der gezielte Drang nach einem elektrisch verstärkten Mikrofon und Feedback. Andi und ich verbrachten jedenfalls unsere gesamte freie Zeit und hörten Musik von Nirvana bis Portishead. Er an der Gitarre, manchmal Klavier, ich mit Stimme, Zettel und Stift. Wir hielten Ausschau nach Mitmusikern und fragten rum, ganz einfach, und tatsächlich standen wir im Herbst 97 mit Bob am Bass und Ingo an der Gitarre (Horn, Piano, Stimme) im Proberaum, und von da an taten und tun wir das oft. Seitdem Gunnar dann mit seiner durchsichtigen Snare in den Proberaum marschiert ist, sind wir komplett."
Der Rest ist deutsche Pop-Geschichte. Es gibt einen Dok-Film über Mia, sie standen im Mittelpunkt einer Nationalismus-Debatte und profitierten letztlich von dem Unsinn, mit dem sich selbsternannte Linke an ihnen abarbeiten wollten. Ihr aktuelles Album "Zirkus" spuckt seit über einem Jahr eine Hitsingle nach der anderen aus. Schön, dass wir die Mieze wieder mal bei uns haben!


21.07. • Dresden • Junge Garde
Deine Lakaien

20 Jahre gibt es diese stilbildende Band der deutschen Dunkelszene nur schon. "20 Years Electronic Avantgarde" haben Deine Lakaiensie folgerichtig ihr großes Jubiläums-Projekt überschrieben. Doch der Titel täuscht vielleicht ein wenig: Ernst Horn, der musikalische Kopf des Duos, der ja vor der Bandgründung mal als Orchesterleiter in Karlsruhe tätig war, hat sich einen Traum erfüllt und die Stücke seiner Band mit großem Orchester auf die Bühne gebracht. Horn spielt allerlei elektronische Instrumente (es erklingt sogar ein Commodore Amiga!) und dirigiert "nebenbei" das große Orchester der Neuen Philharmonie Frankfurt. Alexander Veljanov als Frontmann setzt dem Ganzen mit seinem dunkel-erotischen Charisma wie üblich die Krone auf. Es gab bereits eine Konzertreise durch große klassische Häuser, die dazugehörige DVD liegt vor. Jetzt wurden noch einige Sommerkonzerte dran gehängt. Das Konzert in der Jungen Garde gehört wahrscheinlich zu den letzten Gelegenheiten, eine der beeindruckendsten Pop-Klassik-Crossover-Produktionen der letzten Jahre noch einmal zu erleben, in dieser Konstellation wird es dies (auch aus Kostengründen) wohl kaum nochmal geben.


21.07. • Dresden • Elbufer
Katie Melua

Das englische Wunderkind aus Georgien. Eingewandert nach Belfast mit ihrer Familie, Katie Meluaals sie 15 war. Entdeckt bei der britischen Fernsehtalentshow "Stars Up Their Nose" und seitdem nicht gnadenlos ausgequetscht, sondern sensibel und planmäßig aufgebaut. So geht's eben auch. Man stelle die Melua mal neben die bei DSDS "entdeckten" Helden ... Aber was soll rauskommen, wenn Dieter B. das künstlerische Maß der Dinge ist? 2003 ging "Call Of Search", das Debütalbum von Katie Melua, auf den Markt. Es erreichte sofort die Spitzenposition der englischen Charts, ohne dass vorher mittels Single ein Radio-Airplay initiiert wurde. Spricht alles für die künstlerische Geschlossenheit der Alben und für Stimme und Erscheinung der Katie Melua, die im Chanson ebenso zu Hause ist wie im Jazz, der Folklore oder im Rock ´n Roll. Eine der faszinierendsten europäischen Künstlerinnen der Gegenwart gibt am Dresdner Elbufer ihre Visitenkarte ab. Sollte man sich nicht entgehen lassen!


21.07. • Wernesgrün • Brauerei
Sasha

Sascha Schmitz profilierte sich in den 90ern als Backgroundsänger für diverse HipHop-Produktionen. Besonders das von YoungSasha Deenay gesungene "Wannabe You Lover" platzierte sich 1998 ganz oben in den Charts. Im gleichen Jahr startete auch seine Single "If You Believe" wie eine Rakete durch, es regnete Bambis, Echos und Cometen als bester Newcomer. Seinen größten Erfolg hatte Sasha verrückterweise, als er gar nicht als Sasha auftrat: Im Jahr 2003 veröffentlichte er unter dem Namen Dick Brave & The Backseats (offenbar animiert von Nick Cave & The Bad Seeds) das Album "Dick This", das Rockabilly- Klassiker im neuen Gewand präsentierte; die wunderschöne Single war der ´61er Klassiker " Take Good Care Of My Baby". Die Sache machte einen Riesen-Rummel, das Album ging auf Platz 1. Als er die Kunstfigur Dick Brave wieder in das Reich der Fantasie zurückschickte, musste für das Abschlusskonzert am 22. Dezember 2004 die Dortmunder Westfalenhalle gemietet werden. Sashas jüngster Streich ist sein Greatest-Hits-Album, das im Dezember 2006 erschien, auf Platz 6 in die Charts einstieg und volle 15 Wochen in den Top 20 blieb. Pünktlich vor den Sommerkonzerten gibt's noch ein besonderes Special: In einer erweiterten Ausgabe mit anderem Cover erschienen am 29. Juni die "Greatest Hits" als Platin-Collection. Die Platin-Edition hat zusätzlich eine spektakuläre Live-DVD in der Hülle, die ein komplettes Konzert Sashas enthält, eingespielt zusammen mit dem Babelsberger Filmorchester!


29.07. • Königstein • Festung
The BossHoss

Im Jahre 1990 baute ein komplett durchgedrehter Ami namens Monte Warne ein Cruiser-Motorrad um einen V8-Chevy-Motor herum. Das Ding sah aus wie eine Harley, nur hatte es 500 PS. Es fanden sich tatsächlich ein paar Verrückte, die auch eine solche Selbstmordmaschine haben wollten, und seither wird das Gerät in einer exklusiven Kleinserie gebaut. Es heißt "The BossHoss". The BossHoss Aber nicht von abgedrehten Rockern soll hier die Rede sein. Sondern von Großstadt-Cowboys, die durch die urbane Prärie ziehen und auf den Barhockern ihrer Stammclubs bis zum Horizont reiten. Auf ihren Weg verhaften sie jeden verdammten Drink, der ihnen in die Quere kommt. Ein paar dieser rauen Gesellen fanden sich vor drei Jahren zusammen und beschlossen, es zur Abwechslung einmal mit Musik zu versuchen. Sie benannten sich nach oben beschriebener Höllenmaschine und zerlegten ein paar bekante Gassenhauer der Rockgeschichte in ihre Bestandteile. Dann setzten sie sie so wieder zusammen, so dass sie sich anhörten, als wären sie extra für ein Trucker- & Country-Festival in Nashville (Tennessee) aufgenommen worden. Sie hatten nicht bemerkt, dass sich just in diesem Moment der Country-Revival-Zug in diesem Lande in Bewegung gesetzt hatte. Jeder schwor plötzlich Stein und Bein, schon immer auf Johnny Cash gestanden zu haben, sogar Gunther Gabriel wurde plötzlich nicht mehr peinlich gefunden. So fuhren sie ungewollt mit und beschlossen, lustige Miene zu diesem eigenartigen Spiel zu machen. Sie bespielten einschlägige Treffs und meistens ging alles ganz gut ab. Manchmal hatten sie auch Glück, denn Country-Helden verstehen keinen Spaß, wenn’s an ihre Musik geht. Auf dem zweiten Album waren ihnen der Erfolg und die Drinks wohl zu Kopf gestiegen, denn sie mischten plötzlich zur Hälfte eigene Songs unter die großen Hits. Und siehe: Kaum einer hat’s bemerkt; unsere Cowboys hatten ihren eigenen Sound gefunden. Sattelt Eure Barhocker, Freunde, ordert was Hochprozentiges: Bei so einem BossHoss-Konzert muss man verdammt cool aussehen!


17.-19.08. • Erfurt • Stausee Hohenfelden
Highfield-Festival

Highfield kommt von Hohenfelden. Das ist ein kleiner Ort mit einem wunderschönen Stausee in der Nähe von Erfurt. Den Rockfans ist das idyllische Fleckchen aber nicht nur wegen seiner landschaftlichen Vorzüge bekannt: Hier findet seit neun Jahren ein Festival statt, das sich inzwischen zum wichtigsten ostdeutschen Indie-Event gemausert hat. Nach einer gewissen Profil-Findung liegt der Schwerpunkt jetzt ziemlich eindeutig auf gitarrenbasiertem Indie-Pop britisch inspiriSilverchairerter Bauart. Die Liste der Highlights der Vergangenheit ist lang, hier gaben sich junge hoffnungsvolle Newcomer mit gestandenen Stars die Backstage-Klinken in die Hand. Auch in diesem Jahr wimmelt es wieder von großen Namen. Wohlbemerkt: Populär ja, aber immer mit dem gewissen Abstand zum Mainstream. Beim Highfield treffen sich 25.000 Leute mit einem etwas erleseneren Musikgeschmack.
Mit Interpol, den Kaiser Chiefs oder Ash sind wieder absolut angesagte Größen von der Insel am Start, der göttliche Schweden-Pop schickt Moneybrother und Millencollin, auch wir Deutschen können mit Mia und den Tocos Tocotronicganz oben im Billing mitreden, Australien sendet die inzwischen längst kultigen Silverchair – und ohnehin sagt die Liste der "The"-Bands, wo's musikalisch lang geht: The Enemy, The Sounds, The Used, The Film, The Shins ...
Eine Neuigkeit haben die Veranstalter diesmal eingeführt: Das Crowd-Surfen, die Festival-Variante des vom Metal kommenden Stage-Diving, wird diesmal rigoros unterbunden werden. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß. Wer es unbedingt riskieren will, sich die Knochen zu brechen und versucht, über den Köpfen der Masse zu surfen, riskiert diesmal eine gelbe Karte: Die Security wird ihm das Festivalband für diesen Tag entziehen. Beim zweiten Mal gibt’s rot. Einige werden das nicht einsehen, und so ein paar Surfer haben ja immer auch einen gewissen optischen Reiz - aber die Gesundheit der Besucher geht nun mal vor und manchmal müssen ein paar Verrückte eben auch vor sich selbst geschützt werden.
Das Highfield hat einen wunderschönen Zeltplatz (auch wenn das Discozelt gleich daneben liegt). Wer trotzdem drauf verzichten und lieber die Annehmlichkeiten der Erfurter Hotellerie in Anspruch nehmen will - kein Problem: Zum Gelände kommt man problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zurück fahren an jedem Tag nach dem letzten Konzert Shuttle-Busse. Bequemer geht's nicht! Highfield ist Pflicht!


18.08. • Merseburg • Schlosshof
In Extremo

Irgendwann im Sommer 1996 begannen unbeugsame Männer wie das Letzte Einhorn (Gesang) oder Die Luther (Bass) gemeinsam mit einigen Spießgesellen die Musik, die ein Teil von ihnen bereits auf Mittelaltermärkten regelmäßig spielte, mit Rock'n'Roll-Instrumentarium anzureichern. In beiden Bereichen hatten die Barden von In ExtremoIn Extremo in der Vergangenheit bereits hinreichend Erfahrungen sammeln können. Das Mittelalterfeld-Feld war vom Rock'nRoll damals noch weitgehend unbeackert, lediglich Subway To Sally hatten bereits Ausflüge in diese Landschaften unternommen - vom heutigen Mittelalter-Rock jedenfalls noch keine Spur. Zu Beginn 1997 wurde das erste, das "goldene" Album privat vertickt, zur gleichen Zeit gab es die ersten Live-Gigs. Die erste voll ausgereifte In-Extremo-Produktion und bis heute Kult bei allen Mittelalter-Freaks war "Verehrt und angespien" von 1999 u.a. mit ihrer Version der " Merseburger Zaubersprüche". Interessant bei ihnen sind immer wieder die Texte, hier begeben sie sich fleißig in die Archive, um die Vorlagen aus den alten Originalsprachen auszugraben. So erklang der Text des ersten Hits " Herr Mannelig" (1999), der u.a. über das Computerspiel "Gothic" bekannt wurde, in Altschwedisch, sie sangen auch schon in Altfranzösisch, Mittelhochdeutsch, Hebräisch und vertonten Klassiker aus der Feder von Goethe, Uhland oder Villon (der Terminus "Mittelalter" ist bei ihnen ohnehin nichts streng Historisches – sie gehen Lebensgefühlen nach). Typisch ist der Sound: Wuchtige Gitarrenwände treffen auf durchdringende Dudelsack-Melodien. Dazu ein rauer, aber herzlicher Gesang. Um eine fankurvengeeignete Refrain-Hookline sind sie ohnehin nie verlegen. "Die Verrückten sind wieder in der Stadt!"


24.08. • Leipzig • Parkbühne
Schandmaul

Sie sind die gegenwärtig erfolgreichsten Vertreter des inzwischen stilistisch vielfältig aufgefächerten Mittelalter-Rock in deutschen Landen. Und die ersten, die nach den Erfolgen der ostdeutschen Pioniere Subway to Sally, In Extremo oder Tanzwut hier westdeutsche Akzente setzten. Das aber auch über den östlichen Umweg: 1998 hatte sich die Band bei München gegründet, ein Spaßprojekt eigentlich, das ein paar Folksongs für eine Party spielen wollte. Rasch merkten sie, dass da mehr Potenzial war. DaSchandmaul s erste Album " Wahre Helden" erschien im darauffolgenden Jahr im Eigenvertrieb. Beim Tanz- und Folkfest im thüringischen Rudolstadt wurde die Band mit dem Folkförderpreis als hoffnungsvollster Newcomer ausgezeichnet. Man begann ernsthaft von ihnen Notiz zu nehmen. Von Vorteil dabei war sicher, dass Schandmaul nicht in der Art der ostdeutschen Genrepioniere Extreme in Härte und Martialik bedienten. Sie widmeten sich der eher leichten Seite der Zeit, sehen sich augenzwinkernd als Schalksnarren; zwei sehr anmutige Frauenspersonen in der Band machten die Sache von vornherein mehrheitskompatibel. Schon mit Album Nummer 2 wurde Richtung Erfolg marschiert. Die Band stand am Scheideweg: Ursprünglich nur aus Vergnügen gegründet, hatte man sich vorgenommen, das Projekt immer nur als spaßbestimmtes Nebenbei und nie zum Broterwerb zu betreiben. Doch die Nachfrage stieg, nach der Arbeit waren die Anfragen nicht mehr zu bedienen. Nach einigen inneren Auseinandersetzungen stieg Initiator und Basser "Hubsi" Widmann aus. Die Anderen stellten die Weichen auf Erfolg - und der kam ihnen freundlich entgegen. Inzwischen stehen eine ganze Reihe Alben an, das letzte ging locker in die Top Ten. Mit "Kunststück" gönnten sie sich im vergangen Jahr ein akustisches Konzert mit klassischem Orchester. Sie sind die Band des Genres mit den mit Abstand höchsten Zuschauerzahlen. Das wird wohl an den Live-Qualitäten liegen ...


15.09. • Dresden • Junge Garde
Silbermond

Sie sind Helden. Unsere Local Heroes aus Bautzen. Okay, sie wohnen schon lang nicht mehr da, das geht nicht zusammen mit der Karriere. Aber sie sind alle vier zwischen 1982 und 84 in Bautzen geboren und haben sich ihre ersten Sporen dort verdient. 1998 haben sie die Band gegründet (da war die schöne Stefanie erst 14). Drei Jahre später waren sie als Jast schon die zweitbeste Schülerband Sachsens. In diesem Jahr entstanden die ersten deutschen Lieder. Die Zeit wurde langsam wieder reif dafür. Die Sportfreunde Stiller hatten gerade "So wie einst Real Madrid" veröffentlicht und gezeigt, wie man die Hamburger Schule auch ohne PseudointellektualitätSilbermond spielen kann; die erste Nummer der 2Raumwohnung (" Wir trafen uns in einem Garten") lief im Radio. Im Juli 2002 spielten sie vor zigtausend Leuten auf de PSR-Geburtstagsparty in Leipzig. Die Zeit war reif für Silbermond. Und zum Glück hat das auch jemand wahrgenommen: Ingo Politz und Bernd Wendlandt, unter den Titel Turbobeat bzw. Valikon für den Erfolg von Bell, Book & Candle oder Jeannette Biedermann verantwortlich, holten die Band nach Berlin. Die wohnte zu viert in einer WG, produzierte 2003 das Debütalbum "Mach’s Dir selbst". Anschließend gingen die Silbermonde mit Frau Biedermann auf Tour (es gibt wenig Zufälle in diesem Geschäft). Die unmittelbare Album-Veröffentlichung danach fand erwartungsvolle Käufer: Erfolg hat etwas mit Hits zu tun, aber eben auch mit dem richtigen Timing. Am 21. April 2006 erschien "Laut gedacht" das zweite Album. Vor allem der wunderschönen Single "Das Beste" wegen verkauft dieses Album sogar noch besser als der Vorgänger ...


27.09. • Dresden • Messe
28.09. • Leipzig • Arena
29.10. • Chemnitz • Stadthalle
Sportfreunde Stiller

Ohne Frage, sie sind Deutschlands sympathischste Band. Obwohl sie sich offen als Fußballfans geoutet, sich sogar schon der aktiven Mittäterschaft schuldig gemacht haben. Ihr Trainer Hans Stiller vom SV Germering wurde der Namenspatron dieser schrecklich netten drei Jungs aus München. Das " Mittäter" wird dadurch natürlich auch relativiert: In diesem SpielklasseSportfreunde Stillern ist ja Fußball tatsächlich noch Sport und macht Spaß. Erst oben wird er zur bekannten Abzockmaschine mit unbedeutendem sportlichen Beiwerk. Das sehen die Sportfreunde Stiller leider anders (Sänger Peter gibt in der Öffentlichkeit sogar ohne jede Scham zu, Fan von Bayern München zu sein ...). Aber was soll’s, sie haben halt immer diesen leichten Drall in Richtung Volksmasse. Man muss sie trotzdem lieben. Weil sie ausgangs der 90er gezeigt haben, wie man coole Musik mit tollen deutschen Texten á la Tocotronic oder Sterne auch spielen konnte, ohne immerzu so furchtbar ernst zu sein und eine SPEX unter dem Arm zu tragen. Vor allem konnte man endlich gute Musik hören, ohne sich alte Adidas-Trainingsjacken anzuziehen und diesen oberdoofen Toco-Scheitel tragen zu müssen. Schon die EP " Thonträger" machte große Hoffnung. Mit " So wie einst Real Madrid" sorgten sie für unsterbliche Minuten im Rock 'n Roll. Das " Heimatlied" oder das göttliche "Novanta Quattro" werden unvergessen bleiben (obwohl Berlusconi dem Vernehmen nach wegen der etwas holzschnittartigen Artikulation des Italienischen in letztgenanntem Lied die Mafia schicken wollte). Seitdem begleiten die Sportfreund alle wichtigen und unwichtigen Fußballereignisse allhier, sie hatten größere und kleinere Hits. Sie haben sich im Wesentlichen nicht verändert und sind trotzdem nicht langweilig geworden. Flo haut zwischendurch bei The Notwist ordentlich auf die Pauke. Zur WM haben sie mit "You Have To Win Zweikampf" natürlich ein Fußballalbum aufgenommen. Nun ja, das kann man gerade ihnen schlecht übelnehmen. Obwohl es mindestens ebenso albern war wie die Millionen kleiner Deutschland-Fahnen Made in China. Dabei müssen diese Jungs gar nicht von Fußball reden. Die können richtige Kunst! Sie reden - seufz! - trotzdem von Fußball. Man kann nicht alles haben ...


06.10. • Leipzig • Arena
10.10. • Erfurt • Messehalle
Joe Cocker

John Robert Cocker wurde 1944 im englischen Sheffield geboren. Eine schwere Krankheit in seiner Kindheit brachte ihm dauerhafte Störungen seiner motorischen Fähigkeiten ein, ein Handicap, das im täglichen Leben kaum bemerkbar ist, in Erregungszuständen auf der Bühne aber sehr wohl: Seine bizarren Gestiken wurden zu seinem Markenzeichen. Vor allem aber natürlich das unerreichte Organ. Cocker ist einer der markantesten Schreihälse, die der Rock 'n Roll je hervorbrachte. 1966 war das der britischen Plattenfirma Decca aufgefallen; der in der Freizeit mit einer Joe CockerBand herumziehende Installateur bekam einen Vertrag und wurde Berufsmusiker. Die einzigartige Stimme legte nahe, Cocker Coverversionen bekannter Hits singen zu lassen, die er fast immer zu ganz neuen, eigenständigen Meisterwerken umformte. Sein erster Hit war 1968 das Beatles-Cover "With A Little Help From My Friends". Der Auftritt in Woodstock mit diesem Lied und die Filmaufnahmen waren Sternstunden der Rockgeschichte. Sie machen noch heute Gänsehaut und prägten das künftige Leben des John Robert Cocker. Er war plötzlich berühmt - und wurde von dubiosen Managern und Plattenfirmen gnadenlos ausgenommen. Er selbst füllte sich mit allen erreichbaren Drogen ab. Seine Geschäftspartner verschlissen ihn gnadenlos bei einer Mammut-Tournee nach der anderen, sie sahnten ab, während Cocker immer Schulden hatte. Von den 70ern dürfte Joe heute kaum noch eine Erinnerung haben, seine Drogeneskapaden brachten ihn Anfang der 80er sogar in den Knast. Wie so oft versuchte Cocker mit den Drogen seine psychischen Probleme zu bekämpfen, wenigstens zu betäuben, und wie so oft machten die alles noch schlimmer. Cocker schien Ende der 70er körperlich und seelisch ein Wrack zu sein. Doch dann rappelte er sich auf, besann sich auf seine Stärken. In den 80ern fand er zu seiner Kreativität zurück, legte beginnend mit dem 82er " Sheffield Steel" eine Reihe absolut gültiger Alben hin. Die Liste der Hits ist lang: "You Are So Beautiful", "When The Night Comes", "N’oubliez jamais", "Unchain My Heart", "Up Where We Belong". Letztere Nummer brachte ihm einen Filmmusik-Oscar.
1987 fand er auch privat einen Hafen. Er heiratete eine Erzieherin und kaufte sich eine Ranch in Colorado. Er lebt zurückgezogen. Alle drei Jahre etwa veröffentlicht er ein neues Album. Dank seiner weltweit treuen Fans verkaufen sich die Werke regelmäßig sehr gut, obwohl die aufregenden künstlerischen Neuigkeiten inzwischen seltener werden. Aber Cocker muss ja niemandem mehr etwas beweisen. Auch auf seinem aktuellen Album "Hymns For My Soul" bietet der Meister keinerlei Experimente, er interpretiert in bewährter Manier ein Dutzend Rock- und Pop-Klassiker. Ein einziges Mal wohl nur hat Cocker mit seiner Stimme eine fertige Songvorlage nicht veredeln können: Im Jahre 1995 engagierte ihn die Becks-Brauerei, ihren berühmten Werbejingle "Sail Away" neu einzusingen. Drei Jahre vorher war das Lied von der deutschen Reibeisenstimme des Hans Hartz (der 2002 gestorben ist) gesungen worden, dank Becks wurde die Nummer damals ein Riesen-Hit. Cockers Version war sicher anders, aber nicht besser. Für den Mann aus Sheffield ist das eine Episode, die er sicher längst vergessen hat ...
 
Wort: F.W., T.K. / Bild: Sven Sindt, Alexander Blum, P.D.