Drei Franzosen in Jena

Die unwiderstehlichen Unaufhaltsamen

Man kennt es von Asterix und Obelix: Die Gallier geben ihr Dorf nie auf. Was zum Teufel hat also drei Franzosen geritten, ihre Heimat zu verlassen und nach Thuringia zu kommen?


Arnaud Deparnay, Yannick CizeronSchmeckt ihnen das Wildschwein aus dem Thüringer Wald und die deutsche Brause besser als die Pastete und der Wein in Frankreich? Vor sechs Jahren jedenfalls machten sich Yannick Cizeron, Arnaud Deparnay und Olivier Ballereau dort vom Acker - und landeten in Jena.
Yannick aus Marseille ließ das Mittelmeer hinter sich, Arnaud aus Paris musste sich von den Croissants trennen und Olivier aus Orléans für immer auf die Haute Cuisine verzichten. Doch das alles nahmen sie gern auf sich auf. Denn in Thüringen wartete eine wichtige Mission: Während die Einheimischen hier zu Tausenden das Land verlassen, um ihr Glück in entfernten Provinzen zu suchen, wollten die couragierten Gallier beweisen, dass Jena die ideale Stadt zum Wohnen ist. Und als erstes mussten sie einen Job finden.
Olivier BallereauOlivier bewarb sich nach seinem Informatikstudium bei Jena Optronik und wurde sofort zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Mittlerweile arbeitet er schon sechs Jahre bei der hundertprozentigen Tochter von JenOptik und entwickelt gerade eine Software für digitale Luftbildkameras.
Arnaud, der seine Diplomarbeit am Fraunhofer-Institut im Bereich Optik geschrieben hatte, fand ebenfalls ohne Schwierigkeiten eine Stelle. Sein Traum, eines Tages bei der weltweit renommierten Thüringer Firma Carl Zeiss Jena tätig zu sein, ging 2001 in Erfüllung. Heute noch brüstet er sich damit, dass er als erster Ausländer im Technologiezentrum arbeiten durfte.
Und für Yannick ging auch alles reibungslos. Er entdeckte die Region, während er ein freiwilliges Jahr in einem Unternehmen bei Kahla absolvierte. Heute arbeitet er als Vertriebsingenieur für diese Firma mit Sitz in Marseille von zu Hause aus. Er bietet Dienstleistungen für Halbleiterfirmen an und findet Jena optimal gelegen: "Sehr zentral, da meine großen Kunden in Erfurt und in Dresden sitzen", sagt der 30jährige. Die gute Lage ist aber nicht das Einzige, was ihm an Jena gefällt. "Hier ist alles, was man sich wünschen kann: Ein wunderschöne Stadt mit vielfältigem Angebot und einer hohen Lebensqualität", meint Yannick.
Oft treffen sich die drei Freunde in einer Taverne namens "Bohème" in der Wagnergasse. Dort sitzen sie stundenlang und sprechen über Gott und die Welt. Und auch über die Frauen. "In Jena waren die Franzosen immer erfolgreich", behauptet Arnaud nach ein paar Gläsern Zaubertrank. Dabei weiß man nicht, ob er auf seine weiblichen Eroberungen oder auf die Kriegserfolge von Napoleon anspielt. Es ist auch egal. Eigentlich können die Franzosen erzählen, was sie wollen: Wer hört ihren Akzent nicht gern?
Und wer will, kann sie sogar in Originalsprache erleben. Die drei Jungs wirken in einem französischen Theaterstück mit. "Das ist ein Projekt von der Uni unter der Leitung von Barbara Wallrodt, das wir gern unterstützen", sagt Yannick. Dieses Jahr, wenn alles gut läuft, werden sie "Les Enfants d' Edouard" von Marc-Gilbert Sauvajon spielen. Yannick, Arnaud und Olivier sind auch oft am französischen Stammtisch zu treffen. Der findet jeden Mittwoch um 21 Uhr in der "Weintanne" statt. Am Wochenende spielen sie gern Fußball im Sportforum und gehen in den Rosenkeller oder das F-Haus tanzen. Doch am liebsten sitzen sie am Café "Bohème". Ab und zu unterbrechen die drei Freunde ihre Gespräche, um einen Bekannten zu grüßen, der in der Wagnergasse vorbei läuft. Sie sind zwar erst seit sechs Jahren in Jena, aber es kommt einem vor, als ob sie die ganze Stadt kennen. "Jena ist ein Dorf", sind sie sich einig. Und dieses Dorf werden sie auch so bald nicht verlassen. So kennt man die Gallier.
 
Wort und Bild: Marie Paris