| Katharina Bach |
Vier
Rollen am Arsch
Andrea Doria kennt man - wenn überhaupt - als Liedtitel von Udo Lindenberg.
Historiker und Theaterleute wissen vom wirklichen Träger dieses italienischen
Männernamens, einem genuesischen Dogen des 16. Jahrhunderts.
Auch Katharina Bach kann mit Doria etwas anfangen. Die 22jährige studiert
Theaterwissenschaft - und spielt demnächst in Schillers "Die Verschwörung des
Fiesco zu Genua". Diese fand 1547 statt, zu einer Zeit, da Andrea Doria 80 Jahre
alt ist und in der Funktion als Stadtoberhaupt von seinem Neffen Gianettino
Doria beerbt werden soll. Jener Neffe aber ist unbeliebt und Ursache einer
Verschwörung. Der wiederum gibt der junge Graf Fiesco den Namen, seinen
Mitstreitern allerdings Rätsel auf: Geht es ihm um die Sache? Oder um die
Frauen? Am 20. August wird's geklärt, da feiert die Leipziger Truppe Die
Eumeniden Premiere an der Pferderennbahn. Janna Kagerer führt Regie, und
Katharina hat gleich "vier Rollen am Arsch". Unter anderem den Fiesco.
Die seit 2005 in Leipzig Studierende begann in der Theater-AG ihrer Schule in
Remscheid mit dem szenischen Spiel. Es folgten Kleinkunst in eigener Truppe und
Bewerbungen an Schauspielschulen. "Ich bin nicht angenommen worden", sagt
Katharina, "und habe begonnen, das Naheliegende zu studieren." Und
weitergespielt! In der hiesigen Improvisationsgruppe Sowiesoda, den Connewitzer
Cammerspielen ("Vagina-Penis-Dialog"), bei den Eumeniden. Nebenbei bastelt sie
mit zwei Gleichgesinnten eines noch namenlosen Puppen-Figuren-Projektes an "Optophobie
70 den oder Wenn Eva in den Augapfel beißt". Premiere im Oktober.
Sie will auf jeden Fall Theater machen und sich weiter an Schauspielschulen
bewerben. "Und wenn die mich nehmen, da würd ich glatt hingehen!"
Zum Theater kommt die Musik: Eine E-Gitarre habe sie sich kürzlich zugelegt,
verrät Katharina, die ansonsten oft und gern an der akustischen zupft. "Mein
Bruder Matthias spielt ganz toll E-Gitarre!" Bei der Band Sane in Wuppertal.
Katharina ihrerseits war mal Teil einer Folklore-Combo, würde "supergern
klassisches Gitarren-Duo" praktizieren, aber auch einfach nur "rhythmisch
schrammeln". "Mir macht immer alles Spaß", sagt sie, und wir zweifeln nicht
daran.
Stichwort Spaß: Sie schwimmt gern ("Sogar in der Halle!"), sitzt gern auf dem
Sofa des WG-Balkons im Waldstraßenviertel ("Unsaniert!"), hätte gern einen
richtigen Berg in Leipzig und war mit dem Rad beinahe schon bei Fiesco in Genua.
"Wir sind von Remscheid aus zum Bodensee gefahren. Eigentlich wollte ich bis ans
Mittelmeer. Das hab ich auch noch vor." Katharina, Du schaffst es!
Termine mit Katharina Bach
17.06., 06.07. Cammerspiele
22.06. LOFFT
ab 20.08. Pferderennbahn
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| Wort und Bild: Ernie Le Coq |
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