Bruce Willis

Bruce WillisZum vierten Mal: Stirb langsam

Er gehört zu jenen Kinohelden, die wohl jeder auf Anhieb erkennt. Seine abrasierten Haare, sein Lächeln, sein gestählter Körper und seine Freundlichkeit sind Bruce-Willis-Attribute mit höchstem Wiedererkennungseffekt. Und dabei ist er eigentlich doch immer nur für die harten Rollen zuständig. Seit Jahren (um nicht unhöflich seit Jahrzehnten zu sagen) mimt er uns den Unnachgiebigen, den Action-Helden schlechthin.


Und ehe der inzwischen auch schon 52jährige endgültig zu alt ist, um den aus allen noch so komplizierten Lagen fast unbeschadet Herauskommenden darzustellen, darf er in diesem Sommer noch mal so richtig ran. Zum vierten Mal geht es um langsames Sterben in unseren Kinos - und Bruce Willis ist wie gewohnt ganz vorn dabei.
Bruce WillisEr ist wieder Detective John McClane! Der sieht sich nun diesmal einer angeblich völlig neuen Art von Terrorismus gegenüber. Das nationale Computer-Netzwerk nämlich steht vollkommen still. Das hält normalerweise den gesamten Transport und die Stromversorgung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufrecht. Da hat einer aber auch an alles gedacht. An alles? Natürlich nicht! Denn wer es auch immer gewesen ist, er hat nicht an McClane gedacht bzw. an Bruce Willis Allmächtig. Der hat immer noch was Besonderes auf der Pfanne, um auch den bösesten Terroristen zu besiegen. Klar doch!
Dennoch, so richtig fies war er eigentlich erst in seiner Rolle in "Alpha Dog". Das ist knapp ein Jahr her, als Willis uns so in den Kinos begegnete. Da hatte er lange Haare und sah eher aus wie der jüngere Bruder von Clint Eastwood, da musste man schon ziemlich genau hinsehen, ehe man ihn erkannte. Was Maskenbildner eben alles machen können. Bruce WillisDiese Rolle hat aber auch etwas an sich, was Zeugnis davon ablegt, dass Willis ein recht passabler Schauspieler ist. Wenn er am Ende als Vater und Vorbild eines eiskalten Verbrechersohnes jegliche Schuld von sich weist, nimmt man ihm das ab und könnte glatt vergessen, dass da ein Schauspieler agiert.
Er selbst jedoch legt viel Wert auf eine gute Erziehung seiner drei Töchter, die aus der Ehe mit Demi Moore stammen. Dafür hat er sich sogar bestens mit der Mutter und ihrem Dritten, Ashton Kutcher, arrangiert: Man teilt sich in die Erziehung, und das klappt wohl auch bestens. Willis meint sogar, dass ihm "ein guter Vater zu sein", wichtiger sei als alles andere, auch sein Beruf.
In dem allerdings lief es eigentlich von Anfang an bestens. Begonnen hat das Ganze schon in der Schule, wo er eine Theatergruppe leitete. Nach seinem Highschool-Abschluss ging er nach New York, um Schauspieler zu werden. Hat dann auch nicht allzu lange gedauert. Kurzer Umweg über die üblichen Jobs wie LKW-Fahrer und Barkeeper, dem Posieren vor den Fotokameras als Levi's-Model und dann schon nach einem ersten Casting eine Nebenrolle.Bruce Willis
Mit der TV-Serie "Das Model und der Schnüffler" wurde Bruce Willis rasch zum Star. Als solcher hatte er es dann viel leichter als andere, seine erste große Leinwandrolle richtig gut bezahlt zu bekommen. Glatte fünf Millionen Dollar, so heißt es, war er den Produzenten wert, als er zum ersten Mal in die Rolle des Detective John McClane mit dem ihm eigenen Humor schlüpfte. Das war vor 20 Jahren richtig viel Geld. 20 Jahre ist das wirklich schon her, und wetten, dass sich die DVD vom ersten Teil nach dem Start der vierten Auflage noch immer gut verkaufen lässt! Das muss man erst einmal schaffen. Die fünf Millionen waren also gut angelegt.
Dazwischen liegen zahlreiche andere Streifen, die nicht so actionreich und auch nicht so erfolgreich waren. Das änderte sich eigentlich erst, als er den einsilbigen Boxer in Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" übernahm. Es folgte der inzwischen ebenfalls zu den Klassikern gehörende "12 Monkeys", der noch heute immer wieder gern über die Fernsehschirme flimmert. "Das fünfte Element" zeugte erneut von der Anziehungskraft des Leinwandhelden. Und der zeigte sich später auch von seiner sensiblen Seite. Unvergesslich seine Rolle in "The Sixth Sense" (Der sechste Sinn) gefolgt von "Unbreakable - Unzerbrechlich". Witzigerweise ist der sechste Sinn sein bis dato erfolgreichster Film!
Und wenn er nicht vor den Kameras agiert, dann ist er entweder in seinem eigenen Privattheater in der kleineren Stadt Hailey in Idaho auf der Bühne zu erleben oder er macht dort gar einen Kontrollgang in seiner Bar oder seinem Drugstore. Und es macht ihm ausgesprochenen Spaß, mit seiner Band unterwegs zu sein. Angeblich nur zum Spaß, aber dafür sind Bruce Willis & The Accelerators schon ziemlich erfolgreich. Mit dem ersten Album gleich Platin-Status zu erreichen, das schafft nicht jeder!Bruce Willis
Ach, und übrigens ist auch er wieder eines jener künstlerischen Talente, deren Eltern unterschiedlichen Nationen entstammen: Papa David Willison diente in der US-Army in Ida-Oberstein und lernte dort seine aus Kassel stammende Frau Marlene kennen, die kurze Zeit später Mama des kleinen Walter Bruce war. Als der Erstgeborene zwei war, zog die Familie in die USA. Dort bekam Walter Bruce noch eine Schwester und zwei Brüder.
Weniger punkten kann Willis in Europa jedoch mit seiner Haltung zum Engagement der USA im Irak. Wenngleich er der Ansicht ist, dass sich die heutigen Politiker um ihre Wähler einen Dreck kümmern würden, befürwortet er andererseits den Krieg mit der Begründung, er sei kein gewalttätiger Mensch. "Aber wir leben in einer gewalttätigen Welt. Dieses Land (der Irak - d.A.) wurde auf Gewalt aufgebaut." Also immer nach dem Spruch: Gewalt erzeugt wieder Gewalt. Da sollte er dann doch mal besser auf seine Rollenauswahl aufpassen. Aber wie meinten wir bereits so uncharmant am Anfang: Er ist inzwischen auch schon 52 …
 
Wort: Carola Kinzel / Bild: Twentieth Century Fox