Vorsicht Thiel!

Vorsicht Thiel!Verfassungsrechtlich sauber

Ich habe hier eine Geruchsprobe meiner Tochter. Wo kann ich die abgeben? Okay, meine Kleine ist erst 14 Wochen alt. Aber ich verspreche, die wird älter! Noch ist sie keine G8-Gegnerin, aber wer weiß, was wird, wenn sie mal groß ist.


Und falls sie dann dazu gehört, hat man wenigstens schon mal eine Geruchs-probe. Meine Freunde meinten zwar, die Geruchsprobe eines Babys braucht selbst der Herr Schäuble nicht. Aber mal ehrlich: Kann man zu früh mit der Prävention beginnen? Und der Herr Schäuble ist ein Meister im Vorbeugen vor Taten, die ohne ihn vielleicht nie stattgefunden hätten. Übrigens hat meine Tochter diese Geruchsprobe freiwillig abgegeben, jedenfalls ist mir kein klares Wort der Widerrede zu Gehör gekommen. Damit ist die Nummer verfassungsrechtlich sauber, oder? Ich kann sonst auch noch mal den Hergang erläutern. Also: Die Kleine hat elende rumgeningelt und meine Frau wollte sich davon kurz erholen, weshalb sie mir unseren Schatz in die Hände gab. Das Ningeln hielt mich natürlich nicht von meiner täglichen Nachrichtensendung im Fernsehen ab, und ob Ihr es glaubt oder nicht, als Angela Merkel zu sehen war, wurde mein Kind ganz still. Sie stierte die Frau Kanzlerin ungläubig an … Sowas hatte sie vorher noch nicht gesehen! Ich war schon fast bereit, mir Videos von Frau Merkel zu beschaffen, wenn mir das ewige Ruhe versprochen hätte. Doch noch während ich überlegte, wo die Angela-Videos stehen könnten (Crime? Comedy?) fing die Kleine wieder an zu wimmern. "Nein, mein Schatz, die Tante frisst dich nicht. Die sieht nur so aus." Zum Glück sind Kinder leicht zu manipulieren und vor allem abzulenken, denn kurz darauf war der Bericht über die Kanzlerin zu Ende. Dummerweise folgte aber ein Bericht über Georg W. Bush, was mein Kind mit fragendem Gesichtsausdruck zu einem Furz veranlasste, der wahrscheinlich für die Zivilisation gefährlicher war als die Bedrohungen, wegen der die USA ganze Kriege führen. Gar nicht auszumalen, die CIA hätte diesen Furz riechen können. Georg W. hätte mein Kind zur Achse des Bösen neben den Iran gestellt. Deutsche Soldaten wären dann zur Aufklärung mit Tornados über mein Wohnhaus geflogen, nur um die Bewegungen meiner Tochter zu kontrollieren. Meine Frau habe ich sicherheitshalber angewiesen, der Kleinen keine Kopftücher mehr aufzusetzen, nur noch Mützen! Mal ehrlich, darf man beim Anblick des amerikanischen Präsidenten so ein Ding abdrücken? Zum Glück kann man ebenso wie das EPO im Blut der Telekom-Profis (damals) diesen Furz meiner Tochter nicht nachweisen. Als ich das Schlimmste für überstanden hielt, kam ein Bericht über Innenminister Schäuble, der ein paar Sachen zur Terrorismusbekämpfung sagte. Da passierte es! Meine Tochter schaute konzentriert auf den Innenminister, bekam zornesrote Flecken, verzog das ganze Gesicht zu einer Grimasse, brüllte wie am Spieß und krümmte sich maßlos, um abschließend förmlich zu implodieren. Ich riss sofort das Kind aus dem Wirkungskreis des Innenministers und legte es auf den Wickeltisch. Da ich mit dem Schlimmsten rechnen musste, hieß es auch, noch mal ganz tief Luft holen und dann mit sicheren Handgriffen das Kind von der Windel befreien. Aber ich konnte wieder ausatmen, es war blinder Alarm. Hatte meine Tochter einen Dummy abgeschossen, der nur stank wie das Original? Ich war erleichtert. Und als die Kleine dann lächelte und mir liebevoll zublinzelte, war meine Welt wieder in Ordnung. Bis zu dem Moment, in dem ich mich zum Knuddeln über sie beugte … und sie sich einen abdrückte. Da werden aus Sprichwörtern Bilder! "Mir kommt die Wurst" ist nicht mehr nur eine Phrase für mich. Schlimmer noch, meine Kleine hat ganz schnell erfasst, wie Politik gemacht wird. Das Brüllen, das Jammern, der Zorn und erst recht der Gestank waren nur Ablenkung. Die Scheiße hat sie mir mit einem Lächeln serviert! Darum mein Rat ans Volk: Vorsicht, wenn Politiker freundlich und sanftmütig lächeln. Darauf folgt in der Regel ein Haufen Mist! Oder ein neues Gebäude in Dresden … Nennen wir es den Kubus. Nicht nur, dass man dem Dresdner Schloss, dem Zwinger und der Oper vor Jahren einen Riegel regelrecht vorgeschoben hat. Nein, nun baut man auch noch einen Kubus an die Stelle des alten Fresswürfels. Wahrscheinlich nach dem Motto: Was vorher nicht schön war, muss es hinterher auch nicht sein. Oder wie der Investor TLG es ausdrückt: "Da es sich um ein Bürogebäude handelt, ist der Bau zurückhaltend und schmucklos." Als ich meiner Tochter beim Windeln von diesem Projekt erzählte, hat sie nicht mal mehr gelächelt, sondern gleich gebrochen …
Beim Aufwischen,
ciao, Euer Mario
 
Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade