| Kleinformat |
Bodenständig
gegen den Strich
Im April kam das erste Album, "Allein und doch so viele", des Mittweidaer
Duos Kleinformat heraus. Veröffentlicht auf dem jungen Label New-Art-Edition.com
präsentieren MC Mensi Maniac und DJ Axpert zehn Songs fernab derzeit gängiger
HipHop-Klischees à la teurer Nobelkarossen, Allgegenwärtigkeit williger Frauen
und Battle-Rap.
Kennengelernt haben sich die beiden während ihrer gemeinsamen Kochlehre. Mensi
Maniac, welcher bis dahin schon einige Kurzgeschichten zu Papier gebracht hatte,
versuchte nun, diese auf Axperts Beats zu rappen. Das funktionierte so gut, dass
sie sich einen Proberaum suchten. Es dauerte nicht lange, bis mit der
HipHop-Crew SundaeClub ein Lied aufgenommen wurde. Der Proberaum wurde nun von
Kleinformat und dem SundaeClub genutzt und kurzerhand zum Studio umgebaut.
"Aneinander gewachsen, voneinander gelernt und sich gegenseitig angespornt", wie
Mensi Maniac die Zusammenarbeit beschreibt, erschien 2005 das gemeinsame Album "durch...einander".
Auch auf der aktuellen Veröffentlichung befindet sich ein Feature mit dem
SundaeClub. Ansonsten handelt es sich bei "Allein und doch so viele" um die
erste reine Kleinformat-Veröffentlichung. Jens alias Mensi Maniac legt beim
Songwriting Wert auf Ehrlichkeit und Authentizität. "Kleinformat steht für
Bodenständigkeit und Bescheidenheit. Ich bin darauf bedacht, eigene Geschichten
zu erzählen, meinen Alltag zu reflektieren und meine Vergangenheit zu be- und
verarbeiten - und nicht von Dingen zu singen, die ich nie erlebt habe."
In seinen Texten bringt er bekannte Probleme und Situationen zur Sprache: Streit
mit den Nachbarn, fehlende Arbeitsplätze, Unschlüssigkeit über eigene Gefühle
und Ziellosigkeit. Stets lebensbejahend und gegen kontraproduktives Gejammer.
Gesellschafts- und selbstkritisch versucht Mensi Maniac "Denkanstöße zu liefern
und Leuten, denen es ähnlich geht, zu zeigen, wie man es machen könnte. Dies
jedoch nie mit erhobenem Zeigefinger. Meine Lyrics sind vielmehr ein Wink,
Hinweis und Anreiz und nicht immer todernst zu nehmen."
Trotz oft belächelter sächsischer Mundart und mehrerer Empfehlungen, er solle
doch auf hochdeutsch rappen, steht Jens zu seinem Dialekt und sagt: "Ich
verbiege mich nicht, nur um der Masse zu gefallen. Ich will auch noch in Jahren
hinter meiner Musik stehen können."
Gerade wegen dieser Realitätsnähe und Ehrlichkeit bietet die Musik greifbare
Themen und somit eine enorm große Identifikationsbasis. Daher ist es kein
Wunder, dass sich die Kleinformat-Hörerschaft nicht nur auf Jugendliche und
Mittzwanziger begrenzt, sondern auch ältere Musikliebhaber Auftritte besuchen
und Platten der Jungs kaufen. "Die Leute sollen mit offenen Ohren auf Neues
hören. Es gilt, Voreingenommenheiten und vorgegebene Schemata zu durchbrechen",
so Sascha, ausführender Produzent des Albums.
Für das Musikalische - sprich für Beats, DJing samt Scratches - zeichnet DJ
Axpert verantwortlich. Hierbei schafft er sowohl ruhigen als auch treibenden
HipHop in einer Synthese aus Gesampeltem, Selbsteingespieltem und am PC
Programmiertem. Produziert wurde das Ganze über ein Jahr hinweg mit Sascha
Schnabels Hilfe, welcher den kompletten Entstehungsprozess von der Aufnahme und
dem Abmischen bis hin zu Promotion, Vertrieb und Verlag übernimmt.
Rückblickend sind die drei mehr als zufrieden mit ihrem Debüt. "Es ist einfach
der Hammer. Unsere Rechnung ist voll und ganz aufgegangen. Die Liebe zur Musik
wird uns noch ewig weitermachen lassen. Die Bestätigung durch positive
Rückmeldungen ist immer wieder ein Ansporn."
Auch in Zukunft ist einiges geplant. DJ Axpert plant auf New-Art-Edition.Com
unter dem Titel "Tales From The Underground" einen Sampler herauszubringen.
"Unter anderem mit Mazy und Lyrical aus Schweden will ich ein komplettes Album
füllen. Es gibt genug unbekannte Künstler, deren Potenzial gefördert werden
muss."
Sascha Schnabel arbeitet ebenfalls an einem internationalen Sampler und am
zweiten Teil des Sundae-Sound-Experimentes "Psychoakustik". Auch Mensi Maniac
bleibt nicht tatenlos, will seine Connections nach Österreich nutzen und eine
weitere CD aufnehmen. "Was vor einem Jahr noch der Fuß in der Tür war, ist jetzt
vielleicht schon die Hüfte. Wir haben gezeigt, dass wir da sind und was wir
können. Und daraus schöpfen wir Energie für alles Weitere."
www.new-art-edition.com
www.myspace.com/mensimaniac
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| Wort und Bild: Jan Soldat |
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