Krissi trifft

Heiko GräfeHeiko Gräfe - Ich bin ein Mittelmensch

Heiko Gräfe ist besser als Jörg Pilawa! Sein Hirn ist 38 Jahre alt, und das entspricht genau der Wahrheit. "Krissi! Ich bin voll gestresst!" Na gut, denk ich mir und reich ihm zur Eröffnung der Frage-Antwort-Stunde den pinkfarbenen Nintendo DS meiner Tochter.


Mit den Worten "Mal gucken, ob dein Hirn wirklich so gestresst ist, lieber Heiko!" erklär ich ihm die Vorgehensweise des japanischen, computer-gesteuerten IQ-Tests, und er legt begeistert los! "Du kannst mir ruhig nebenbei schon die ersten Fragen stellen!" Bereits nach der zweiten Frage meinerseits ist klar: Auch dieser Mann ist nicht multitaskingfähig. Ich lass ihn erst mal spielen. Fünf Minuten und ein befriedigtes männliches Ego später weiß ich, dass Heiko - für die Erfurter: Der Heiko vom Presseclub - eigentlich aus Ollendorf kommt, zu DDR-Zeiten seine Lehre als Betriebsmessundsteuerregeltechniker in Magdeburg absolvierte und im Ollendorfer Konsum an der Kasse Lebensmittelpreise eintippte. Nur, wie schafft man es vom angestellten Techniker im Erfurter Heizwerk mit Konsumerfahrung zum anerkannten Szene-Gastronom? "Mit sehr viel Mut zum Risiko, 'ner gewissen Freiheitsliebe und ganz viel Glück, immer am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein!" Das sagt einer, der von sich selbst behauptet, dass der immer wieder gern gehörte Klassiker "Wer nichts wird, wird Wirt!" nur das Resultat von Neid und Frustration der Nicht-Wirte ist. Denn außer Mut, Risikofreude und leichtem Wahnsinn braucht es noch 'ne ganze Menge mehr als einfach nur Glück! Das Zauberwort heißt wohl "andauernde Eigenmotivation"! Denn was vor dem Tresen nach leicht verdientem Geld aussieht, ist ein Knochenjob! Hinter den Kulissen einer jeder Veranstaltung, für die Heiko und sein Presseclub weit über Erfurts Grenzen hinaus bekannt sind, ist es jeden Tag aufs Neue ein Kampf an mehreren Fronten. Nachbarn stören sich an parkenden Autos, das Ordnungsamt ist genervt von Nachbarn, die sich immer wieder wegen parkender Autos beschweren, und die Gäste wollen und sollen unterhalten werden. Immer wieder! Neu! Und laut! Und wehe, sie können ihr Auto nicht in der Nähe abstellen.
"Ich lege jedem, der Gastronom werden will, ans Herz, mindestens zwei bis drei Semester Psychologie zu studieren und ein Pflichtjahr als Zivi im Pflegedienst zu absolvieren!" Und BWL? "Nö! Geld muss man nur zur Bank tragen können, den Rest macht der Steuerberater!" Ah ja! Ein bisschen Zynismus ist nach mittlerweile fast fünf Jahren Presseclub antrainiert. Aber das passt zu Heiko. "Krissi! Ich gebe doch nur zurück, was ich bekomme! Kommt mir jemand blöd, gibt's 'nen Spruch, ist jemand authentisch und ehrlich, habe ich keinen Grund ..." Lobenswert! Aber auch nicht anders zu erwarten von jemanden, der in seiner Jugend neben seinem Job im Heizwerk das Ollendorfer Gasthaus "Zur Linde" mit Bräteln und Würzfleisch zu Weltruhm führte, den Konsum gleich noch mit übernahm und eigentlich schon mit der Erfurter Rotplombe voll ausgelastet war. Klingt komisch! Ist aber so! Der Mann hat in seinem Leben vorm Presseclub schon viel bewegt und kommt dafür ziemlich bescheiden rüber. "Ich hab lieber täglich meine Brötchen sicher, als dass ich einmal vom großen Kuchen naschen darf. Bei Männern führt übermäßiger Erfolg doch meistens auch zum übermäßigen Genuss von Frauen, Alkohol und Drogen!" Hach! Was für ein Mann!
Moment mal! Was ist das denn? "Heiko? Wo wir hier gerade so kleine Brötchen backen, kannst Du mir dann bitte mal erklären, wo es bescheiden ist, die Thüringenhalle anzumieten und dort 'ne Presseclub-Disco-Fever-Party zu veranstalten?". Ein kleines Grinsen huscht ihm übers Gesicht, und ich bin mir fast sicher, ihn erwischt zu haben. "Naja! Der Samstag läuft ja ganz gut hier im Club, da kann's schon mal ganz schön eng werden, und da hab ich mir gedacht: Mehr Platz für alle! Es ist ein Versuch, vielleicht funktioniert's. Auf jeden Fall wünsche ich mir das!" Schon wieder kleines Backwerk. Aber so ist halt der Heiko. Er belegt extra 'nen Spanischkurs, um das Servicepersonal im Urlaub auf Ibiza verstehen zu können, bemerkt aber gleich im nächsten Satz, dass er eigentlich gar nix auf der Partyinsel zu suchen hätte, die wäre ja schließlich nur für die schönen Menschen! "Ich bin ein Mittelmensch! In jedem Sinne!" Ich glaube dir jedes Wort, Heiko! Vielleicht, weil wir beide wissen, dass manche Mittel einfach nur zum Zweck da sind. Sei's auch nur, um besser zu sein als Jörg Pilawa ...
 
Wort: Kristina Hentsch / Bild: Niklas Hoffa