| Kudernatschs Kolumne |
Meine Kampfgans
Wenn die Sonne lacht, lacht man gern zurück. Und damit die Sonne das auch
sieht, stellt man sich dafür am besten ans Fenster oder - noch besser - man geht
hinaus.
Draußen in Erfurt gibt's einen Huckel, auf dem man der Sonne wirklich ein
bisschen näher ist. Obendrein ist darauf und darum der Thüringer Zoopark
versammelt. Die Freude kann also gar nicht mehr aufgehalten werden! Egal, wohin
man schaut.
Also eilte auch ich dorthin, obwohl meine Begleiterin maulte, der Erfurter Zoo
sei doch arg affenlastig. Sie meinte nicht das Personal, sondern in der Tat die
pelzigen Gesellen, die sich dort im Affenhaus, im Affen-dschungel und auf dem
Berberberg reichhaltig tummeln. Wie M'Toto, der letzte Stummelaffe seiner Art,
dem aber nie langweilig ist, wie die wiederum langweilige Beschriftung
behauptete.
Das Gehege vom Berberberg darf man sogar begehen. Nichts trennt mehr Tier und
Mensch, und schon kann es passieren, dass sich Affe und Besucher gegenseitig am
Schwanz ziehen.
Wir passierten auch die Löwensavanne, in der einer der dicken Kater unter seiner
Mähne arg schielte. Oder hatte er nur ein Triefauge? Sicherlich sind dagegen
Mittelchen erhältlich - in der Löwenapotheke.
Und dann standen wir endlich - vor ihr! Vor einem Prachtexemplar der Steinbacher
Kampfgans, grau und gigantisch. Früher einmal gab's diesen meterhohen Vogel nur
in Thüringen. Sicherlich hat er sich dort in kleinen Gruppen zusammengerottet,
um am Rennsteig Reisende zu überfallen und auszurauben. Ich überlegte weiter.
Vom Bauernhof zum Bauernkrieg ist es nur ein kurzer Weg - vielleicht war auch
Thomas Müntzer gar kein Mensch, sondern so ein Steinbacher Exemplar. Deshalb
trug er immer diese Kappe mit den Ohrenschützern auf dem Kopf! Niemand sollte
was merken, wenn ihm die Bauern im Gänsemarsch folgten…
Ihr merkt es schon, der Zoo hatte mich gepackt. Ich hatte diese Kampfgans in
mein Herz geschlossen - und ich gab ihr einen Namen: Christina. Wenn der Zoopark
mit diesem Vorschlag einverstanden ist, übernehme ich gern eine Tierpatenschaft
für sie.
Meine Begleiterin zupfte an mir, wir gingen weitere Tiere anschauen.
Wir sahen rallige Esel, die jedoch voneinander getrennt waren.
Wir sahen eine Nashorn-Mutti, die ihrem Nashorn-Baby auf den Kopf schiss. So was
habe ich in meinem Bekanntenkreis noch nie beobachtet. Ich staunte, wie lange
das Baby den - nennen wir es "Apfel" auf der Stirn balancierte.
Wir sahen einen sprechenden Beo, der aber nicht sprach, obwohl alle immer über
seine Witze lachen müssen, wie eine Tafel verkündete.
Dafür redeten die Mülleimer mit uns. Sie bedankten sich höflich, wenn man ein
Papierchen hineinwarf und ratterten eine Werbung runter.
Aber all dies war nichts gegen Christina, die Kampfgans. Wenn zum Herrentag die
Country-Musik im Zoo erklingt, werde ich sie zum Tanz auffordern.
Termin:
14.06. Erfurt, Engelsburg
Kudernatschs Kautsch Open Air mit Roberto Cappelluti und Oberbürgermeister
Bausewein
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| Wort: Kudernatsch / Bild: Inka Perl |
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