| 15 Jahre Hellraiser |
Metall
am Rande der Stadt
Dass Heavy Metal in Leipzig gut geht, hat sich mittlerweile herumgesprochen.
Natürlich hinkt die popzynische Medienwelt hinterher, Playmobilfrisurenträger
hochjubelnd. Und das öffentlich-rechtliche TV jodelt weiterhin mit Andrea Berg
und Florian Silbereisen. Aber das macht nichts, sind die metallischen
Veranstaltungen doch gut besucht und die Gäste glücklich.
Einer, der nicht wenig Anteil hat an dieser Entwicklung, ist Wito (der Name ist
die italienische Nebenform von Wido) Apitzsch, der Mann, der im Hellraiser zu
Engelsdorf an den Stahlsaiten zieht. Der im Leipziger Düsterstadtteil Lindenau
geborene Gitarrenfanatiker hat sogar einen richtigen Beruf! Erlernt vor einigen
Umschulungen und Nachstudien. Handwerklich voll im ehemaligen DDR-Trend liegend,
wurde er Fahrzeugschlosser im Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW), um sich
anschließend über den Kranfahrer, Schriftenmaler, Chef der Airbrush-Abteilung
einer Werbefirma und eine Ausbildung an der Henriette-Goldschmidt-Schule zum
Sozialpädagogen und Erzieher in den Jugendklub des Engelsdorfer Gymnasiums zu
hangeln.
Dieser Jugendklub zog im Dezember 1999 um, in die oberen Räume des Hellraiser,
und ein Erfolgskonzept lernte laufen: "Die Bands, die bei uns proben, machen
auch Stage Hands, das ist ein permanentes Geben und Nehmen, so muss das auch
sein in der Jugendarbeit." Das Bildungsförderwerk Arbeit und Leben macht den
Träger, und das Jugendamt Leipzig finanziert, was das klamme Säckchen hergibt,
aber das meiste ist eben Menschenhände Arbeit.
Selbst die Liebe zu Katrin aus Auerbach - mittlerweile Vereinsvorsitzende des
Hellraiser e.V. - konnte Wito nicht vom östlichen Stadtrand weglotsen. "Es stand
nie zur Debatte, ins idyllische Vogtland zu gehen. Hier ist eben der Hellraiser
und mein Hauptberuf im Jugendklub als Erzieher. Das ist ein Miteinander, kein
Gegeneinander, mein Baby!" Nutznießer dieser Einstellung sind zur Zeit Jack In
The Box, waren aber auch schon die Dudelzwerge, Factory of Art oder Disillusion.
Die Helden von Bolt Thrower ("Diese Band verkauft sich nicht, die sind absolut
erdig!") tobten über die Bühne, Feindflug, Nightwish, VNV Nation, Rose Tattoo,
Betrayer oder Oomph! zerrten an den elektrisch verstärkten Gitarren. Und die
Engelsdorfer Jugend durfte mittun, dazulernen, dass Erfolg von
Durchhaltevermögen und Fleiß kommt und nicht von dämlichen TV-Auftritten in
irgendwelchen Richter-Shows.
Und kuschlig ging's los, damals 1992, mit Konservenparties, da gab's keine
Linsen aus der Büchse, sondern Musik von Magnettonbandkassetten aus dem Hause
ORWO, versunken im anhaltischen Teerteich, unbekümmert schwermetallisch. 15
Jahre volles Brett, die Welt drehte sich weiter und die Preise zogen an. "Wir
versuchen es konsumentenfreundlich zu gestalten, aber trotzdem müssen die Kosten
auch übertragen werden, da ist die verrückte Ausländersteuer, die Agenturen
wollen mehr Geld, die Bands und …" Egal, 15 Jahre sind eine Feier wert, und die
folgt auf dem Fuße: Drei Tage lang mit einem riesigen Line-Up in Mark Schönstädt
bei Wurzen. Der Zug hält im Ort!
www.hellraiser-leipzig.de
Termin:
25.-27.05. 15 Jahre Hellraiser mit Dark Funeral, Behemoth, den Apokalyptischen
Reitern u.a. in Mark Schönstädt bei Wurzen
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| Wort: Volly Tanner / Bild: Ernie Le Coq |
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