Kommando Kochen

Kommando KochenDie Honigbällchen von Delphi

Leonidas, Alexander, Achilles - allesamt große Griechen, die man in der Geschichte bereits bezwungen hatte. Mit einem Sieg über Dimitri und sein griechisches Reich wollten wir nun Geschichte schreiben.


Am 25. April schlichen wir uns planmäßig, Ortszeit 16 Uhr, mit absichtlich weiblicher Infanterie namens Jacky, Lena, Anne und Ute ins Delphi. Dimitri, der wie gewohnt das Eingangstor bewachte, hatte den Waffen unserer Frauen nichts entgegenzusetzen. Mit ihm als Geisel fügten sich auch die Köche des Tages, Kosta, Asat und Jana, unserem Befehl, vier komplette Drei-Gänge-Menüs zuzubereiten.
Nun ist bei Dimitri der Kunde König, und da scheineKommando Kochenn auch solch einfallende Truppen wie unser Damengeschwader dazu zu zählen. Unsere Ladies wurden auf Händen getragen und dermaßen umgarnt, dass wir uns nicht gewundert hätten, wenn der Tag nicht allein mit Honigbällchen, sondern ebenso süßen Heiratanträgen geendet hätte. Im Allgemeinen müssen die Griechen das weibliche Geschlecht vergöttern, denn hier durften sich unsere Frauen entspannen, Sekt ohne Ende schlürfen - dazu eine Massage hätte das Paradies auf Erden perfekt gemacht.
Jacky aber ist eine Frau der Tat und ließ kurze Zeit später die Köpfe rollen. Genauer gesagt: Champignonköpfe, die Ute und Anne mit einem Klecks Tomatensoße, griechisch gewürztem Hackfleisch oder Reis und Schinkenwürfeln füllten. Darüber kam dann ein Häubchen aus geraspeltem Schafskäse und alles zusammen für 20 Minuten in den Ofen. Vorspeise fertig.
Zu den Vorzügen unserer Streitmacht gesellten sich Hähnchenbrüste, die, gewürzt mit Thymian, rotem Pfeffer und Salz, in einer Schüssel voll Olivenöl vor sich hin marinierten und die Grundlage fürs Hauptgericht bilden sollten. Kommando KochenDiese Brüste wurden in Filets geschnitten, mit der Marinade in einer Pfanne und Zwiebeln erst ertränkt, dann gebraten und auf unser Kommando - Feuer frei! - mit einem ordentlichem Schuss Metaxa flambiert. Bevor die Küche abfackelte, löschte Kosta alles mit einem Fond aus Weißwein und Hühnerbrühe, ehe ein ordentlicher Schlag süßer Sahne alles zusammen cremig machte. Anschließend kamen noch ein paar Oliven und geraspelter Feta auf die heißen Teile.
Anstelle der Kartoffeln, die sich Deutschland auf den Teller wirft, gab es bei unseren griechischen Freunden erstaunlicherweise Spaghetti, die al dente gekocht wurden. In einer anderen Pfanne schmorten inzwischen Oliven, Zwiebeln, Paprika und Tomaten, die Koch Asat mit frischem Knoblauch abschmeckte und mit Hühnerbrühe löschte. Dahinein gaben wir die bissfesten Teigwaren, und alles wurde nochmals heiß durchgenudelt.
Die Beilagen schnitzten Leserin Lena und Anne aus Zucchini, Karotten und Auberginen. Anne würzte diese Scheiben mit Safran, Pfeffer und Oregano, und Jacky schob das Gemüse auf Blechen in den Grill. Dann wurden die Karottenscheiben in Orangensaft mit Petersilie gegart. Ein köstlicher Geheimtipp, der einstimmig als Beilage des Abends ausgezeichnet wurde.
Kommando KochenDas Ergebnis dieses schnellsten Überfallkommandos aller Zeiten war auch eines der köstlichsten. Aber etwas fehlte noch. Ein Besuch beim Griechen wäre nichts ohne die erwähnten Honigbällchen als Dessert. Sofort wurde von unserer weiblichen Streitmacht erneut der Befehlston angeschlagen und das noch eben gelobte Kochpersonal in die Küche zitiert. Wir warfen eine Mindestanzahl von 40 Bällchen in den Raum, worauf Dimitri sofort 20 Gramm frische Hefe, einen Viertelliter lauwarmes Wasser, 250 Gramm Mehl, Salz, reichlich Olivenöl und etwas Zimt zu einem klebrigen Teig verrührte. Nachdem der Teig eine halbe Stunde geruht hatte, nahm Kosta diesen in die Hand und drückte ihn, bis oben aus der Faust eine Blase herausquoll, die er mit einem Löffel abnahm und in die Friteuse warf. So sehr sich unsere Weiblichkeit bemühte, das mit den gequetschten Teigblasen haben sie nie hinbekommen und so scheiterte jenes Experiment in klebrigem Spaß. Nachdem alles goldgelb frittiert und mit Honig übergossen worden war, fand ein köstlicher Abend ein köstliches Ende. Der Sekt- und Weinkeller musste später nachgefüllt werden.

Unser nächster Überfall wird ungarisch. Freiwillige Rekruten melden sich wie immer unter halle@blitz-world.de.
 
Wort: Thomas Leibe / Bild: Lars Wilken