Michael Ritzmann

Michael RitzmannAchtung: Hyperaktiver Künstler

Auf ein Treffen mit Michael Ritzmann sollte man sich psychisch vorbereiten. Denn sobald man einen Fuß in sein Atelier auf dem Dachboden eines renovierten Hauses beim Kaffeetrichter gesetzt hat, schießt er los.

Es ist eine Explosion an Energie und Ideen, ein gewaltiger Fluss an Worten und Gedanken: "Dieser kleine Stuhl hier, den hat mein Großvater selbst gebaut. An dem Bild da arbeite ich gerade. Vielleicht male ich in der unteren rechten Ecke noch einen Baum. Ich liebe Bäume. Und Kinder. Ich liebe Kids. Hab zwar selbst leider noch keine, aber dafür muss ich erstmal die passende Frau finden. Ups, hab gar nicht gefragt, ob ihr was trinken wollt! Tee?" Und plötzlich ist er wieder verschwunden. Puh.
Zeit, um aufzuatmen und sich umzuschauen. Der 25jährige Erfurter Künstler hat sich in zwei Räumen einer unvermietbaren Wohnung breit gemacht. Überall hängen Bilder verschiedener Formate. Hier ein kleines rotes, da eine riesige bunte Leinwand, an der er gerade malt. Drei futuristische Städte werden hier dargestellt, die eine Bahn miteinander verbindet, erklärt er später. Grau. Blau. Orange. Auf dem Boden stehen Farbeimer und sämtliche Gegenstände auf alten befleckten Teppichen. Ein Atelier, wie man es sich vorstellt. Michael Ritzmann
Mit einer Thermoskanne und drei Plastikbechern kommt Micha irgendwann aus der benachbarten Wohnung zurück und entschuldigt sich: "Ich habe hier kein Wasser." Nun ist die Tee-Problematik nicht so zentral. Interessant ist vor allem, dass Micha eine Ausstellung auf die Beine gestellt hat.
"Alles begann mit den Kids vom Pergamenter-Kindergarten. 30 Stück. Von zwei bis sechs Jahren. Allen wurde ein Glas Farbe in die Hand gedrückt; sie sollten auf eine große Emaille-Platte das malen, was ihnen einfiel", beschreibt Micha die Entstehung des Hauptwerkes der in der Michaeliskirche bis Ende März gezeigten Schau.
Dort stellt der Erfurter gemeinsam mit sechs Künstlerfreunden aus. Manche kennt er aus den Werkstätten, in die er als 16jähriger "verdammt" wurde, als er wegen seiner Graffiti Ärger mit der Polizei bekam. Im Nachhinein war es das Beste, was ihm passieren konnte. "Wenn du eine ganze Nacht im Atelier gearbeitet hast, hast du dann keine Energie mehr, um durch die Stadt zu ziehen", sagt er. Seit knapp drei Jahren lebt Micha Ritzmann von seiner Kunst. Letztes Jahr ging er nach Mainz zum Festival "Kunst in der Stadt" und knüpfte vielversprechende Kontakte. Potenzielle Kunden hat er jetzt nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und in den USA. Micha beschränkt sich dabei nicht auf's Malen. Schreiben und das Abschleifen von Schiefer gehören unter anderem auch zu seinen Aktivitäten: "Ich mache alles, was aus meinem Kopf sprudelt."
Ach was.


Ausstellung
"Kinderquatsch mit Micha"
Michaeliskirche Erfurt, bis 29.03.
 
Wort und Bild: Marie Paris