Sophie Charlott Hensen

Sophie Charlott HensenDas Lebensbuch Hensen schreiben

Man erzählt, dass das Universum eine riesige Bibliothek sei und jedes lebende Wesen ein zu schreibendes Buch. Die meisten sind Groschenromane, gestapelt in staubigen Kisten in dämmrigen Ecken, doch einige werden zu dicken lesenswerten Wälzern.

Sophie Charlott Hensen glaubt an anderes als an die Bibliotheksgeschichte, doch auch ihre Version hat Charme und Kraft. So ist sie mit ihren 19 Lebenssommern schon bühnenerfahren wie wenige, singt berauschend warm im "Noch Besser Leben" zur Melomanie - mit der stylishen und abgehangenen Jazzmosphere - oder seit 2001 beim Revelation Gospelchor des Evangelischen Schulzentrums. Doch über allem schwebt das Theater, in der "Schille" (Otto-Schill-Straße 7, Hinterhaus) und anderswo. Sophies private Kemenate befindet sich in Markkleeberg-West, in der ehemaligen Schule von Zöbigker (in der drückte anno dazumal Bundespräsident Horst Köhler seine Nase ins Lehrbuch) bewohnt sie mit ihren künstlerisch aktiven Eltern, fünf Brüdern und zwei Mischlingshunden das Obergeschoss. Neben Vater Hensens Büro für Naturschutz und ökologisches Bauen liegt zu ebener Erde ein Kulturraum zum Jammen, mit Klavier, Schlagzeug und weiteren Instrumenten. Daher auch ihr musisches Oeuvre, ihre Mitwirkung an den Jazz-und-Lyrik-Programmen "Zwischentöne" 2 bis 5, in denen Texte von Kunze, Strittmatter, Bukowski und anderen inszeniert wurden.
Sophies großes Ding war Michael Endes "Ballade vom unnützen Leben des Jonathan Gilb" und Friedrich Hollaenders "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre" oder der von Kurt Weill umgesetzte "Abschiedsbrief" für die Nummer 4. Die "Zwischentöne" 5 mit Borchert-Texten und Wecker-Songs sind ebenfalls gerade am Start. Doch auch richtig theaternd sind einige Rollen zusammengekommen, in Jewgeni Schwarz' "Schatten" agierte sie gleich dreifach, als Amüsierschwester, Dame 2 und Dame 3, sie wirkte im Orff-Stück der Michaelisgemeinde mit, inszenierte das Krippenspiel ihrer Gemeinde völlig neu, war in Aristophanes' "Lysistrata" die Lampido und aus dem Chor der alten Weiber die Rodippe oder im "Jedermann" der dicke Vetter, ein Engel und die Mutter: "Witzigerweise spielte meine Mutter vor Jahren auch die Rolle der Mutter."
Nun brilliert sie als als Anna Magdalena Bach in "Hudeleien bei Bach" sowie in Gunter Fischers "Bonhoeffer - V-Mann Gottes"; die Schille ist erneut Auftrittsort. "Irgendwie fand mein ganzes künstlerisches Lebenswerk in der Schille statt. Ich will mit den Talenten, die mir Gott geschenkt hat, etwas zurückgeben. Das Stück hat ja auch einen christlichen Hintergrund." In die Rolle der Maria von Wedemeyer versetzte sich Sophie richtig hinein, las viel, recherchierte und probte intensiv und kompakt. "Die Gespräche und die Arbeit mit Gunter Fischer sind eine krasse Erfahrung, ich habe extrem viel gelernt, zum Beispiel mich selber völlig anders zu reflektieren."
Und da da noch ein paar Minuten sind, die gefüllt werden sollten mit Leben, ist gerade eine Funky-Soul-Reggae-Band im Aufbau, Green T, mit dem Sänger von Grünfeuer, mit Sophie Charlott Hensen und anderen. Brötchen müssen auch noch verdient werden - im Theater der Jungen Welt, beim Besucherservice, Türen öffnend und Karten verkaufend. Und Bilder müssen gemalt werden, surreal, und Ausstellungen und und und ... "Da ist noch vieles zu lernen, damit ich meine Talente ausleben kann." Leben eben - um die Seiten der Jahre zu füllen, ein dicker Wälzer zu werden und keine Fernsehzeitschrift in einer Kiste in einer Ecke.


Termine in der Schille
15., 16.03. Bonhoeffer
25.03. Zwischentöne 4
02., 03.04. Zwischentöne 5
 
Wort: Volly Tanner / Bild: Ernie Le Coq